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Schauspiel  Markt der Mysterien
Ereignis vom 20. Okt 2018, 20:00 bis zum 20. Okt 2018, 23:00
Autor: Gonto Antworten: 0



Der Markt der Mysterien




[i]Überall von den Langen verwinkelten azurblauen Kanälen
durchzogenen Straßen Suramars über die vom irisierendem
Staub geschwängerten Gassen Orgrimmars, als gleich den schier
endlosen grünen Wei
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Schemen & Schatten
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Xinuel Dämmerlicht
Forscherliga



"Getreue des Verräters"

<Illidari>

Beiträge: 11

[ Charakterinfo ]
Titel: Schemen & Schatten
Thema Beschreibung: Eine Suche, oder vielleicht zwei
Verfasst am: 9. Jan 2017, 11:09 Beitrag  Diese Nachricht und die Folgenden als ungelesen markieren Antworten mit Zitat

Tief in der Nacht spähte Xinuel von ihrem inzwischen gewohnten Aussichtspunkt herunter auf das schlafende Sturmwind. Nein, nicht schlafend - diese Stadt schlief nie wirklich, ein zweischneidiges Schwert. Einerseits war es durchaus unterhaltsam, den Menschen, die sich im Schutz der Dunkelheit wähnten, bei ihrem nächtlichen Treiben zuzusehen. Andererseits war es nie ausgeschlossen, dass eins der kurzlebigen Geschöpfe einmal den Kopf hob und zufällig den felgrünen Schein ihrer Augen und Tätowierungen erspähte. Und sich dann womöglich genötigt sah, einen Pfeil oder eine Kugel in ihre Richtung zu schicken, oder gar Alarm zu schlagen. Alles bestenfalls lästig, aber dennoch ein Grund, hier nicht allzu tief in Meditation zu versinken. Über kurz oder lang würde sie ein besseres Versteck brauchen...

Die Dämonenjägerin musste grinsen. Banale Gedanken, passend zu einem banalen Ort, eh? Sie schüttelte den Kopf und griff in ihre Tasche, holte das Bruchstück einer Kristallkugel hervor und betrachtete die wirbelnden Schatten darin, die unmögliche Tiefe, das flackernde, sich windende Chaos des Nethers. Allaris Worte kamen ihr wieder in den Sinn:

"Illidari kämpfen überall auf den Inseln gegen die Legion, das habt ihr selbst gesehen. Gutes Training für die Neueren, strategisch durchaus wichtig und sinnvoll, sogar notwendig, solange sich die Elfen in Suramar vor Allem gegenseitig umbringen. Aber wir sollten uns nichts vormachen, Dieser Krieg wird nicht durch Strategie gewonnen werden. Auch wenn wir Alles erdenkliche an militärischer Hilfe bekämen, was zweifelhaft ist... die Legion ist endlos. Und so befriedigend das Abschlachten niederer Dämonen sein mag, es führt auf Dauer nicht zum Ziel."

"Wir müssen uns auf das zurückbesinnen, wofür Lord Illidan uns Illidari geschaffen hat. Wir sind die Speerspitze gegen die Legion. Wir müssen in der Lage sein, sie ins Herz zu treffen. Ihr Alle kennt natürlich den Plan, den wir hier auf der Teufelshammer verfolgen, aber das allein wird nicht ausreichen. Wir brauchen Illidari, die in der Lage sind, Schlüsselfiguren auszuschalten. Schreckenslords, Grubenlords, Eredar... in der Schlacht wie auch hinter den Linien. Die Kommandostruktur des Feindes ist alles Andere als unverwundbar, vorausgesetzt, wir können den mächtigsten Dämonen die Stirn bieten."

"Deswegen habe ich euch hier versammelt. Jeder und Jede Einzelne von euch hat die Bedeutung von Macht - persönlicher Macht - für unseren Kampf verstanden. Daher werdet ihr ab sofort nichtmehr auf den Inseln eingesetzt. Geht und verfolgt was immer ihr für sinnvoll haltet, um genug Kraft zu sammeln, auch die Mächtigsten von Sargeras Dienern zu vernichten. <Die Blutelfe lächelte schmal> Ich bin sicher, die Meisten von euch haben da schon den einen oder anderen Plan."

Stirnrunzelnd drehte Xinuel das kristallene Bruchstück in den Fingern. Einen Plan hatte sie nicht wirklich gehabt, als sie hierher zurück kam, in die Stadt der Menschen... es war eher eine intuitive Eingebung gewesen. Und doch folgte Arandiirs kleine Karazhan-Expedition gewissermaßen auf dem Fuße, mit Ergebnissen von nicht geahntem Potenzial.

Langsam steckte die Illidari ihre Trophäe wieder ein. Ein Puzzleteil, nicht mehr... vorerst. Sie musste aufs Neue grinsen, als Es seine Zustimmung sandte, gepaart mit der üblichen Abscheu und dem Bedauern darüber, an einem so wirklichen Ort zu sein.

Geleitet von zwei Instinkten, die beide auf deutlich mehr aus waren als profane Beute, erhob sich die Jägerin auf schemenhaften Schwingen in den Nachthimmel.
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Xinuel Dämmerlicht
Forscherliga



"Getreue des Verräters"

<Illidari>

Beiträge: 11

[ Charakterinfo ]
Titel: Verfasst am: 5. März 2017, 19:31 Beitrag  Diese Nachricht und die Folgenden als ungelesen markieren Antworten mit Zitat

Xinuel atmete die kühle Nachtluft tief ein. Der Geruch von Verfall war darin, von dahinsiechendem Leben und schleichendem Unleben, von unterschiedlichsten Formen der Verderbnis. Hier, im Gebirgspass der Totenwinde, war dieses Aroma der Verheerung allgegenwärtig - und doch konnte es die Jägerin nicht von der Fährte ihrer Beute abbringen. Lautlos, auf schemenhaften Schwingen, glitt sie von einer Felsformation zur nächsten, den Blick - oder vielmehr, die Spektralsicht - stets auf die Pfade und Schluchten unter sich gerichtet.

Das Interesse der Legion an Karazhan hatte sich für die Illidari als Glücksfall herausgestellt, so gab es in relativer Nähe zu Sturmwind immer wieder die Möglichkeit, Beute zu machen. Natürlich hätte sie sich mit dem profanen Fraß der Sterblichen und ab und zu einem Felkristall abgeben können, wie die meisten Illidari abseits der Inseln. Aber Xinuel gehörte zu jenen ihrer Art, für die es nicht nur um die Euphorie der Jagd ging, um die Genugtuung, die Diener der Legion zu töten... für sie war der beißende Gestank eines frischen Dämonenkadavers gleich dem Duft des erlesensten Festmahls nach Azshari Art, das bittere, ätzende Felblut, das die Kehlen der meisten Sterblichen wohl innerhalb von Sekunden ruiniert hätte, wie purer Mondbeerensaft.

Die Mundwinkel der Jägerin zuckten, als sie schließlich die glühenden Umrisse ihrer Beute erspähte. Es hatte sich gründlich verkalkuliert, als es ihr den Appetit auf Dämonenfleisch eingeflöst hatte. Sie wusste nicht, ob Es dabei aus seiner üblichen Abneigung gegen alles Fleischliche gehandelt hatte, oder tatsächlich versucht hatte, etwas ihren eigenen Gewohnheiten und Geschäckern möglichst Gegensätzliches zu finden. Sie jedenfalls hatte den infernalen Hunger, nach kurzem Widerstand, schlicht akzeptiert... und verhinderte nun sogar, dass Es sich aus diesem Winkel ihres Seins wieder zurück zog. Solch ein fester Punkt dämonischen Einflusses machte die Kontrolle an anderer Stelle leichter, und das Felblut war stets eine willkommene Kraftquelle.

Auch in dieser Nacht endete ein guter Teil des Teufelsjägers, den sie verfolgt hatte, zwischen Xinuels spitzen Zähnen. Ein paar kleinere Fetzen wickelte sie in ein Tuch, gewissermaßen als Notration, aber all zu viel Zeit verwendete sie nicht darauf, ihre Beute zu "verwerten" - dafür war der Pass ohnehin zu unsicher, von den Schwierigkeiten des Transports ganz abgesehen. Und schließlich würde es in absehbarer Zeit nicht an Dämonen für die Jagd mangeln.

Nach ihrer Mahlzeit machte die Illidari es sich auf einem geschützten Felsvorsprung oberhalb ihrer Beutestelle bequem. Zwar war sie gesättigt, aber ab und an lockte ein Dämonenkadaver weitere, vereinzelte Diener der Legion an. Ein oder zwei mehr zu töten war gleich Tropfen in einem Ozean, das wusste sie natürlich, aber es war nichts desto weniger befriedigend, speziell wenn das Felfeuer, angefacht vom frischen Dämonenblut, um so heißer in ihren Adern brannte.

Und sie hatte ohnehin nichts Besseres zu tun, nicht wahr? Mit einem kurzen Schnauben holte Xinuel einmal mehr jenes Fragment einer Kristallkugel aus Karazhan hervor, das sich in ein Fenster zum Nether gewandelt hatte... oder zumindest einen täuschend echten Abdruck davon zeigte. Sie schaute gern hinein... hindurch. Aber alle ihre Nachforschungen rund um die Natur dieses Splitters waren bisher ins Leere gelaufen. Vielleicht hatte sie sich getäuscht? Vielleicht war dieses Gefühl der Signifikanz, welches das Fragment umgab, nur eine Einflüsterung ihres Dämons, der sich schließlich - auf geradezu absurd fremdartige Weise - nach der Körperlosigkeit des Nethers sehnte? Aber sicher wäre ihr eine solche Täuschung im Laufe der Wochen aufgefallen ...?

In diesem Moment spürte die Dämonenjägerin etwas... Neues. Auch wenn sie nichtmehr dazu in der Lage war, arkane Magie zu wirken, hatte sie sich ihr feines Gespür für die übernatürlichen Spektren bewahrt, ja, es in mancher Hinsicht noch geschärft. Und so entging ihr nicht das schwache Echo, die minimale Resonanz, die Irgendetwas gerade in ihrem Netherfragment ausgelöst hatte. Was immer es war, es konnte nicht weit weg sein... und sie konnte zumindest eine ungefähre Richtung ausmachen.

Den Mund zu einem schmalen, dämonischen Grinsen verzogen, begab sich Xinuel zum zweiten Mal in dieser Nacht... auf die Jagd.
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Xinuel Dämmerlicht
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"Getreue des Verräters"

<Illidari>

Beiträge: 11

[ Charakterinfo ]
Titel: Verfasst am: 4. Sep 2017, 11:14 Beitrag  Diese Nachricht und die Folgenden als ungelesen markieren Antworten mit Zitat

Die Dämonenjägerin saß auf einem Dach hoch über Sturmwinds Kathedralenplatz. Am Portal wechselte gerade die Wache, aber das nahm sie nur entfernt wahr. Xinuel hatte ihren Geist nach innen gekehrt, wie sie es schon länger nicht mehr getan hatte - genau genommen hatte sie es schon zu lange hinaus geschoben. Auch der konstante Rausch des Felfeuers konnte Ruhe nicht vollkommen ersetzen, aber der Fähigkeit zu schlafen hatte Es sie schon lange beraubt, und so blieb ihr altes Refugium die beste Alternative.

Unter dem einzelnen, felgrünen Stern schritt Xinuel durch die verfallenen, dunklen Hallen. Sie konnte nicht behaupten, dass sie den Müßiggang hier besonders genoss, zu viele ungebetene Erinnerungen waren in diesen Ruinen ihrer alten Kreation vergraben, stets darauf wartend, ihren Geist in einem unbedachten Moment für sich zu vereinnahmen. Mit einem Seufzen ließ sie sich auf einer umgestürzten Säule nieder. Es gab keine andere Möglichkeit, sie konnte es sich nicht leisten, beim bevorstehenden Angriff auf Argus auch nur einen einzigen Moment unkonzentriert zu sein, weil sie ihrem Körper das Wenige an Erholung versagt hatte, das er brauchte. Zumindest schien Es sich mit möglichen Provokationen zurück zu halten, sie hatte bisher kaum ein Anzeichen ihres Dämons gesehen. Schnaubend unterdrückte sie jeden Gedanken an den letzten derartigen Vorfall.

Die Illidari ließ den Blick über den verlassenen Hof streichen, an dessen Rand sie gerade saß. Den wenigen Bodenplatten nach zu urteilen war es wohl mal ein Garten gewesen, auch wenn die rissige, verbrannte Erde zwischen den Wegen nicht gerade zu dieser Vorstellung einlud. Im Zentrum befand sich ein Springbrunnen, dessen unterstes Becken zu ihrer Verwunderung noch mit Wasser gefüllt war, und den eine Statue krönte. Xinuel musste schmunzeln: Auch wenn die Statue ihren Kopf verloren hatte, erkannte sie das Bildnis der Mondgöttin. Die Verehrung von Elune hatte in ihrer alten Heimat nie eine besonders große Rolle gespielt, schon garnicht in der Phase, die sie selbst erlebt hatte. Nichts desto weniger waren ihre Abbilder zumindest eine Zeit lang noch Fixpunkte künstlerischen Schaffens und baulicher Verschönerung gewesen, was ihr altes Selbst offensichtlich hier übernommen hatte.

Die Jägerin erhob sich und ging näher an das Becken heran, eigentlich in der Absicht, die Statue genauer zu betrachten. Sie stutzte. Das Wasser im untersten Becken des Brunnens war, und blieb, pechschwarz. Kein Licht spiegelte sich darin, nicht das ihrer Augen, nicht einmal das des Feuersterns hoch über ihr. So etwas hatte sie an diesem Ort noch nie gesehen, und das war an sich eigentlich schon ein Ding der Unmöglichkeit. War Es dafür verantwortlich, oder... ? Am Rand des Beckens angekommen, beugte sie sich herunter. Bei genauem Hinsehen war das Wasser nicht völlig ruhig, auch wenn sich die Oberfläche nicht bewegte, es besaß eine gewisse Tiefe, wie Schichten über Schichten von Dunkelheit, die sich langsam verschoben. Einen Moment zögerte Xinuel noch, dann tauchte sie langsam einen Finger hinein.

Der erste Kontakt war wie ein kleiner Blitzschlag, danach eine zehrende Kälte. Wichtiger war aber die Resonanz, die sie zusätzlich spürte... sowohl von den beiden Klingen, die in der echten Welt sicher auf ihrem Rücken verstaut waren, wie auch durch Es, das sich merklich zu regen begann. Das war Alles, was sie brauchte, um sich zumindest dieser Dinge sicher zu sein: Was immer sie hier vor sich hatte war erstens nicht von ihr geschaffen und zweitens ziemlich... interessant. Erholung würde im Zweifelsfall wohl doch noch ein Wenig warten müssen.

Mit einem entschlossenen Lächeln auf den Lippen machte Xinuel einen weiteren Schritt nach vorn, ließ sich herabgleiten... und tauchte tief.
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Xinuel Dämmerlicht
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"Getreue des Verräters"

<Illidari>

Beiträge: 11

[ Charakterinfo ]
Titel: Verfasst am: 6. Jan 2018, 14:36 Beitrag  Diese Nachricht und die Folgenden als ungelesen markieren Antworten mit Zitat

Viele Wochen nachdem der Kreuzzug Argus verlassen hatte fand Xinuel wieder einen dieser seltenen Momente, die manche "Ruhe" nennen würden. Ihre Klingen ruhten, schlafend, in ihren Halterungen... es musste Monate her sein, dass sie das violette Feuer selbst gelöscht hatte. Indem ihr Blick über die verheerten Oberflächen des Planeten wanderte, die von ihrem Aussichtspunkt hier in Mac'Aree einsehbar waren, versuchte die Illidari, die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit dem Fel-gespeisten Rausch zu entreißen, in welchem sie sie erlebt hatte, und eine gewisse Ordnung in die Abläufe zu bringen.

Die Kämpfe in und um Antorus waren brutal gewesen, ganz wie erwartet. So wie die Legion alles aufgeboten hatte, was ihr noch blieb, so hatten doch auch weder die Illidari und ihre Verbündeten ihnen alles entgegen geworfen, das sie hatten. Die Grundfesten der dämonischen Zitadelle waren von diesen Konfrontationen erschüttert worden. Xinuel kam nicht umhin, zufrieden zu grinsen, als sie sich daran erinnerte, wie sie mit ihren Brüdern und Schwestern Kin'garoth und seine infernalische Maschinerie in den Abgrund geschickt hatte. Auch das Schiff der Draenei hatte sich dabei bewährt - sie selbst hatte bis zuletzt damit gerechnet, dass sie die Teufelshammer doch noch zum Einsatz bringen müssten, aber es schien, als sei die Vindicaar tatsächlich jedem Angriff gewachsen, den die Legion noch gegen sie richten konnte.

Natürlich hatte es auch... unvorhergesehene Entwicklungen gegeben. Allen voran die Erkenntnis, dass Sargeras mehr als nur einen seiner titanischen Brüder in seinen Fängen hatte, dass sie vielleicht nur Tage oder Stunden davon entfernt gewesen waren, von einem korrumpierten Pantheon innerhalb von Augenblicken vernichtet zu werden.

Xinuel seufzte, während sie den Blick gen Azeroth wandte. Die zweite, und weniger prominente unerwartete Erkenntnis war, dass all ihre Bemühungen hier vielleicht dennoch umsonst gewesen waren. Denn was den meisten ihrer Verbündeten lediglich als eine ominöse Wolke erschien, war für viele Illidari selbst auf diese Distanz eine Präsenz, deren unerträglicher, brennender Blick in jedem Moment zu spüren war. Sargeras war seinem Ziel vielleicht näher denn je, und alles, was ihr blieb, war abzuwarten.

Dies war die dritte, und vielleicht schmerzlichste Erkenntnis gewesen... dass sie nicht Teil der finalen Konfrontation sein würde. Der Meister war in dieser Sache unmissverständlich gewesen, und doch hatte sie ihn danach noch einmal allein aufgesucht - die Erinnerung daran hatte sich tief in ihr Gedächtnis gebrannt...


Xinuel kniete auf dem rauen Felsen, den Kopf gesenkt. Eine ungewohnte Pose, doch noch immer die einzige, die ihr für ihr Gegenüber angemessen schien... zumal sie gerade dabei war, seine direkten Befehle zu hinterfragen.

"Meister. Ich komme, um..."

"Ich weiß, weshalb du hier bist." Illidans Schmunzeln war hörbar. "Du willst mich begleiten, bei unserem letzten Angriff auf Antorus. Erhebe dich."

Sie tat, wie ihr geheißen. Illidan sah sie nicht direkt an, er war zur Seite gewand, den Blick auf den brennenden Thron gerichtet. Sie atmete tief durch.

"Ich kann euch dabei genau so helfen wie Jayce, Kor'vas und Allari, Meister. Gegen einen Gegner wie Aggramar werdet ihr jede Unterstützung brauchen können und..."

"... und du bist stark genug, um es mit Jedem dieser drei aufzunehmen. Ist es nicht das, was du sagen willst?" unterbrach Illidan sie amüsiert. "Du hast Recht. Aber der Grund, warum du zurück bleiben wirst, ist nicht jener, dass du in so einem Kampf zu einem Hindernis würdest."

Er machte eine Pause, die Gedanken überschlugen sich derweil in Xinuels Geist. "Was... ist der Grund, Meister.. ?"

"Aggramar bewacht das Herz von Argus, das Ziel all unserer Anstrenungen auf diesem verfluchten Fels. Und trotzdem habe ich die Ahnung, dass es damit noch nicht vorbei sein wird... dass ich den letzten Teil dieses Weges allein gehen muss." Der Meister der Illidari wandte seinen Blick in Richtung der Wolke an Azeroths Seite. "Daher habe ich mich entschlossen, meine Begleitung nicht nur nach ihrer Fähigkeit auszuwählen, den bevorstehenden Kampf zu überleben... sondern auch nach den... Einflüssen, unter denen sie stehen. Es galt, Risiken abzuwägen."

Die Worte trafen die Dämonenjägerin wie ein Schlag in den Magen. "Ich... das ist alles passiert, um unserem Kampf zu dienen, Meister! Meine Klingen sind das Produkt einer Suche, die Allari selbst angeordnet hat!"

Illidan schnaubte nur. "Es spielt keine Rolle, wer was angeordnet hat. Im Gegensatz zu Allari weiß ich genau, was du damals in deiner Arroganz gebunden hast... und auch, was dir vor den Illidari widerfahren ist. Willst du mir ernsthaft erzählen, dass sich dein Interesse an den Kräften der Leere auf die Erschaffung deiner Klingen beschränkt?"

Er sah sie nun direkt an. Sie schluckte. Er hatte völlig Recht, und doch... sie sprach leiser. "Ganz gleich, woher ich meine Kraft beziehe... ich würde euch niemals verraten, Meister... !" Ihre Hand legte sich dabei auf seinen Arm.. eine instinktive Geste, unüberlegt. Der Moment schien wie in Zeitlupe abzulaufen...

Im nächsten Augenblick baumelte sie in der Luft, ihre Kehle in seinem stählernen Griff. Ein animalischer Laut entfuhr ihr, aber sie unterdrückte den Impuls, Widerstand zu leisten, auch wenn "Es" im Hintergrund ihres Geistes ein wahres Pandämonium erweckte. Der Meister war ihr um Welten überlegen, das wusste sie nur zu gut. Seine nächsten Worte kamen ebenfalls leise... zischend.

"Ganz vorsichtig, Xinuel... ich bin nicht Tortheldrin, und du bist nicht..."

Der Name blieb unausgesprochen, aber sie kannte ihn genau. Er ließ sie zu Boden fallen und wandte sich wieder um. Während sie noch nach Luft rang, sprach er erneut.

"Es ist nicht so, dass ich dir nicht vertraue. Im Gegenteil. Ich vertraue dir genug, um dich weiterhin als Teil derer zu sehen, die meinen Namen tragen... als Illidari. Bedenke aber, dass Illidari stets die Dunkelheit kontrollieren... nicht umgekehrt. Ganz gleich, welche." Er machte eine Pause, sie wollte etwas entgegnen... und fand, zum ersten Mal in Jahrzehnten, keine Worte. "Bedenke das gut, Xinuel. Und nun... lass mich allein."



Die Illidari senkte ihren Blick, sah wieder auf Mac'Aree herab, das von der Leere gezeichnet war. Sie presste die Lippen aufeinander. Sie hatte nicht vor, ihren Meister zu enttäuschen... aber zwischen den Lügen und Halbwahrheiten der Schatten nach Antworten zu suchen, danach hatte es sie selten mehr verlangt als jetzt.

Mit einem Seufzer öffnete sie schemenhafte Schwingen, um sich herunter gleiten zu lassen.
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Xinuel Dämmerlicht
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"Getreue des Verräters"

<Illidari>

Beiträge: 11

[ Charakterinfo ]
Titel: Verfasst am: 15. Jan 2018, 15:45 Beitrag  Diese Nachricht und die Folgenden als ungelesen markieren Antworten mit Zitat

Xinuel stand am Rand der Leerenfelder von Mac'Aree, nun zum dritten Mal innerhalb weniger Tage. Theoretisch waren die Bedingungen, um den Schatten ihre Geheimnisse zu entlocken, hier ideal - die Leere war buchstäblich zum Greifen nah, und Felenergie war ebenfalls im Überfluss vorhanden. Natürlich hatte ihr das bei den vorherigen Versuchen auch wenig geholfen, im Gegenteil. Sie kam nicht umhin, sich die Frage zu stellen, ob sie hier nicht etwas zu ambitioniert vorging. Kleinere Mengen der beiden adversen Urkräfte, die sie hier mühsam in einer zusammenhängenden Struktur verwob, wären wohl leichter zu kontrollieren gewesen.

Die Illidari schürzte nachdenklich die Lippen, den Blick auf die wirbelnde Dunkelheit vor sich gerichtet. Nein, es musste hier und jetzt funktionieren... sie brauchte nicht in die Zukunft sehen zu können, um zu wissen, dass ihre verbleibende Zeit auf Argus sich dem Ende zuneigte. Die Schlacht um Antorus musste sich in diesen Stunden ihrem Ende zuneigen, und dann... sie unterdrückte den Reflex, in Richtung der Wolke zu blicken, die nach wie vor an Azeroths Seite zu kleben schien. Antworten würde sie hier finden, aber nicht durch zielloses Grübeln.

Sie ging in die Hocke und tauchte die Finger in die wabernde Schwärze vor sich. Physischer Kontakt war streng genommen nicht nötig, aber da ihr beißende Kälte wenig anhaben konnte, zog sie diese Methode einem vorsichtigeren Ansatz vor. Das Felfeuer unter ihrer Haut begann, intensiver zu glühen, während sie "Es" seine Kraft abrang und dabei ihre Form veränderte. Wie immer, wenn es um die Leere ging, schien "Es" kaum motiviert, Widerstand zu leisten... im Gegenteil, sie spürte seine fremdartige Euphorie.

Während Xinuels Geflecht aus Fel und Schatten Form annahm, sah sie sich gleichzeitig im Geiste auf den Brunnen der geköpften Göttin zugehen. Auch dies war wohl eher eine Stütze als eine Notwendigkeit, aber sie hatte die Erfahrung gemacht, dass es ungemein hilfreich sein konnte, für die Visionen, die folgen würden, einen festen Ausgangs- und Rückkehrpunkt zu haben. Sie musste grinsen... schließlich wäre sie nicht die Erste, die sich in der Leere verlor. Indem sich die letzten Bestandteile ihres Zaubers in ihre fluktuierenden, aber stets gegengewichteten Bahnen fügten, ließ sie sich in das schwarze Wasser des Brunnens gleiten.

Kälte. Stimmen, verzerrt und tausendfach widerhallend. Das Gefühl, in einen bodenlosen Abgrund zu stürzen und die intuitive Gewissheit, dass hier Wesenheiten lauerten, die Einem nach mehr als nur dem Leben trachteten: Das war die Leere. Für Xinuel bei Weitem kein neuer Eindruck, aber selbst sie würde sich wohl niemals daran gewöhnen - auch wenn "Es" hier geradezu frohlockte. Sie atmete tief durch (wo genau war an diesem Punkt schwer zu sagen) und griff mit ihrem Bewusstsein hinaus in die dunkle Unendlichkeit. Ihr Zauber filterte den dissonanten Wahnsinn in Bilder, die sie in rascher Folge trafen...

Illidan, ihr Meister, verbrannt und gebrochen unter einem feurigen Schatten. Illidan, gefangen und doch völlig aufgehend im ewigen Kampf mit eben diesem Schatten. Illidan, der selbst der Schatten wurde und sich in neuer Größe erhob... Sie biss die Zähne zusammen. Der Meister würde sein Schicksal selbst bestimmen, sie hatte darauf keinen Einfluss mehr. Sie musste sich auf den Ort konzentrieren, wo ihre eigene Zukunft liegen würde...

Azeroth. Blau und unberührt vor dem Meer der Sterne. Azeroth, in Flammen, zerbrechend. Azeroth, verwundet, dann sich selbst verzehrend. So eindrucksvoll diese Bilder waren, sie brauchte einen kleineren Rahmen als den ganzen Planeten...

Sturmwind. Bei Nacht, bei Tag, im rapiden Wechsel. Sturmwind, im Kriegszustand, Soldaten die durch die Straßen marschieren, Kriegsgerät auf großen Schiffen. Sturmwind, in Ruinen, mit wechselnden, zerfledderten Bannern auf den ausgebrannten Türmen, ein Feuer im Hintergrund, das mal rot und gold, mal blau und violett schien. Sturmwind, geschmückt mit Blumen und Fahnen, das heimkehrende Helden feierte. Sie stutzte. In vielen der Bilder waren Elfen von kleiner Statur zu sehen, keine Kaldorei, auch wenn ihr Hautton bläulich erschien...

Eine einzelne Elfe in einer seltsamen Gruppe, in einer Stadt, die nur Silbermond sein konnte. Dieselbe Elfe, getrennt vom Rest, gar feindseelig. Eine zweite Gruppe von Elfen hinter ihr, die zu versinken schienen und verzweifelt die Hände nach ihr ausstreckten... Die Elfe war Alleria Windrunner, das erkannte sie auf den zweiten Blick. Sie wusste, dass diese Heldenfigur der Allianz sich mit einem Astralen verbündet hatte, um sich die Leere zu Nutze zu machen. Aber wer waren die...

Alleria, gehüllt in Schatten, vor einer Gruppe Elfen, die geschlossen das Haupt beugten. Alleria, in einem neu und menschlich aussehenden Gebäude, neben verschiedenen Würdenträgern. Alleria, die einem der blauen Elfen die Hand gab. Der neigte den Kopf, drehte sich dann um... und sah sie direkt an. Für den Bruchteil einer Sekunde meinte sie, ein Grinsen zu sehen... dann zerbrachen die Bilder wieder in formloses Chaos.

Xinuel erhob sich, nach Luft schnappend, aus den schwarzen Wassern des Brunnens, während sie in der echten Welt ihre Hand zurückzog. Um sie herum löste sich ihr Zauber in dramatischen Entladungen auf, aber das beachtete sie kaum. Ein dämonisches Grinsen formte sich auf ihren Zügen... es galt, heim zu kehren. Nach Azeroth.

Die Zukunft, wie genau sie auch aussehen würde, schien erfüllt von wahrhaft interessanten Möglichkeiten.
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