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Nominierung zur Wahl des Bürgersprechers zu Sturmwind
Ereignis vom 17. Nov 2017, 01:00 bis zum 24. Nov 2017, 22:00
Autor: Greham Antworten: 0

Bürgerinnen und Bürger Sturmwinds!

Vom 17. Tage des elften Monats, bis zum 24. Tage des elften Monats diesen Jahres kann sich jeder eingetragene Bürger/in Sturmwinds auf das Amt des Bürge
Beichtgelegenheit bei Abt Aedan of Iona
...in der Kathedrale zu Sturmwind
Ereignis vom 22. Nov 2017, 20:00 bis zum 22. Nov 2017, 23:00
Autor: Aedan Antworten: 0

Licht zum Gruße, Bürger Sturmwinds, Gäste, Zugereiste und Durchreisende,

die Gelegenheit, Euer Gewissen zu erleichtern, die Absolution im Lichte oder Seelsorge zu erhalten, habt Ihr am 22. Tage diesen Monats in der Kathedrale.
Von der achten bis zur
Heilertreffen
Ereignis vom 22. Nov 2017, 20:00 bis zum 22. Nov 2017, 22:00
Autor: Katherina Rodenwald Antworten: 0

Werte Schwestern und Brüder,

Ich würde gerne, rückblickend auf den Kreuzzug ein kleines
Heilertreffen abhalten, und die Heiler und deren Helfer welche
beim Kreuzzug dabei waren, dazu einladen.

Das Treffen soll am kommenden Mittwoch (22.11.) zur
Deutsche Petbattle Meisterschaft
Natürlich auf der Forscherliga zu Hause!
Ereignis vom 24. Nov 2017, 21:00 bis zum 26. Nov 2017, 19:30
Autor: Veneanár Antworten: 0

https://sylvanasgarde.com/files/pbm17/FB-File-da03fd9c623c94d59122a6c476019820.png

Die deutsche Petbattle Meisterschaft ist ein Turnier in dem sich die Teilnehmer messen und um den Titel „Deutscher HaustierkampfmeisterIn 2017“ zu erringen. N
Pilgerfest von Weststrom
Ereignis vom 26. Nov 2017, 20:00 bis zum 26. Nov 2017, 22:00
Autor: Cathalan Antworten: 0

Das Licht mit Euch!


Das Jahresende nährt sich mit großen Schritten und wieder einmal begehen die Menschen im ganzen Königreich das Pilgerfest.

Wir wollen in Weststrom zusammen kommen um unserem Glück zu gedenken und dieses dann mit unseren Gästen
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Thema Nominierung zur...
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Sa 25 Nov 2017
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So 26 Nov 2017
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Avalora Dalaneira Sternenstaub
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Avalora Sternenstaub
Die Nachtwache




Oberleutnant
<Orden der Dalanari>

Beiträge: 195

[ Charakterinfo ]
Titel:   Avalora Dalaneira Sternenstaub
Thema Beschreibung: Gedanken und Erlebnisse
Verfasst am: 26. Nov 2016, 19:32 Beitrag  Diese Nachricht und die Folgenden als ungelesen markieren Antworten mit Zitat

25. Tag des elften Monats

Es wird mir langsam zu viel und ich habe das Gefühl, mir wächst alles über den Kopf. Erst gestern dachte ich, dass nun nach den Gesprächen mit Shan’do Bärenpranke und Großvater alles wieder besser werden würde. Doch ich habe mich geirrt. Es wurde noch schlimmer.

Großvater hatte ein Gespräch unter vier Augen mit Shan’do Bärenpranke. Ich hatte mich zurückgezogen, da ich nicht gebraucht wurde.

Irgendwann sah ich Großvater am Mondbrunnen. Mein Gefühl sagte mir, ich sollte nach ihm sehen. Er wirkte verkrampft. Ich fragte ihn, was los sei. Er stieß mich jedoch fort, sagte, dass ich das nicht wissen muss. Sein Verhalten verletzte mich, und ich ließ ihn stehen. Wieder zog ich mich zurück. Ich musste mich beruhigen. Ich musste nachdenken.

Warum behandelte mich mein Großvater so? Warum stieß er mich fort? Lag es daran, dass ich ihn immer wieder enttäuschte, ihm immer wieder Kummer und Sorgen bereitete? Ich verstand es nicht. Ruhelos wanderte ich umher, um schließlich Trost am Mondbrunnen zu suchen. Hoheschwester Nemiel war dort. Sie redete mit mir und versuchte, mich zu beruhigen.

Dann hörte ich Großvaters Brüllen. „Sie haben ihn getötet!“, brüllte er. Normalerweise wäre ich besorgt zu ihm geeilt, doch ich blieb, wo ich war. Er war immer noch bei Shan’do Bärenpranke.

Noch immer sprach Hoheschwester Nemiel mit mir und versuchte, mich weiterhin zu beruhigen. Dann trat Großvater an den Brunnen. Er starrte ins Wasser und ballte seine Fäuste. Die Hoheschwester versuchte, mich dazu zu bringen, mit ihm zu reden. Doch ich hatte Angst, dass er mich erneut fortstößt, mich erneut verletzt. Zweimal am gleichen Tag wäre zu viel für mich gewesen.

Und doch… als ich wieder zu Großvater sah, sah, wie es ihm ging, da brach mir fast das Herz. Die Hoheschwester ermutigte mich. Ich folgte Großvater, als er sich vom Brunnen entfernte. Doch wieder stieß er mich fort. Er sagte, ich will, ich darf es nicht wissen. Erneut verletzte er mich damit. Doch dieses Mal blieb ich. Er sagte, er wolle mich nur beschützen. Er hätte den Tod meines Vaters gesehen. Die Bilder von damals hatten sich in mein Gedächtnis eingebrannt, und ich sah sie in dem Moment wieder vor mir. Ich erinnerte ihn daran, dass dieser Schmerz uns beide verbindet.

Doch erneut fühlte ich mich fortgestoßen, als er äußerte, erst mit Shan’do Bärenpranke und der Hoheschwester allein reden zu wollen. Danach würde er mir erzählen, worum es ging. Er sagte, es würde ihm leichter fallen. Er sagte, er habe so nicht das Gefühl, mich zu belasten. In dem Moment resignierte ich. Ich hätte ohnehin keine Chance gehabt, ihn davon abzuhalten, also ließ ich ihn ziehen, so weh mir das auch tat. Ich ließ zu, dass er meine Stirn küsste. Danach wandte ich mich ab und ging zum Mondbrunnen.

Die Zeit des Wartens verbrachte ich im Gebet. Ich bat Mutter Mond um Kraft, Ruhe, Stärke und Trost. Shan’do Bärenpranke bekam diese Worte mit und meinte, dass dies Tugenden wären, die mich ausmachen würden. Doch er irrte sich. Ich fühlte mich schwach, unruhig und verletzt.

Schließlich kam Großvater wieder zu mir und kniete sich neben mich. Ich solle nicht vergessen, dass alles, was er tut, er deshalb tut, um mich zu beschützen, selbst wenn es, wie er sagte, bösartig wirke. Ich korrigierte ihn und sagte ihm, dass es nicht bösartig, sondern verletzend war. Er sprach von Opfern und dass ich das eines Tages verstehen würde. Natürlich fragte ich nach. Ich hatte bereits Opfer gebracht, und jedes einzelne lastet mir noch schwer auf dem Herzen.

Jetzt im Nachhinein wünschte ich, ich hätte ihn in Ruhe gelassen. Ich wünschte, ich hätte nicht nachgefragt.

Großvater hat mir gezeigt, was er gesehen hat, als er in den Mondbrunnen sah. Ich sah den Leichnam meines Vaters, wie er ins Lager der Illidari geschleift wurde. Ich sah, wie die Illidari die Wunden meines Vaters reinigten. Doch er war nicht tot. Er ist nicht tot! Was ich dann sah, ließ mein Herz und meine Welt zerbrechen. Mein Vater wurde zu einem von ihnen.

Davor hatte Großvater mich schützen wollen. Hätte ich ihm doch vertraut! Wäre ich doch bloß nicht so stur gewesen! Doch ich konnte nicht anders. Ich sah, wie ihn das, was er gesehen hatte, zerriss.

Es war einfacher, als ich noch glaubte, mein Vater wäre damals gestorben. Und doch bin ich froh, dass Großvater mir dies gezeigt hat. Zu zweit ist der Schmerz einfacher zu ertragen. Doch ich empfinde nicht den Frieden, den er verspürt.

Ich bin Großvater dankbar für seinen Beschützerinstinkt, auch wenn er mich manchmal damit erdrückt. Er kann mich nicht vor allem beschützen. Das konnte er noch nie.

Bisher habe ich immer in den Sternenhimmel geschaut, weil ich dort meine Mutter und meinen Vater vermutet habe. All die Jahre, die ich meinen Vater vermisst habe, waren eine Lüge gewesen. Nein, das stimmt so nicht. Sie waren keine Lüge. Mein Vater ist nicht hier. Und… er wird niemals mehr bei mir sein. Er ist zu einem Illidari geworden. In mir brennt die Frage nach dem Warum. Warum hat er das getan? Warum hat Mutter Mond das zugelassen? Der Gedanke, dass er ein Illidari geworden ist, zerreißt mich innerlich. Haben sie ihn dazu gezwungen? Hat er sich freiwillig dafür entschieden? Wie konnte er das uns antun? Ist er denn noch mein Vater? Habe ich ihn bereits getroffen, ohne dass ich es weiß? Oder werde ich ihn treffen? Werde ich ihn überhaupt erkennen? Will ich ihn überhaupt treffen? Will ich ihn erkennen?

Ich kann nicht anders als an das Gedankenspiel zu denken, welches eine andere Illidari in Sturmheim während des Kreuzzuges geäußert hatte. Damals hat es mir Angst gemacht, auch wenn es nur ein Gedankenspiel war. Jetzt… ist es bittere Wahrheit.

Ich weiß nicht, was ich tun soll. Wie oft soll mein Herz noch brechen? Wie oft wird es noch gebrochen werden?

Mutter Mond, was hast du mit mir vor?



Zuletzt bearbeitet von Avalora (Die Nachtwache) am 21. Jul 2017, 13:53, insgesamt einmal bearbeitet
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Avalora Sternenstaub
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Titel: Gedanken einer Kaldorei
Thema Beschreibung: Tagebuch von Avalora Dalaneira Sternenstaub
Verfasst am: 27. Nov 2016, 15:37 Beitrag  Diese Nachricht und die Folgenden als ungelesen markieren Antworten mit Zitat

26. Tag des elften Monats

Der Tag danach… nach dieser schrecklichen Offenbarung. Ich habe schlecht geschlafen, obwohl ich bei Thalanil war. Er hat die ganze Zeit über mich gewacht und versucht, mir auf seine Weise Trost zu spenden. Ich bin ihm dankbar dafür, auch wenn ich nicht das Gefühl habe, dass es geholfen hat. Der Schmerz ist noch immer vorhanden. Aber vielleicht dauert es auch nur seine Zeit.

Ich habe mich am heutigen Tage zurückgezogen. Ich musste nachdenken. Lediglich Thalanil blieb in meiner Nähe und ließ mich nicht aus den Augen. Auf seine Weise schenkte er mir Trost und Halt, so wie er es in der Vergangenheit immer getan hatte.

Ich frage mich, ob Großvater nicht Recht hat. Er sagte, Mutter Mond habe uns diese Bilder geschickt, damit wir Frieden haben, weil wir nun die Wahrheit kennen. Bisher hatten wir nur angenommen, dass mein Vater damals in der Scherbenwelt starb. Wir hatten es nicht gesehen, nur wie er überwältigt wurde. Wir hatten keinen Leichnam, den wir bergen konnten.

Ich horche in mich hinein und denke über Großvaters Worte nach. Er hat Recht, das Gefühl, dass etwas nicht stimmte, hatte nicht nur er. Ist das der Grund, weshalb ich niemals über den vermeintlichen Tod meines Vaters hinweg gekommen bin? Weshalb ich nicht nach vorne sehen konnte? Weshalb ich meinen Vater immer noch vermisse?

Dennoch war es einfacher, als ich noch glaubte, er wäre tot. Da wusste ich, dass ich ihn niemals wiedersehen werde. Jetzt nagen die Fragen vom gestrigen Tage an mir und auch Angst.

Nein, nein, nein. Ich darf mich nicht von den Fragen und der Angst lähmen lassen. Großvater hat Recht mit seiner Aussage in einem anderen Zusammenhang. Zum einen darf ich nicht die Angst von mir weisen, sondern muss sie mir zum Freund machen, sonst lähmt sie mich. Ich muss mich auf die Stärke der Dalanari besinnen. Die Angst ist nicht mein Feind, sie ist mein Freund. Er hatte auch Recht damit, als er sagte, dass ich mich sinnlos mit der Vergangenheit quäle, obwohl ich keine Antwort finden werde. Die Worte passen auch auf diese Situation. Ich spiele dem Feind damit nur in die Hände. Egal welchem Feind.

Auf manche Fragen gibt es keine Antwort, so bitter diese Wahrheit auch ist. Auf andere Fragen wiederum gibt es Antworten. Doch es ist sinnlos, sich die ganze Zeit nur auf diese Fragen zu konzentrieren. Wenn es Antworten gibt, dann werden sie sich mir irgendwann von selbst offenbaren.
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Avalora Sternenstaub
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Titel: Gedanken einer Kaldorei
Thema Beschreibung: Tagebuch von Avalora Dalaneira Sternenstaub
Verfasst am: 5. Dez 2016, 11:48 Beitrag  Diese Nachricht und die Folgenden als ungelesen markieren Antworten mit Zitat

4. Tag des zwölften Monats

Ich fühle mich im Hain immer noch nicht wohl, sodass ich immer wieder nach Sturmwind zurückkehre. So auch heute. Ich habe Thalanil einfach laufen lassen. Er kennt den Weg und kann selbst einschätzen, wann er seinen Schritt verlangsamen muss.

Er lässt mich immer noch nicht aus den Augen. Es bringt auch nichts, ihm etwas vormachen zu wollen. Er spürt es. Er spürt genau, wie es mir geht. Seinetwegen verbringe ich die Nächte unter freiem Himmel am See, damit er nicht von mir getrennt ist – und ich nicht von ihm. Er gibt mir Kraft und Trost auf seine ganz eigene Art. Und… er hält mich davon ab, mich in einem ungesunden Maß in die Pflicht zu stürzen.

Ich versuche auch den Rat von Shan’do Bärenpranke in die Tat umzusetzen. Ich versuche meinen Vater so in Erinnerung zu behalten, wie ich ihn kannte. Allerdings schiebt sich immer wieder dieses neue Bild von ihm über das alte. Das sind einige der Momente, in denen Thalanil besonders wachsam ist.

Ich habe den Mut gefunden, mit zwei meiner Freunde zu reden. Es fiel mir nicht leicht, hatte ich doch auch Angst, wie sie reagieren würden. Sie zeigten sich jedoch genauso so, wie man es von Freunden erwarten kann: Sie waren verständnisvoll und versuchten, mir einen Rat zu geben. Sie sahen zwei Möglichkeiten: Entweder ich halte meinen Vater weiterhin für tot – oder aber ich schreibe ihm einen Brief. Letzteres macht mir Angst. Doch da sind die Fragen, die sich mir immer wieder aufdrängen. Sie nagen an mir. Doch noch kann ich mich nicht überwinden. Ich bin unsicher. Vielleicht… vielleicht sollte ich mit Großvater darüber reden oder erst mit Hoheschwester Nemiel und dann mit Großvater.

Ich hoffe auch auf das Gespräch mit meinem langjährigen Freund. Nicht nur über diese Sache, sondern auch alles andere, was mich nicht zur Ruhe kommen lässt. Er hat mir schon einmal Kraft gegeben damals nach der Sache in Nordend, wenn auch vielleicht unbewusst. Dieses Mal wende ich mich jedoch bewusst an ihn.

Wenn es ginge, würde ich ins Eschental reisen, an die Orte meiner Kindheit, so wie ich es nach Nordend und vor dem Wiederaufbau des Ordens getan habe.

Die Pflicht hat Vorrang, persönliche Bedürfnisse haben zurückzustehen. Ich werde meine Pflicht erfüllen, so wie ich es immer getan habe.
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Avalora Sternenstaub
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Thema Beschreibung: Tagebuch von Avalora Dalaneira Sternenstaub
Verfasst am: 18. Dez 2016, 12:25 Beitrag  Diese Nachricht und die Folgenden als ungelesen markieren Antworten mit Zitat

16. Tag des zwölften Monats


Erneut finde ich keinen Schlaf. Dieses Mal sind es jedoch keine Alpträume, die mich wach halten. Nein, dieses Mal sind es die Gerüche und Geräusche Sturmwinds.

Grund dafür ist der Ritus, den der Shan’do mit mir durchgeführt hat. Er hatte mich als Vorbereitung angewiesen, ihm ein Stück Fell von einem Bären zu besorgen, ohne dem Tier etwas anzutun. Anfangs war ich ratlos, wie ich das anstellen sollte, ist doch die Formulierung „Stück Fell“ verwirrend. Doch es fügte sich alles, und ich hatte schließlich das Fell. Damit kehrte ich in den Hain zurück und suchte den Shan’do auf.

Schweigend gingen wir durch den Hain. Er wirkte noch stiller und bedrückender als bei meinem letzten Besuch hier.

Der Shan’do führte mich zu dem kleinen Pavillon, wo ich warten sollte. Eine Robe lag bereit, ebenso Hölzer. Nachdem der Shan’do mich allein gelassen hatte, legte ich meine Rüstung ab und zog die Robe an.

Als er wiederkehrte, stellte er sich zu dem Kelch der Elune und befahl mir, näher zu treten. Ich wusste nicht, was mich erwarten würde, doch ich vertraute dem Druiden und trat näher heran.

Als nächstes sollte ich das Fell in den Kelch legen. Vorsichtig und behutsam gab ich das Fell in den Kelch. Es sog sich mit dem Wasser aus dem Mondbrunnen voll. Shan’do Bärenpranke schöpfte sie ab und ging ein Stück weiter fort.

Auf sein Geheiß hin folgte ich ihm und wurde zu einem Runenstein geführt. Shan’do Bärenpranke fachte ein Feuer an, welches dort wohl schon vorher weit herunter gebrannt war. Er reichte mir das nasse Fell und stellte sich neben den Runenstein. Er nickte mir zu und wies mich an, das Fell ins Feuer zu werfen und mich vor den Stein zu stellen. Er muss meine Unsicherheit gespürt oder mir angesehen haben. Oder vielleicht auch die Angst, die ich seit einiger Zeit empfinde. Sein Blick war aufmunternd.

Ich befolgte seine Anweisung. Als das Fell ins Feuer fiel, knisterte es laut. Schon kurz darauf stieg dichter Rauch auf. Shan’do Bärenpranke streute einige Kräuter über die Flammen. Als die Funken sprühten, hob ich aus Reflex meine Hand. Doch durch mein Vertrauen zu ihm und seinem Tun ließ ich die Hand wieder sinken.

Meine Sicht engte sich ein, als der Rauch sich zu Nebel verdichtete. Irgendwann konnte ich nicht einmal mehr meine Hand vor Augen sehen. Ich blieb ruhig und kämpfte jegliches Gefühl von Panik nieder, selbst als mir kurz schwindlig wurde.

Der Nebel klarte wieder auf. Dann vernahm ich es: das Rauschen der Blätter und den Ruf einer Eule. Im Hain war es immer stiller geworden während der letzten Zeit. Diese Geräusche zu hören war wunderschön, und so ging mein Blick in die Richtungen. Es war das Wundervollste, was ich seit Tagen wahrgenommen hatte.

Auf dem Pavillon sah ich die Eule, deren Ruf ich vernommen hatte. Sie hob ab und flatterte einige Runden lautlos um mich herum. Mir fiel das goldene Leuchten auf, das von ihr ausging. Auch war sie teils durchsichtig. Es wirkte auf mich so normal, dass ich mir keine Gedanken machte.

Schließlich schwebte die Eule davon, und ich sah ihr eine Weile nach. Ich zögerte, doch dann fiel mir ein, dass meine Eulen ein gleiches Verhalten gezeigt hatten, wenn sie mir etwas zeigen wollten. Ich setzte mich langsam in Bewegung und ging in die Richtung, in der die Eule verschwunden war.

Hinter einem Baum fand ich einen jungen schlafenden Säbler. Auch er leuchtete goldfarben und flimmerte im Licht des Mondes. Wie auch schon die Gestalt der Eule, so war auch er ätherisch. Aber das war ich auch, wie ich feststellte. Es beunruhigte mich nicht.

Ich näherte mich langsam und lautlos mit einem Lächeln im Gesicht. Der Säbler erwachte dennoch und streckte sich müde. Er richtete sich auf und sah mich an. Dann rannte er davon, gefolgt von glitzernden Funken.

Ich folgte ihm, seiner Spur folgend. Doch er verschwand. Stattdessen sah ich einen majestätischen Hirsch, der mit erhobenem Haupt durch den Hain stapfte. Er war ebenso ätherisch wie die Eule und der Säbler vor ihm. Auch ihm folgte ich, bis er hinter einem Baum verschwand.

Ein scharrendes Geräusch drang von der Wurzel zu mir herüber. Mir kam das Geräusch bekannt vor. Vorsichtig bewegte ich mich auf das Geräusch zu und entdeckte einen sehr großen Bären, der unter der Wurzel weilte und im Unterholz scharrte. Er war ebenso ätherisch wie die anderen Tiere.

Ich empfand großen Respekt vor ihm und näherte mich vorsichtig. Dennoch bemerkte er mich, schnaufte und sah zu mir. Ich verneigte mich vor ihm.

Der Bär stapfte schwermütig und schnaubend um mich herum und die ganze Zeit sah er mich genau an. Ich beobachtete ihn, auch als er wieder vor mir stehen blieb. Ich löste den Blickkontakt und sank auf ein Knie.

Mit dem, was dann folgte, hätte ich nicht gerechnet. Er brüllte mich drohend an und stürmte dann auf mich zu. Er schlug mich mit seiner Pranke.

Ich spürte einen Ruck und wurde nach hinten geschleudert. Kurz wurde mir schwarz vor Augen, doch als ich mich wieder umsehen konnte, war der Bär fort. Lediglich das ohrenbetäubende Brüllen hallte in meinem Kopf wieder.

Dann begann die Veränderung, die noch anhält. Ich spürte, wie meine Adern sich weiteten und meine Muskeln durchbluteten. Ich spürte, wie mein Herzschlag sich trotzdem verlangsamte. Doch gleichzeitig hörte ich mein Herz mit viel mehr Kraft schlagen.

Ich blieb liegen. Mit jedem Herzschlag spürte ich mehr Kraft in meinen Armen und Beinen. Ich fühlte mich furchtlos und voller Kraft. Doch das war nicht die einzige Veränderung. Ich nahm plötzlich Gerüche war, die ich vorher so in dieser Fülle nicht gekannt habe. Es war zu viel für mich und ich verlor das Bewusstsein.

Ich weiß nicht, wie lange ich ohnmächtig war. Geweckt wurde ich aber durch einen sehr intensiven Geruch von Honig. Es explodierte förmlich in meinem Kopf. Es half mir, mein Bewusstsein wiederzuerlangen.

Ich spüre noch jetzt mein langsam, ruhig und kräftig schlagendes Herz, die Kraft in meinen Muskeln sowie die Ruhe und den Mut. Schon einmal habe ich ein ähnliches Gefühl gehabt. Es ist sehr lange her. Damals durchlief ich den Ritus und erhielt meine Tätowierungen.

Das Gefühl wird nicht bleiben, zumindest nicht in dieser Form. Mein Wildgeist, Aessina, wird mich irgendwann wieder verlassen. Aber ich werde mich weiterhin auf diese Gefühle einlassen. Ich fühle mich nicht mehr so angespannt, und ich spüre, wie gut mir das tut. So möchte ich mich künftig immer fühlen.
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Avalora Sternenstaub
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Oberleutnant
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Titel: Gedanken einer Kaldorei
Thema Beschreibung: Tagebuch von Avalora Dalaneira Sternenstaub
Verfasst am: 21. Dez 2016, 16:13 Beitrag  Diese Nachricht und die Folgenden als ungelesen markieren Antworten mit Zitat

21. Tag des zwölften Monats

Der Wildgeist Aessinas hat mich heute Nacht verlassen. Ich habe es daran gemerkt, dass mich kurzzeitig ein Gefühl der Leere überkam, als ich aufwachte. Auf der einen Seite trauere ich darum, doch gleichzeitig bin ich dankbar für diese erneute Erfahrung, die ich erleben durfte.

Und doch… so ganz fort scheint der Wildgeist Aessinas nicht zu sein. Die Ruhe und die Gelassenheit, die ich während der letzten Tage nach dem Ritus empfand, sind nach wie vor da. Oder kommt es von mir selbst? Kommt es daher, dass ich die letzten Nächte ruhig und tief schlafen konnte, ohne Ängste, ohne quälende Gedanken, ohne Alpträume?

Oder sehe ich die Dinge nun anders, nachdem ich mich auf die Gefühle aufgrund des Wildgeistes eingelassen habe? Ich werde die Antwort darauf erhalten. Oder habe ich sie vielleicht schon und weiß es nur nicht?

Was ich jedoch weiß und endlich verstanden habe, ist, dass ich nicht alleine bin und niemals alleine war. Ebenso ist es wahr, dass ich niemals einen Grund hatte, zu zweifeln, weder an mir noch an anderen.

Jede Entscheidung führt zu einer Folge, egal mir die Folge gefällt oder nicht. Manche Dinge kann ich nicht ändern. Nicht weil ich es nicht vermag, sondern weil alles einen Sinn hat. Einen Sinn, den man nicht immer sofort sieht. Dennoch trägt alles dazu bei, dass man aus Erfahrungen lernt.

War ich die ganze Zeit über blind, dass ich das nicht verstanden habe? Oder wollte ich es einfach nur nicht verstehen? Doch auch das ist nun egal. Ich werde meinen Weg finden, so wie ich ihn immer gefunden habe, sei es allein oder mit der Hilfe von Familie, Freunden und Verbündeten. Ich sehe mit Zuversicht in die Zukunft. Komme, was da kommen wolle. Ich werde kämpfen, wenn es gilt zu kämpfen. Ich werde ruhen und andere Dinge tun, wenn die Zeit dafür da ist. Ich werde mich auf meine Stärken konzentrieren, aber dabei meine Schwächen nicht außer Acht lassen. Und wer weiß? Vielleicht wird aus einer Schwäche ja zu gegebener Zeit eine Stärke.

Eigentlich hätte ich es die ganze Zeit über wissen müssen. Es wurde mir ja oft genug gesagt. Vielleicht wusste ich es tief in mir drinnen auch. Die Kaldorei, die durch die Wälder Teldrassils, des Eschentals und von Feralas gerannt ist, wusste es. Durch den Ritus und die Hilfe Aessinas ist sie wieder zum Vorschein gekommen.

Einen Neuanfang habe ich gestern gewagt. Ich war zu verwöhnt und habe über eine sehr lange Zeit hinweg fertige Pfeile gekauft oder kaufen lassen. Es ist an der Zeit, mich auf das zu besinnen, was ich kann. Ich werde mir künftig meine Pfeile wieder selbst herstellen, mit Ausnahme der Pfeilspitzen versteht sich. Ich habe für den Anfang jedoch klein angefangen und mir fertiggeschliffene Hölzer für den Schaft, Pfeilspitzen aus Metall, Öl und Wachs besorgt. Die Hölzer für die Pfeilschäfte werde ich aber irgendwann auch wieder selbst suchen und bearbeiten. So habe ich es gelernt und ausgeführt, und so will ich es in Zukunft auch wieder tun. Alles, was ich dazu benötige, liefert mir die Natur selbst und das wenige, was ich sonst noch benötige, habe ich erst einmal im Lager des Außenpostens in Sturmwind untergebracht.

Aus dem Lager selbst holte ich jedoch die Befiederung für die Pfeile, die vorgefärbten Federn. Lediglich eine Farbe ließ ich außer Acht: die Farbe Rot, die ich für die Brandpfeile benutzte. Ich brauche sie nicht länger, ebenso wenig die Pfeile mit eben jener roten Befiederung. Ich sortierte sie an Ort und Stelle aus und suchte einen der Pfeilmacher in Sturmwind auf. Er war überrascht, zeigte sich jedoch sehr interessiert an dieser Art Pfeilen. Manche Menschen sind wirklich seltsam. Ich weiß nicht, ob er geizig war oder einfach nur gierig oder beides zusammen. Er wollte die Pfeile und die Befiederung haben, jedoch nicht den Preis zahlen, den sie wert sind. Es dauerte also etwas länger, bis wir uns auf einen Preis einigen konnten.

Letztendlich bin ich froh, dass ich diese Art Pfeile verkauft habe. So im Nachhinein weiß ich auch nicht mehr, warum ich ausgerechnet Brandpfeile hatte. Gebraucht oder verwendet habe ich sie so gut wie nie. Ich hätte sie schon viel früher verkaufen sollen. Sie sind unpassend für eine Kaldorei. Sie sind einer Kaldorei nicht würdig.

Im Hain im Dämmerwald setzte ich dann mein Vorhaben in die Tat um. Ich pflegte erst meinen Bogen, da er es gerade nach dem Kampf dringend nötig hatte. Schließlich baute ich die Pfeile zusammen. Ich war mir nicht sicher, ob ich es nach all der langen Zeit noch konnte, doch die Handgriffe saßen noch so einwandfrei wie zu der Zeit, als ich das noch regelmäßig getan hatte. Ich hatte ganz vergessen, wie entspannend und auch wichtig für einen selbst diese Arbeit sein kann. Die Pfeile fühlen sich nun anders an, wie ein Teil von mir selbst. Das Gefühl hatte ich mit den fertig gekauften Pfeilen nicht.

Das einzige, was jetzt noch fehlt, ist die Weihung der Pfeile. Doch anstatt sie direkt in den Mondbrunnen zu tauchen, werde ich die Hoheschwester zuerst fragen.
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Avalora Sternenstaub
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Oberleutnant
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Titel: Erinnerungen Verfasst am: 1. Feb 2017, 13:12 Beitrag  Diese Nachricht und die Folgenden als ungelesen markieren Antworten mit Zitat

Avalora lehnte an dem Baum, unter dem sie im Hain ihr Lager aufgeschlagen hatte. Ihre Augen waren geschlossen, aber sie schlief nicht. Stattdessen wanderten ihre Gedanken weit in die Vergangenheit zum Tag, als sie das erste Mal einen Bogen in der Hand hielt. Damals war sie noch sehr jung gewesen, nicht einmal volljährig in der Gesellschaft der Kaldorei.

Mit großen Augen sah die junge Avalora ihre Eltern an, erst ihren Vater, dann ihre Mutter. Es war ihr Geburtstag, doch niemals hätte sie mit diesem Geschenk gerechnet. Ehrfürchtig sah sie den Bogen an, den ihr Vater ihr hinhielt.
„Ist der... für mich?“, fragte sie ungläubig.
Ihre Eltern lächelten.
„Ja, der ist für dich, Kind. Es ist an der Zeit, dass du lernst, mit Pfeil und Bogen umzugehen, ohne dich zu verletzen“, erklärte ihr Vater.
Behutsam und ehrfürchtig berührte Avalora den Bogen und strich mit dem Finger die Form entlang. Ihre Augen strahlten vor Freude.
„Darf ich?“, fragte sie und sah ihre Eltern an.
Ihr Vater nickte, und Avalora nahm den Bogen aus seinen Händen. Sie bemerkte nicht, wie ihre Eltern einen zufriedenen Blick tauschten, zu sehr war sie gerade auf den Bogen fixiert. Es war ein Langbogen, verziert mit Ranken, Blättern und Blüten. Avalora stutzte und sah ihre Eltern an.
„Wie... wie habt ihr den gebaut?“, fragte sie.
„Das waren nicht wir, Kind“, antwortete ihre Mutter. „Das waren Druiden und Irrwische. Die Druiden ließen das Holz in der richtigen Form wachsen, und die Irrwische übernahmen die restliche Arbeit. Sie bearbeiteten den Bogen. Dein Vater hat die Sehne gebaut.“
Avalora sah erstaunt von ihrer Mutter zu ihrem Vater. Er nickte lächelnd.
„Wenn du mit Pfeil und Bogen umgehen kannst, werde ich dir zeigen, wie du selbst einen Bogen baust, ohne die Hilfe von Druiden. Es ist wichtig, dass du das weißt, Avalora. Den Grund wirst d
u später noch erkennen.“
Avalora nickte.

Ihre Erinnerungen sprangen weiter, und Avalora ließ es zu.

Es war einige Zeit vergangen seit jenem Tag, als sie ihren ersten Bogen erhalten hatte. Ihre Eltern, vor allem ihr Vater, hatten ihr den Umgang mit Pfeil und Bogen beigebracht, hatten ihr mit Liebe aber auch mit Strenge eingebläut, worauf sie zu achten hatte. Alles war ihr in Fleisch und Blut übergegangen. Nun war es an der Zeit, dass sie etwas Neues lernte. Ihr Vater hatte sie deshalb sehr früh an diesem Morgen zu sich bestellt, und sie gehorchte.
„Ich werde dir heute zeigen, wie du einen Bogen herstellst“, sagte ihr Vater, nachdem er sie erst einmal prüfend gemustert hatte.
„Aber ich habe doch einen Bogen“, meinte Avalora.
Ihr Vater schmunzelte.
„Meinst du nicht, dass der Bogen zu klein geworden ist für dich?“, fragte er.
Avalora musterte ihre Bogen und musste ihrem Vater schließlich zustimmen.
„Ja, du hast Recht, An’da. Ich brauche einen neuen Bogen“, sagte sie und lächelte verlegen.
Ihr Vater schmunzelte.
„Dann komm. Wir werden die Materialien sammeln gehen.“
„Aber stellen nicht die Druiden das Bogenholz her?“, fragte Avalora neugierig.
„Normalerweise schon, aber nicht dieses Mal. Dieses Mal stellst du deinen Bogen selbst her ohne jegliche Mitwirkung von Druiden und Irrwischen. Nur wer einmal einen Bogen vollständig selbst gebaut hat, wird den Wert dieser Waffe zu schätzen wissen und eine besondere Bindung zu ihr aufbauen“, erklärte ihr Vater.
Avalora nickte verstehend und folgte ihrem Vater, als er die Basis verließ.

Sie brauchten eine Weile, bis sie geeignetes Holz gefunden hatten. Ihr Vater erklärte ihr, worauf sie bei der Wahl zu beachten hatte, und Avalora prägte sich alles ganz genau ein. Sie sammelten auch gleich schon das passende Holz für die Pfeile, Federn für die Befiederung sowie Brennnesseln für die Sehnen. Ihr Vater erklärte ihr erneut alles bis ins kleinste Detail, was sie beachten musste. Avalora hörte ihm aufmerksam zu, stellte ab und an ein paar Fragen und prägte sich alles ein.

Sie kehrten zurück in die Basis und machten sich direkt an die Arbeit. Ihr Vater erklärte erneut jeden Schritt, bevor Avalora diesen ausführte. Unter Anleitung bereitete sie das Holz soweit vor, dass es eine grobe Bogenform erhielt. Es war harte Arbeit, doch Avalora hielt durch.
Ihr Vater kontrollierte jeden Handgriff, den sie machte und sah ihr mit väterlichem Stolz zu. Als sie fertig war, erklärte er ihr die nächsten Schritte. Avalora hörte aufmerksam zu und machte sich wieder an die Arbeit. Der Bogen nahm unter ihren Händen mehr und mehr Form an, bis er schließlich seine endgültige Form besaß.
„Du bist wirklich sehr geschickt, Kind“, sagte ihr Vater anerkennend, ehe er wieder erklärte. Dieses Mal waren die Pfeile an der Reihe. Avalora ging behutsam, aber geschickt an die Arbeit. Erst fertigte sie die Schäfte an, im nächsten Schritt befestigte sie die Befiederung und zuletzt noch die Pfeilspitze. Ihr Vater sah ihr erstaunt zu.
„Hätte ich geahnt, dass du so geschickt bist, hätte ich dir den Bogenbau schon viel früher gezeigt“, meinte er.
Avalora zuckte leicht mit den Ohren und lächelte verlegen.
„Da brauchte ich noch keinen neuen Bogen, An’da.“

Schließlich waren die Pfeile fertig. Nun fehlte nur noch die Sehne. Ihr Vater machte ihr jeden Arbeitsschritt kurz vor, und Avalora beobachtete alles genau. Gewissenhaft machte sie sich an die Arbeit. Die Stängel der Brennnesseln wurden aufgebrochen und die Fasern herausgeholt. Anschließend verdrehte sie sie, damit sie nicht mehr platt und blattähnlich waren.
Als alle Fasern verdreht waren, zeigte und erklärte ihr Vater ihr, wie sie die Sehne herstellen musste. Avalora machte sich auch hier an die Arbeit, während ihr Vater ihr zusah.

Es dauerte etwas, bis die Sehne fertig war. Es war eine mühselige Arbeit. Avalora wartete gespannt, während ihr Vater die Sehne kontrollierte.
„Das hast du sehr gut gemacht, Kind“, sagte er mit einem anerkennenden Lächeln.
Avalora zuckte mit den Ohren und lächelte verlegen.
„Nun kannst du die Sehne am Bogen anbringen“, sagte ihr Vater.
Avalora nickte ihrem Vater zu und befestigte die Sehne geschickt und behutsam zugleich an den beiden Nocken des Bogens.


Avalora schlug die Augen auf und atmete tief durch. Den Bogen, den sie damals gebaut hatte, hatte sie schon lange nicht mehr. Sie hatte jedoch ihre Bogenbaukünste verbessert, war geübter darin und noch geschickter.

Sie sah hinunter in den Hain, wo das Feuer brannte, welches die gesammelten Brennnesseln trocknen sollte. Ein leises Seufzen kam über ihre Lippen. Es war schon eine Weile her, dass sie Personen den Umgang mit dem Bogen und alles darum herum beigebracht hatte. Hoffentlich erkläre ich verständlich genug. Ich bin nicht so gut darin wie An’da.

Avalora schloss erneut die Augen und atmete tief durch. Ihre Gedanken gingen zu Sintau und Kelyndea. Sie waren so unterschiedlich und jede hatte ihre eigenen Probleme. Die eine war ungeduldig und war sehr von sich eingenommen. Sie war schnell frustriert, wenn sie kein Erfolgserlebnis hatte. Die andere hatte mit ihrer Vergangenheit zu kämpfen.

Sie erinnern mich an mich selbst, wie ich war, womit ich zu kämpfen hatte. Aber kann ich ihnen deshalb nicht auch helfen? Kann ich sie nicht auch an meinen Erfahrungen teilhaben lassen und versuchen, ihnen Ratschläge zu geben? Sie dadurch auch motivieren? Ihnen den Druck nehmen, der auf ihnen lastet?

Avalora öffnete die Augen wieder und sah erneut hinunter in den Hain. Einen Moment lang starrte sie nur vor sich hin, doch dann nickte sie entschlossen.
Ich werde für die beiden tun, was ich kann und sofern sie es zulassen. Sie werden nicht im Stich gelassen.
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Titel: Verfasst am: 21. Jul 2017, 17:19 Beitrag  Diese Nachricht und die Folgenden als ungelesen markieren Antworten mit Zitat

14. Tag des zweiten Monats

Es war, als würde sich der Boden unter ihr auftun und sie verschlingen, als sie die Worte des Erzdruiden vernahm. Seine Worte hallten in ihren Ohren: „Steht uns in dieser Sache bei.“ Ungläubigkeit, Überraschung, Entsetzen und tiefe Trauer waren nur einige der Emotionen, die sie in diesem Moment empfand. Sie spürte, wie sie schwankte und anfing zu zittern. Wenn sie nicht ganz dringend Halt fand, dann würden ihre Beine unter ihr nachgeben. Glücklicherweise stand ihr Großvater neben ihr. An ihm konnte sie sich festhalten. „Ich kann das nicht“, schoss es ihr durch den Kopf. Doch es war keine Bitte und keine Frage seitens des Erzdruiden gewesen. Es war ein Befehl, eine Aufforderung. Sie konnte und durfte sich nicht weigern. Gerade das war die Ursache für das Kaleidoskop an Gefühlen und Gedanken, die drohten, ihr die Kontrolle über ihren Körper zu entziehen. Nur mühsam brachte sie ihre Worte hervor: Dass sie sich geehrt fühlte, aber dass sie eine besondere Verbindung zu den Dalanari hatte. Es war der Versuch eines schwachen Widerspruchs, der jedoch vom Erzdruiden abgeschmettert wurde. Sie wollte noch etwas sagen, doch ihre Stimme brach und sie brachte kein Wort heraus.

Wie durch einen Schleier verfolgte sie die restliche Rekrutierung und fast mechanisch, wenn auch sehr ungeschickt, brachte sie eine Verbeugung gegenüber der Mondpriesterin zustande, die ihnen die Entscheidung des Tempels kundgetan hatte. Erst als ihr Großvater sanft ihren Griff lockerte, bemerkte sie, dass sie sich an ihm regelrecht festgeklammert hatte. Nur widerwillig ließ sie ihn los und beobachtete, wie er den Wappenrock ablegte.

Sie hatte keine andere Wahl, das wusste sie. Doch sie fühlte sich hohl in ihrem Inneren, so als wäre ein Teil von ihr gestorben. Ihre Bewegungen waren mechanisch, als sie zögerlich und wiederwillig zugleich ihren eigenen Wappenrock ablegte. Liebevoll und wehmütig zugleich berührte sie ihn, ehe sie ihn zusammengefaltet neben den ihres Großvaters legte. Wieder drohte sie, das Gleichgewicht zu verlieren und tastete nach Halt. Unbewusst legte sie dabei ihre Hand auf ihren abgelegten Wappenrock.

Der Schleier lüftete sich nicht um ihren Geist, doch sie vernahm dumpf die Worte ihrer neuen Anführerin, als sie sagte, dass alle Mitglieder ihrer Einheit sich die neuen Rüstungen abholen sollten. Mit gesenktem Blick folgte sie ihrem Großvater nach oben.

Einen Moment lang betrachtete sie die neue Rüstung. Sie unterschied sich allein schon vom Aussehen von ihrer bisherigen. Die Farben waren anders, die Machart war anders. Nur mühsam konnte Avalora ein Seufzen unterdrücken. Langsam und zögerlich legte sie ihre bisherige Rüstung ab und legte die neue an. Die alte legte sie fein säuberlich zusammen. Sie würde sie behalten, ebenso den Wappenrock. Beides war speziell für sie angefertigt worden. Diese neue Rüstung hingegen... sie war ungewohnt. Das spürte sie, als sie sie trug. Sie war auch anders gefertigt worden als ihre alte Rüstung. Sie hatte es bereits gesehen, doch nun hatte sie Gewissheit. Woran sie sich jedoch wohl am meisten würde gewöhnen müssen, war die Freizügigkeit. Bauchfreie Rüstung hatte sie bisher noch niemals getragen.

Sie sah an sich hinab. Ihre Narbe am Bauch war sehr auffällig. Kurz verzog sie das Gesicht und atmete tief durch. Es half alles nichts. Sie würde von nun an diese Rüstung tragen müssen, was bedeutete, dass sie sich an sie würde gewöhnen müssen.

Avalora atmete tief durch und ging nach unten, zurück zu den anderen, hielt sich aber im Hintergrund, da der Sturm an Gefühlen und Gedanken immer noch in ihr tobte. Einen Moment schaffte sie es, die Kontrolle zu behalten. Doch ihre Gefühle und Gedanken waren zu mächtig, so dass sie das Gefühl hatte, keine Luft mehr zu bekommen. Sie sagte ihrem Großvater und den anderen umstehenden Kaldorei Bescheid und ging nach draußen.

Weit kam sie nicht, da ihre Beine sie nicht tragen wollten. Sie registrierte den besorgten Blick der Schildwachen am Rande und nickte ihnen kurz zu. Sie wollte ihnen damit zeigen, dass es gleich wieder gehen würde.

Sie lehnte sich an eine der Säulen, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Ihre Hände zitterten, und egal, wie sehr sie dagegen ankämpfte, sie bekam diesen Sturm aus Gefühlen und Gedanken nicht unter Kontrolle. Hätte sie nicht gerade hier vor dem Tempel in der Nähe der Schildwachen gestanden, dann hätte sie ihren Gefühlen freien Lauf gelassen. Ihr war zum Weinen zumute, und sie brachte alle Kraft auf, die sie hatte, um dagegen anzukämpfen.

Plötzlich spürte sie, wie jemand ihr über das Haar strich. Sie hatte die Schritte nicht wahrgenommen, und zuckte deshalb nun zusammen. Dann hörte sie die Stimme ihres Großvaters. Seine Worte drangen nur nach und nach zu ihr durch. Er sagte etwas davon, dass er wüste, dass es ihr gerade sehr schwer fallen würde und dass er aber auch wüsste, dass sie ihre Pflicht erfüllen würde. Er kennt mich zu gut, schoss es ihr durch den Kopf. Was bleibt mir auch anderes übrig? Befehl ist Befehl. Als Begründung gab er an, dass sie stark wäre. Avalora unterdrückte den Drang, auf diese Begründung ein Schnauben von sich zu geben. Eine Sorge nahm er ihr dann jedoch, indem er sagte, dass sie immer eine Dalanari war und immer sein würde.

Ihr Großvater war jedoch nicht allein vor den Tempel gekommen. Shan’do Felorn war ebenfalls da und sah nach ihr. Er fügte noch an, dass sie eine Kaldorei war. Was er ihr in diesem Moment damit sagen wollte, wusste sie nicht. Sie hatte auch nicht die Muße, um nachzufragen, nicht bei ihrem Sturm an Gefühlen. Sie musste zumindest einen Teil davon aussprechen. Sie hatte das Gefühl, die Dalanari im Stich zu lassen, gerade weil sie den Großteil von ihnen ausgewählt und ausgebildet hatte.
Ihr Großvater meinte, sie wäre ausgewählt worden, weil sie eine Kaldorei des Zirkels sei und zudem eine ausgezeichnete Soldatin. Bin ich das wirklich? Eine ausgezeichnete Soldatin?, fragte sie sich. Ihr Großvater fuhr fort, meinte, dass die Dalanari ohne ihn und sie zurechtkommen werden müssen, aber noch ihre Tante und Raoul hätten. Aber das ist gerade das Problem. Ich will sie nicht verlassen! Sie sind doch meine Familie, mein Halt! Und ich bin ihr Halt, ihre Familie.

Sie spürte die Hand ihres Großvaters auf ihrer Schulter, was sie dazu veranlasste, erst ihn und dann Shan’do Felorn anzusehen. Letzterer sah sie mit einem Blick an, den sie schon bei Tieren gesehen hatte. Das verwirrte sie einen Moment lang. Er versuchte, ihr diesen Gedanken zu nehmen, dass sie irgendjemanden im Stich lassen würde. „Ihr dient Eurem Volk, Avalora“, hatte er gesagt. Das Wappen, welches getragen wird, wäre egal. Er betonte, dass dieser Schritt eine Ehre wäre. Das weiß ich selbst, aber es fühlt sich nicht so an. Doch dann drangen ihr seine weiteren Worte ans Ohr. „Ihr werdet ein Teil des Ordens bleiben.“

Wie kann ich Teil des Ordens bleibe, wenn ich ihn verlassen muss, um in einer neuen Einheit zu dienen? Sie verstand es nicht. Die nächsten Worte ihres Großvaters halfen ihr auch nicht dabei. „Sei stolz darauf, dass du so vielen Rekruten helfen konntest, diese Bürde zu tragen.“ Damit meinte er die Rüstung. Sie wusste selbst, dass sie ein Mahnmal darstellte. Ein Mahnmal, den alten Zeiten nicht nachzueifern. Trotzdem hatte sie die Rüstung gerne getragen, hatte sie nur selten abgelegt. „Wende dich nun anderen Aufgaben zu.“

Warum habe ich kein Mitspracherecht in dieser Sache? Warum wurde es uns befohlen, uns der Einheit anzuschließen? Die Hoheschwester sagte doch selbst, dass sie nur diejenigen nehmen wollte, die sich ihr freiwillig anschließen würden. Und das habe ich nicht. Ich wurde dazu gezwungen durch Befehl. Das klang selbst in ihren Ohren trotzig und sie schüttelte innerlich den Kopf über sich selbst. Ich darf nicht so denken. Es hat wohl seinen Grund, warum wir. Nicht nur, weil wir bereits zusammengearbeitet haben.

Unsicherheit erfasste Avalora, und sie versuchte, in den Gesichtern der beiden Männer zu lesen. Sie musste nachfragen. Sie musste wissen, ob es wirklich kein Abschied für immer war. Shan’do Felorn meinte, es wäre überhaupt kein Abschied, sondern nur der Dienst in einer anderen Einheit. Schließlich war nie davon die Rede, dass sie, Avalora, keinen Kontakt mehr zu den Dalanari haben dürfte. Ihr Großvater ergänzte, dass sich die Wege sicher mit denen der Dalanari kreuzen würden. Das zeigte Wirkung und nahm ihr diese Angst zu einem Teil.

Ich war mein ganzes Leben lang eine Dalanari. Ich kenne doch nichts anderes. Was wird mich erwarten? Sie musste sich eingestehen, dass sie Angst vor dieser Veränderung hatte. Sie gestand es sogar ihrem Großvater und Shan’do Felorn. Der Erzdruide schmunzelte nur und fragte, wie lange sie nun schon gemeinsam unterwegs wären. Avalora sprach aus, was ihr genau Angst machte: Sie wusste nicht, wie es war, einer Mondpriesterin direkt unterstellt zu sein. Sie wusste doch nicht, wie das so ablief. Sie war schließlich keine Schildwache.

Wieder zeigte der Erzdruide ein Schmunzeln. Mit seiner Antwort konnte sie nicht viel anfangen. Er betonte wieder, dass sie ein Volk wären und es keine Unterschiede gäbe und dass sie es sehen würde. Er meinte auch, dass die Veränderung vor allem in ihrem Kopf wäre. Er riet ihr, keine Mauer aufzubauen, wo sie einmal entlang gehen würde. Der Weg würde ihr so leichter fallen. Warum müssen sich Erzdruiden immer so vage ausdrücken? Warum können sie nicht klar sagen, was sie meinen?

Ihr Großvater meinte, wenn sie die Dalanari im Herzen trägt und Herz und Verstand verbunden sind, hätte sich doch gar nichts verändert. Für ihn vielleicht nicht, für mich schon. Ich werde nicht mehr wirklich eine von ihnen sein. Ich werde auf Dauer von ihnen getrennt sein. Ich werde nicht mehr für sie da sein können und sie nicht mehr für mich. Wir werden uns entfremden. Sie sprach es allerdings nicht aus. Es wäre ohnehin sinnlos gewesen. Warum konnte nicht alles so bleiben, wie es war? Sie wusste, dass dieser Gedanke genauso sinnlos war wie Einwände erheben. Ihr weiterer Weg war über ihren Kopf hinweg entschieden worden. Eigentlich müsste sie es gewohnt sein. Doch die Angst war noch zu groß. Vielleicht lag es auch nur daran, dass diese Zuweisung zu der neuen Einheit so überraschend kam, ohne jegliche Vorbereitung. Niemand hat uns vorgewarnt. Niemand hat uns einen Hinweis darauf gegeben, dass das passieren könnte. Aber es ist nicht mehr zu ändern. Innerlich seufzte sie. Sie musste diese neuen Umstände erst einmal verarbeiten. Das äußerte sie auch gegenüber den beiden Männern. Sie spürte die sanfte, väterliche Berührung ihres Großvaters an ihrer Wange und vernahm seine Worte, dass man ihr die Zeit geben würde, die sie brauchte. Sie sah ihm nach, als er wieder in den Tempel ging.

Shan’do Felorn widersprach ihrem Großvater jedoch. „Du brauchst nicht einmal Zeit“, waren seine Worte. Wie kann er sich da sicher sein? Nur weil er an mich glaubt? Er verglich die Situation mit einem bedrückenden Traum. Da kam ihr die Erkenntnis. Nur wenn ich es akzeptiere, kann ich nach vorne blicken. Diese Erkenntnis schmerzte sie, doch sie wusste, dass es die Wahrheit war. Deswegen sprach sie sie auch laut aus. Es war auch genau das, was der Shan’do ihr hatte sagen wollen. Das erkannte sie an seiner Reaktion, an seinem Lächeln. Er führte es noch weiter aus, und es klang wie ein Versprechen. Irgendwann würde der Moment kommen, in dem sie diesen Traum erkennen würde und wüsste, dass es ein Traum wäre. Dann würde sie die Augen aufschlagen und sie würde keine Angst mehr verspüren. Wie schafft er es nur, mir immer wieder neue Hoffnung und neuen Mut zu geben? Sie glaubte ihm. Es war nicht das erste Mal, dass er ihr in einer schwierigen Situation beigestanden und Recht mit seinen Worten behalten hatte.

Sie atmete tief durch und straffte ihre Haltung.
Ich bin bereit. Ich bin bereit, wieder dort hineinzugehen.

Zusammen mit dem Erzdruiden ging sie wieder in den Tempel. Sofort fiel ihr Kelyndea ins Auge, die abseits von den Gästen und den Kaldorei stand. Die Anwärterin musterte sie, und Avalora erkannte die Besorgnis in ihrem Blick. Sie war gerührt, und so schenkte sie Kelyndea ein Lächeln, das ihr sagen sollte, dass es ihr besser ging. Trotzdem legte Kelyndea ihr die Hand auf die Schulter. Das Mitgefühl, das diese Kaldorei ihr gegenüber zeigte, war spürbar. Womit habe ich das verdient? Die Antwort auf diese unausgesprochene Frage erhielt sie kurz darauf. „Ihr gabt mir Halt, als ich meine Balance verloren habe, mehr als nur einmal. Ihr sollt wissen, dass auch ich für Euch da bin, falls Ihr Halt benötigt“, hatte die Anwärterin ihr leise gesagt.

Sie ahnt nicht, wie viel mir das bedeutet.

Kelyndea war jedoch nicht die einzige, die ihr in diesem Moment beistand. Die Schildwache Felonah überraschte Avalora, indem sie neben sie trat und ihre Hand griff. Sie war beiden in diesem Moment sehr dankbar für die Unterstützung.

Nach und nach zogen sich die Gäste und auch einige der Kaldorei zurück. Nur Avalora und Kelyndea blieben zurück. Avalora wollte einen Spaziergang machen und fragte Kelyndea nach ihren Plänen, doch sie hatte keine.

Avalora nahm sich ihre alte Rüstung und ihren alten Wappenrock. Sie wollte sie erst einmal in ihrem Haus lagern. Gemeinsam mit Kelyndea verließ sie den Tempel. Langsamen Schrittes entfernten sie sich vom Tempel und seinen Gärten.

Kelyndea überraschte Avalora erneut. „Es wirkt, als würden Pfade zusammenlaufen“, sagte sie. Darüber hatte Avalora noch gar nicht nachgedacht, doch sie hatte auch momentan noch nicht den Kopf dafür. So viele andere Gedanken beschäftigten sie.

Avalora führte die Anwärterin zu einem Hügel und erzählte ihr, was hinter diesem lag. Nur nicht über die neue Situation nachdenken. Anfangs funktionierte das auch ganz gut. Nur dann wurden die eigenen Gedanken übermächtig.

Sie redeten lange und Kelyndea versuchte, Avalora aufzumuntern. Es half auch, zumindest solange sie sich unterhielten.

Erst als Kelyndea sich zur Ruhe begab und Avalora allein war – ihre anderen Gästen hatten sich bereits schon zur Ruhe begeben – drängten sich die Gedanken wieder mit aller Macht in den Vordergrund. Avalora sah zu ihrer Kommode, auf die sie ihre alte Rüstung nebst Wappenrock gelegt hatte. Lautlos ging sie dorthin und betrachtete lange die blau-goldene Uniform. Sacht strich sie über das Leder und wanderte dann weiter zu dem Wappenrock. Sie hob ihn auf und hielt sich an ihm fest. Sie warf einen Blick auf ihre schlafenden Gäste, ehe sie sich leise nach draußen schlich. Dort stieß sofort Thalanil zu ihr. Er hatte gespürt, wie es ihr ging, und sah sie nun mit einem sorgenvollen Blick an.

Immer da, wenn ich ihn brauche. Avalora schwang sich auf den Rücken des Säblers und ritt auf ihm aus der Stadt hinaus. Sie musste allein sein, sie wollte allein sein.

Ihr Weg führte sie zu ihrem Lieblingsplatz hier auf Teldrassil. Am Ufer eines kleinen Sees schwang sie sich aus dem Sattel und setzte sich ins Gras. Thalanil legte sich neben sie, den Kopf an ihre Beine gelehnt. Natürlich hatte er Fragen und schickte ihr diese in Bildern. Avalora kraulte ihn sanft hinter den Ohren und antwortete ihm ebenfalls in Bildern. Damit gab sich der Säbler zufrieden, musterte Avalora jedoch besorgt.

Sie klammerte sich an dem Wappenrock fest und ließ ihren Gedanken freien Lauf.
Wie werden die Dalanari diese Veränderung aufnehmen?
Wer wird künftig für sie da sein und ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Nöte haben?
Wer wird künftig neue Rekruten am Bogen ausbilden?
Wer wird künftig die Tiere ausbilden?
Wer kümmert sich künftig um die Tiere?
Werde ich mein Quartier in Feralas behalten dürfen?
Werden wir das Büro in Sturmwind weiter nutzen dürfen?
Was bin ich nun in dieser neuen Einheit?
Was wird mich in dieser neuen Einheit erwarten?


Avalora seufzte leise, und Thalanil legte sofort seinen Kopf auf ihren Schoß. Er schickte ihr das Bild von dem Talisman, den sie bei sich trug. Erst wusste Avalora nicht, was er ihr damit sagen wollte. Doch dann verstand sie. Aus einer ihrer Taschen am Gürtel holte sie die Kette hervor, die ihr bester Freund ihr geschenkt hatte. Wie sehr wünschte sie, er wäre in Reichweite. Was er wohl dazu sagen wird? Sanft fuhr sie mit dem Finger über die Kette und schloss dann die Hand darum. Ich werde auch das Abzeichen der Dalanari behalten, beschloss sie und löste es vorsichtig von dem Wappenrock. Sie betrachtete es einen Moment lang, ehe sie sowohl die Kette als auch das Abzeichen in eine der Taschen an ihrem Gürtel packte.

Es werden sich die Antworten auf meine Fragen finden. Vielleicht nicht jetzt, aber bald. Ich muss nur abwarten, wie der Shan’do sagte.

Ihr Blick wanderte nach oben gen Nachthimmel.
Mutter Mond, ich bitte dich, schenke mir Weisheit, Kraft und Mut, diese neue Herausforderung zu akzeptieren und zu meistern.

Eine Weile betete sie und blieb danach noch etwas länger sitzen. Nach und nach wurde sie ruhiger, und ihre Ängste verblassten. Doch es wurde Zeit, nach Darnassus zurückzukehren und Ruhe zu finden.
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Titel: Ein schwerer Gang nach Feralas
Thema Beschreibung: 23. Tag des 2. Monats
Verfasst am: 21. Jul 2017, 17:20 Beitrag  Diese Nachricht und die Folgenden als ungelesen markieren Antworten mit Zitat

Sie hatte sich sehr schnell zurückgezogen. Sie wollte allein sein, nein, sie musste allein sein. Lediglich Thalanil duldete sie momentan in ihrer Nähe. Es hätte auch nichts gebracht, ihn fortzuschicken. Der Säbler spürte, dass es ihr nicht gut ging, und wich ihr deshalb nicht von der Seite. So hatten sie sich an ihren Lieblingsplatz begeben. Der Säbler wachte über sie, während sie an seine Flanke gelehnt da saß. Sie hatte ihr Notizbuch auf ihrem Schoß. Auf seinem Einband prangte das Wappen des Ordens der Dalanari. Langsam strich sie mit dem Finger darüber. Sie hatte noch einen großen Vorrat von diesen Notizbüchern, und sie würde sie auch weiter nutzen. Das hatte sie sich schon fest in den Kopf gesetzt. Sie atmet tief durch und mit einem leisen Seufzen schlug sie das Notizbuch auf. Schließlich nahm die Schreibfeder zur Hand und fing an zu schreiben.

Mir hätte klar sein müssen, dass niemand versteht, was in mir vorgeht, was diese Veränderung für mich bedeutet. Bei Kelyndea bin ich mir nicht sicher, ob sie es wirklich versteht. Trotzdem kann ich immer noch nicht fassen, dass sie von meinem Großvater beauftragt wurde, mich davon zu überzeugen, dass ich diese neue Situation akzeptieren muss.

Sie schüttelte leicht den Kopf und sah einen Moment lang auf. Wieder seufzte sie traurig, ehe sie weiterschrieb.

Er hat es immer noch nicht verstanden und wird es wohl auch niemals verstehen. Gefühle lassen sich nicht erzwingen. Akzeptanz lässt sich nicht erzwingen. Beides lässt sich auch nicht befehlen.

Sie sah zu ihrem Säbler, der sie mit seinem Kopf sanft anstieß. Kurz nahm sie Buch und Feder in eine Hand und kraulte ihn. Es hatte für den Moment etwas Beruhigendes, auch wenn es nicht lange anhielt. Sie wandte den Kopf wieder zu ihrem Notizbuch und nahm die Feder wieder in die andere Hand, um weiterzuschreiben.

Gerade von meinem Großvater hätte ich mir mehr Zuspruch, mehr Trost erwartet. Aber warum hoffe ich das eigentlich noch? Mir hätte klar sein müssen, dass er sich wie immer darauf berief, dass ich meine Pflicht erfüllen soll und dass man manchen Luxus nicht hat, da Befehl eben Befehl ist. Was hat das persönliche Befinden mit Luxus zu tun? Überhaupt scheint er sich ja sehr schnell an diese Veränderung gewöhnt zu haben. Gerade das finde ich mehr als seltsam. Er hat doch immer behauptet, dass die Dalanari seine Kinder sind. Das passt doch nicht. Aber was erwarte ich eigentlich? Seine Beziehung zu ihnen war niemals so eng wie meine. Sein Verhalten wirkt auf mich kaltblütig und steht ganz im Gegensatz zu seinen Behauptungen.

Sie blinzelte, und eine Träne bahnte sich ihren Weg über die Wange. Sie musste mehrmals schlucken und tief durchatmen. Die Träne hingegen fiel auf das Notizbuch und verwischte einige Buchstaben. Die Kaldorei ließ den Kopf hängen, was ihr nur wieder einen Anstupser ihres Säblers einbrachte. Sie sah zu ihm hin, während er sie besorgt musterte. Sie versuchte, ihm ein beruhigendes Lächeln zu schenken, doch der Blick des Säblers veränderte sich nicht. Sie seufzte leise und schrieb weiter.

Auf mich wirkt es so, als wäre er froh darüber, den Orden hinter sich zu lassen, und damit auch die Verantwortung. Aber das gilt nicht für mich. Ganz im Gegenteil. Ich bin mit dem Orden aufgewachsen, ich habe ihn wieder aufgebaut und geleitet. Ich kenne nichts anderes und wollte nichts anderes kennen. Ich war glücklich und zufrieden. Der Orden ist mein Leben.

Wieder hielt sie inne und atmete tief durch.

Doch man hat es mir weggenommen durch einen einzigen Befehl. Keine Frage, keine Bitte, nein durch einen vermaledeiten Befehl! Ich mag zwar eine Soldatin sein, aber niemand hat das Recht, über meinen Kopf hinweg über meine Zukunft zu entscheiden. Weder mein Großvater noch die Schwesternschaft, noch der Zirkel noch sonst jemand. Hätte man mich gefragt oder gebeten, hätte ich mir Bedenkzeit erbeten und hätte weiterhin meine Pflicht für die neue Einheit erfüllt. Die Hoheschwester wollte es jedem selbst überlassen, ob er sich dieser Einheit anschließt. Aber nein, uns wird vom Zirkel befohlen, der neuen Einheit beizutreten. Es wird von uns erwartet, dass wir unsere Pflicht tun. Da ist es schon wieder, das Wort „Pflicht“. Bisher war es für mich selbstverständlich, meine Pflicht zu erfüllen. Doch durch einen einzigen Befehl hat sich das geändert, von einem Moment auf den nächsten. Pflicht macht mich nicht glücklich. Pflicht ändert nichts daran, wie ich mich fühle oder was ich denke oder was ich will. Es ist ein Unterschied, ob ich meine Pflicht tun muss oder sie tun will. Das setzt jedoch voraus, dass ich mich freiwillig für etwas entscheide und nicht, weil es für mich entschieden wurde. Ein Mitspracherecht wäre alles gewesen, was ich mir gewünscht hätte, Mitspracherecht und Bedenkzeit. Diese Zeit hätte ich genutzt, um mit Freunden und den Dalanari, meiner Familie, zu reden. Erst dann hätte ich eine Entscheidung getroffen. Das wäre mir lieber gewesen, als einfach vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Nun wird erwartet, dass ich mich füge, dass ich es akzeptiere. Doch ich fühle mich wie ein Tier, gefangen in einem Käfig, in einem viel zu kleinen Käfig. Es wird erwartet, dass ich dieses neue Heim akzeptiere. Doch wie kann ich das, wenn es nicht das ist, wofür ich mich vermutlich nicht entschieden hätte? Wer gibt ihnen das Recht, Forderungen und Erwartungen an mich zu stellen, die ich nicht zu erfüllen bereit bin? Es zeugt weder von Respekt noch von Vertrauen, dass sie über meinen Kopf hinweg die Entscheidung für mich gefällt haben. Soldatin hin oder her. Pflicht hin oder her. Sie können mir weder Akzeptanz befehlen noch können sie mir befehlen, wie ich darüber denken oder fühlen soll. Allein deshalb ist es schon eine Unverschämtheit, dies auch nur zu versuchen.

Thalanil gab einen fragenden Laut von sich und sandte ihr ein Bild. Das veranlasste sie, erneut inne zu halten und ihn anzusehen. Erneut schickte er ihr ein Bild, eines, das Ruhe und Frieden versprach. Sie jedoch schüttelte den Kopf. Sie war zu aufgewühlt, zu verletzt, zu wütend, zu verwirrt. Traurig sah Thalanil sie an, was sie dazu veranlasste, ihm kurz über seinen Kopf zu streichen, ehe sie weiterschrieb.

Wie kann ich etwas akzeptieren, was nicht mein Weg gewesen wäre, hätte ich mich selbst entscheiden dürfen? Es hätte doch alles erst einmal so bleiben können. Man hätte vielleicht die Struktur festlegen können, damit die beiden Einheiten besser zusammenarbeiten. Doch dieser Befehl, der angeblich eine nachdrückliche Bitte gewesen sein soll, hat in mir nur Unwillen wachgerufen. Unwillen und Zwiespalt, weil mein vermaledeites Pflichtgefühl im Gegensatz zu meinen Gefühlen steht. Doch ich habe es satt, Befehlen zu folgen, mit denen ich nicht einverstanden bin. Doch soll ich diesen Befehl verweigern und die Konsequenzen tragen? Das würde bedeuten, dass das, was ich am meisten fürchte, erst recht und vor allem schneller Realität werden würde.

Sie hielt erneut inne und blinzelte. Wieder bahnten sich Tränen einen Weg über ihre Wangen bis auf das Notizbuch, wo sie Spuren hinterließen.

Ich habe niemals gesagt, dass es keine Ehre wäre, dieser neuen Einheit anzugehören. Ich weiß, dass es eine Ehre ist. Doch ich fühle nicht so, und ich muss es fühlen, ich muss mich mit der Einheit identifizieren können. Beides ist aber bisher nicht der Fall. Ich weiß auch nicht, ob ich jemals dieses Gefühl haben werde. Klar, ich diene weiterhin meinem Volk, aber es fühlt sich falsch an für mich, es auf diese Weise zu tun. Erzwungenermaßen und nicht auf freiwilliger Basis.

Sie hielt nur kurz inne, um tief durch zu atmen.

Alles, was meinem Großvater jedoch einfällt, ist mir Vorhaltungen zu machen, mir Lektionen zu erteilen, sich auf das zu berufen, was mir beigebracht wurde oder mir Anweisungen zu geben. Ich bin jedoch nicht nur Soldatin, sondern ich bin eine Kaldorei mit Gefühlen. Es hilft nicht, an mein Pflichtbewusstsein zu appellieren. Doch warum erwarte ich eigentlich, dass er mir von Großvater zu Enkeltochter Trost spendet und mir Mut zuspricht? All die Jahre ging es immer nur um Pflichterfüllung. Meine Eltern und mein Bruder, ja vielleicht sogar mein Onkel hätten es auf persönlicher Ebene versucht oder zumindest eine gute Mischung aus beidem gefunden. Doch mein Großvater scheint es nicht besser zu wissen. Wie sollen mir seine Worte, dass er, wenn er die Wahl gehabt hätte, ein einfaches Leben im Eschental gelebt hätte, weiterhelfen? Wie soll mir das Wissen weiterhelfen, dass man auch über seinen Kopf hinweg entschieden hatte? Gerade, wenn man so eine Erfahrung selbst macht, setzt man doch alles daran, dass das eigen Fleisch und Blut nicht dieselbe Erfahrung machen muss. Und doch hat er es zugelassen. Gerade von ihm hätte ich mir wirklich mehr Verständnis und Trost erwartet. Doch er hat mich enttäuscht und verletzt, nicht zum ersten Mal. Vor allem seine Worte, es wäre an der Zeit, dass nicht mehr das Blut unserer Familie die Führung im Orden bestimmen sollte, haben mich schwer getroffen und zutiefst verletzt. Es klang so kaltherzig. Hat ihm der Orden überhaupt jemals etwas bedeutet? Haben ihm die Soldaten im Orden jemals etwas bedeutet? Langsam bezweifle ich es. Sein Verhalten und seine Worte lassen keinen anderen Schluss zu. Und nur weil er der bisherige Kommandant war, gibt ihm das nicht das Recht, die Zukunft aller zu bestimmen. Für ihn wird sich ja auch nichts ändern, vermute ich. Deshalb kann er auch nicht im Geringsten verstehen, was es für mich bedeutet, wie ich mich fühle. Er war es ja auch nicht, der den Orden wiederaufbaute nach Nordend. Er war es nicht, und meine Tante war es ebenfalls nicht. Sie können gar nicht die Verbindung zu den Leuten haben, die ich habe. Sie können auch gar nicht das Vertrauen haben, welches ich habe. Vielleicht verstehen sie es deshalb auch nicht. Vielleicht verstehen sie deshalb nicht, welche Ängste ich empfinde, welchen Unmut, welche Trauer, welchen Verlust. Vielleicht wollen sie es auch einfach nicht verstehen.

Sie sah wieder zu ihrem Säbler, der eine seiner Pfoten an ihr Bein gelegt hatte. Es war eine von vielen Gesten, die er zeigte, wenn er sie trösten wollte. Sie lächelte schwach und sah dann einen Moment lang in die Ferne, um ihre Gedanken zu ordnen.

Nicht zum ersten Mal frage ich mich, ob ich so eine große Enttäuschung für meinen Großvater bin, dass er es nicht einmal für nötig hält, auf meine Gefühle einzugehen, sondern sich immer nur auf die Pflicht beruft. Stattdessen stiftet er andere an, mich von etwas zu überzeugen, wovon ich nicht überzeugt bin. Es scheint ihn ja noch nicht einmal wirklich zu interessieren, was ich fühle und was ich denke. Niemanden aus der neuen Einheit scheint das wirklich zu interessieren. Halt, nein, eine scheint es zu interessieren. Aber sie ist die einzige und wird vermutlich die einzige bleiben. Sie fragt nach, ganz im Gegensatz zu anderen. Bei den anderen kommen nur die Standardworte, mit denen man ja auch so viel anfangen kann. Helfen tun sie zumindest nicht.

Sie presste die Lippen zusammen und überflog die Zeilen noch einmal. Gleichzeitig dachte sie an das Gespräch mit Kelyndea.

Ich sollte eigentlich das Verhalten meines Großvaters gewohnt sein. Dennoch verletzt es mich jedes Mal aufs Neue. Ob er sich wohl wünscht, lieber Faelris hier an seiner Seite zu haben, würde er noch leben? Ich meine, Faelris war von Anfang an der perfekte Soldat. Er war vorbildlich, diszipliniert, gehorsam. Er hätte keine Probleme mit dieser Veränderung gehabt. Für ihn wäre es selbstverständlich gewesen, sich anzupassen. Ganz im Gegensatz zu mir. Trotzdem hätte er sich nicht wie Großvater verhalten. So sehr es mich auch schmerzt, ich denke wirklich, Faelris wäre hier besser aufgehoben als ich. Er würde Großvater nicht enttäuschen so wie ich. Doch würde ich das aussprechen, würde ich nur wieder eine Ohrfeige verpasst bekommen.

Sie atmete tief durch und seufzte leise.

Ich weiß nicht, was ich tun soll. Auf der einen Seite weiß ich, dass ich keine andere Wahl habe, als die Veränderung so zu akzeptieren, wie sie ist. Auf der anderen Seite ist jedoch genau das, was mir schwer fällt. Dieses Gerede, dass ich sehr wohl eine Wahl hätte, nämlich die, wie sich meine Zukunft weiterhin gestalten wird und wie ich den Weg, der kommt, beschreite, ist wenig hilfreich. Das setzt voraus, dass ich das auch wirklich will. Aber das ist gerade nicht der Fall, nicht solange ich mich wie ein gefangenes Tier in einem Käfig fühle. Es hängt von so vielem ab, auch von den anderen Mitgliedern der neuen Einheit. Sie dürfen nicht nur erwarten, dass sich die einzelnen Mitglieder fügen, sondern müssen selbst etwas dafür tun. Eine Einheit wächst zusammen. Nur eine Einheit, in der die Gefühle und Gedanken der einzelnen berücksichtigt werden und in der alles dafür getan wird, dass sich die einzelnen Mitglieder wohl fühlen und es ihnen gut geht, ist eine starke Einheit. Eine Einheit, in der jedoch nicht auf die Gefühle und Bedürfnisse der einzelnen Mitglieder eingegangen wird, wird immer eine schwache Einheit bleiben. Es fehlt dann an Herz, Verständnis und Fürsorge. Ich streite nicht ab, dass es Erwartungen gibt. Aber es ist an allen, diese Erwartungen nach Möglichkeit zu erfüllen, also etwas dafür zu tun. Wie soll ich mich in einer Einheit, in der es an Herz, Verständnis und Fürsorge, also auch Einfühlungsvermögen, mangelt, wohlfühlen? Warum sollte ich in so einer Einheit dienen? Mag sein, dass ich gerade allen gegenüber ungerecht bin. Ehrlich gesagt, ist mir das momentan sehr egal. Vielleicht ändert sich das noch früher oder später. Das hängt von dem Verhalten der anderen ab und auch von den Gesprächen, die ich noch zu führen gedenke.

Sie hielt inne und legte die Feder beiseite. Ihre Hand ging zu der kleinen Gürteltasche, in der sie die beiden wichtigsten persönlichen Gegenstände aufbewahrte. Einhändig öffnete sie sie, tauchte in die Tasche und holte die beiden Gegenstände hervor. Das eine war die Halskette, die ihr bester Freund ihr als Trostspender geschenkt hatte, und das andere war das Abzeichen, welches sie als Leutnant an ihrem Wappenrock getragen hatte. Sacht fuhr sie mit einem Finger über beide Gegenstände. Das Abzeichen legte sie kurz beiseite, während sie die Halskette anlegte. Ihre Hand schloss sich um den Anhänger, und sie schloss für einen Moment die Augen. Wie ich doch gerade deinen Rat bräuchte, dachte sie, ehe sie die Augen wieder öffnete und den Anhänger losließ. Ihr Blick fiel auf das Abzeichen mit dem Wappen des Ordens. Wehmütig seufzte sie, und eine weitere Träne rann über ihre Wange. Thalanil stieß sie erneut sacht an und versuchte, seine Pfote auf ihr Bein zu legen. Doch so wie sie da saß, schaffte er es nicht. Schließlich wollte er ja auch nicht, dass sie ihren sicheren Halt an seiner Flanke verlor. Dieses Mal sah sie ihn jedoch nicht an, sondern legte nur kurz ihre Hand auf seine Pfote.

Warum konnte nicht alles so bleiben wie es war? Ich war doch glücklich und zufrieden. Ich habe gerne meinen Dienst als Dalanari getan. Ich wollte als Dalanari sterben, wenn meine Zeit gekommen ist. Ich wollte den Orden weiterführen, wenn meinem Großvater und meiner Tante etwas zugestoßen wäre. Ich will nicht, dass sich das ändert. Ich will eine Dalanari bleiben mit allem, was dazu gehört. Ich will weiterhin Rekruten für den Orden ausbilden. Ich will weiter die Tiere ausbilden. Ich will hier nicht weg. Ich will keine ungewisse Zukunft haben, für die ich mich nicht selbst entschieden habe.

Die Gefühle übermannten sie, und die Schreibfeder fiel ihr aus der Hand. Das Notizbuch rutschte ihr von den Beinen, als sie sich hastig umdrehte, und ihren Kopf in Thalanils Fell vergrub. Der Säbler hielt geduldig still und versuchte auf seine Art und Weise, Trost zu spenden.
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Avalora Sternenstaub
Die Nachtwache




Oberleutnant
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Titel: Hoffnung
Thema Beschreibung: 28. Tag des 2. Monats
Verfasst am: 21. Jul 2017, 17:20 Beitrag  Diese Nachricht und die Folgenden als ungelesen markieren Antworten mit Zitat

Sie saß vor ihrem Quartier in der Mondfederfeste und sah einen Moment lang hinauf in den Nachthimmel. Es gab so vieles, worüber sie nachdenken wollte und auch nachdenken musste. Ihr Notizbuch und die Schreibfeder lagen bereit, denn sie wollte jeden Gedankengang niederschreiben und ihn so festhalten.

Sie ging zu dem Zeitpunkt zurück, der ihrer Meinung der Auslöser für alles Weitere gewesen war: Die Ausrufung der neuen Einheit in Darnassus.

Damals hatten sie die Worte des Erzdruiden geschockt, ihr große Angst gemacht. „Steht uns in dieser Sache bei.“
Es war eine große Veränderung, die sich mit diesem Satz angekündigt hatte. Davor hatte sie Angst. Sie befürchtete damals, alles zu verlieren, was sie kannte: ihre Zukunft, ihre Freunde, ihre Familie.
Warum konnte ich es nicht ansprechen? Warum konnte ich nicht klar in Worte fassen, was mich beschäftigt? Warum konnte und kann ich nicht offen zugeben, dass ich Angst hatte und immer noch habe? Ich hatte vor dem Tempel direkt nach der Verkündung die Gelegenheit dazu und habe sie nicht genutzt? Was ist los mit mir?

Ihre Gedanken wanderten weiter zu dem Ritual der Waschung, und sie rief sich die Worte der Mondpriesterin ins Gedächtnis.
Ich soll mich nicht vor dem scheuen, was nun kommt. Ich soll meine Verantwortung mit der gleichen Inbrunst antreten, mit der ich sie immer angetreten habe. Warum fiel und fällt mir das so schwer? Ich bin gerne Soldatin. Ich erfülle gerne meine Aufgaben als solche. Wo ist die Leidenschaft geblieben, die ich gezeigt habe? Mutter Mond war immer bei mir und wird immer bei mir sein. Sie wird mich auch auf diesem Weg begleiten und mir beistehen. Warum also habe ich Angst?

Ihre Gedanken wanderten zum Tag der Abreise und die auf dem Schiff geführten Gespräche. Das erste Gespräch hatte ihr eigentlich schon alles gegeben, was sie gebraucht hatte. Trost, aber auch den Versuch, sie zur Vernunft zu bringen.
Ich hatte Angst, sie würden es nicht verstehen, würden es nicht akzeptieren. Doch meine Ängste waren unnötig. Die Dalanari stehen zu mir, egal welche Rüstung oder welches Wappen ich trage. Sie sind stolz auf mich und wünschen mir alles Gute. Ich habe es in ihren Blicken gesehen, ich habe es in ihren Worten gehört, an ihren Stimmen. Niemand von ihnen hat sich von mir abgewandt. Wie konnte ich zulassen, dass diese Angst mich lähmt? Warum war ich zu stur, die gesprochenen Worte anzunehmen?

Ihre Gedanken wanderten weiter zu dem Gespräch mit der Mondpriesterin in der Mondfederfeste.
Ich wusste bis zu dem Zeitpunkt nicht, wie meine Zukunft in der neuen Einheit aussehen würde. Diese Unsicherheit machte mir Angst. Doch sie hat mir diesen Teil der Ängste genommen. Eine meiner Fragen wurde ebenfalls beantwortet, obwohl ich die Antwort schon kannte, aber nicht wahrhaben wollte. Ich werde bei der neuen Einheit gebraucht, ebenso wie mein Großvater. Ich kann es immer noch nicht glauben, dass ich in die Schwesternschaft aufgenommen und zur Schildwache ausgebildet werden soll. Einerseits freue ich mich darüber, andererseits hat sich eine neue Angst eingestellt. Werde ich den Erwartungen gerecht werden können? Werde ich alles verstehen, was sie mich lehren werden? Werde ich mich damit wohlfühlen? Wird es Probleme geben mit dem, was ich als Kriegerin des Zirkels gelernt habe? Werde ich sehr vieles neu lernen müssen?

Wieder wanderten ihre Gedanken weiter, dieses Mal zum heutigen Tag und seinen Ereignissen.
Warum war es mir so wichtig, zu erfahren, ob die Worte in Darnassus eine Bitte oder ein Befehl waren? Berechtigterweise kam die Gegenfrage, ob es einen Unterschied machen würde. Warum habe ich also weiter darauf bestanden, es genau zu wissen? Es macht keinen Unterschied, nicht als Soldatin. Ich hätte ablehnen können, damals schon und das gilt immer noch. Ich habe die Wahl. Was also will ich? Will ich alles aufs Spiel setzen und alle enttäuschen oder verletzen, die auf mich vertrauen, die mir vertrauen, die mich brauchen und die mir geholfen haben? Oder will ich meine Pflicht gegenüber der Einheit und gegenüber meinem Volk erfüllen?

Sie hielt inne mit dem Schreiben und hob den Blick gen Nachthimmel. Einen Moment lang saß sie einfach nur so da und atmet tief durch. Erst dann ließ sie ihren Gedanken wieder freien Lauf.

Als der Shan’do uns zu den Ruinen führte und uns erzählte, was passiert war, waren die Bilder von damals sofort wieder präsent. Ich sah nicht die Überreste, sondern die Personen, zu denen sie gehörten. Ich kam damals zu spät und konnte nicht helfen. Der Shan’do und auch mein Großvater hatten Recht mit dem, was sie noch sagten. Und sie haben auch jeden Grund enttäuscht zu sein. Es geht nicht um das Wohl eines einzelnen, nicht in erster Linie. Ich bin eine Soldatin, ich will mein Volk und alle, die mir nahestehen und etwas bedeuten beschützen. Ich will ihnen dienen, so wie ich es früher getan habe. Dazu zählen auch die Mitglieder der neuen Einheit. Warum sträube ich mich so sehr gegen den Gedanken, dass sie Teil meiner Familie werden könnten? Wann bin ich so geworden, wie ich mich jetzt verhalte? Wie ich mich in der letzten Zeit verhalten habe? Warum bin ich ihnen gegenüber ungerecht, ja teilweise misstrauisch, wenn sie doch bisher immer für mich da waren? Seit wann bin ich mir selbst wichtiger geworden? Ich war doch immer für alle da, habe meine Pflichten mit einer Leidenschaft erfüllt, die ich jetzt vermisse. Was ist bloß aus mir geworden? ich erkenne mich selbst nicht wieder. Es ist kein Wunder, dass alle von mir enttäuscht sind und aufgeben. Ich hätte an ihrer Stelle wohl nicht anders reagiert, wenn jemand so stur und dumm gewesen wäre, wie ich es war. Wir sind doch eine Einheit, ein Volk. Ich bin Teil dieser Einheit. Ich bin eine Kaldorei. Es ist an der Zeit, dass ich mich auch so verhalte. Es ist an der Zeit, dass ich mich auf das besinne, was ich am besten kann: Eine Soldatin sein, die sich selbst an letzter Stelle sieht und sich für ihre Kameraden, für ihr Volk und für ihre Aufgabe aufopfert und ihren Dienst mit Leidenschaft und Überzeugung versieht. Ich werde den neuen Weg mit Mut und Zuversicht beschreiten und mich nicht mehr gegen diese Veränderung sträuben. Ich habe Angst, ja. Aber schadet es mir, wenn ich das offen den anderen gegenüber zugebe und mich bei ihnen entschuldige für mein Verhalten? Nein, es schadet mir nicht, und ich bin es ihnen schuldig. Es tat weh, die Wahrheit zu hören. Aber ich musste sie hören. Das habe ich nun endlich verstanden. Ich war diejenige, die sich falsch verhalten hat, niemand sonst. Nein, die Zeiten sind vorbei. Schluss mit diesem Verhalten, welches mich nicht widerspiegelt und welches mir nicht ähnlich sieht. Gefühle sind meine Stärke, ja. Aber ich werde niemals wieder zulassen, dass die Gefühle mich kontrollieren. Ich werde sie kontrollieren. Vielmehr noch: Ich werde mit Inbrunst meinen neuen Weg gehen, egal was auf mich zukommen mag, egal wohin der Weg mich auch führen wird. Niemand weiß, wie seine Zukunft aussieht. Doch egal, was kommt, ich bin bereit dazu. Bereit, neue Aufgaben zu erfüllen, bereit Neues zu lernen und Neues zu sehen. Bereit zu tun, was nötig ist, um die Aufgaben der Einheit als ein Mitglied davon zu erfüllen.

Die gebrachten Opfer sollen und dürfen nicht umsonst gewesen sein.
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Avalora Sternenstaub
Die Nachtwache




Oberleutnant
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Titel: Wild und frei
Thema Beschreibung: 9. Tag des 4. Monats
Verfasst am: 21. Jul 2017, 17:21 Beitrag  Diese Nachricht und die Folgenden als ungelesen markieren Antworten mit Zitat

Vorbereitungen
„Bereite dich vor.“ Das waren die Worte gewesen, die Felonah zu ihr gesagt hatte.

Avalora hatte lange überlegt, wie sie diese Anweisung in die Tat umsetzen sollte und konnte. Sie hatte sich ihr Wissen und ihre Fähigkeiten über die Jahrtausende hinweg angeeignet. Sie hatte es perfektioniert und verinnerlicht.

Sie konnte ihr Wissen niederschreiben zur Vorbereitung, doch das war ihr nicht genug. Sie wollte hinaus in die Wildnis.

Anfangs dachte sie noch, dass sie sich in Kalimdor hätte besser vorbereiten können. Den Gedanken verwarf sie jedoch bald wieder. Die Östlichen Königreiche boten bei näherer Überlegung mehr Möglichkeiten, da sie diesen Kontinent nicht so gut kannte wie ihre Heimat. Das weckte ihren Ehrgeiz. Schließlich konnte sie so üben und wiederholen, wie man sich in unbekanntem Gebiet bewegte.

Sie wusste, dass der Dämmerwald allein nicht für eine gute Vorbereitung ausreichen würde. Im Außenpostenbüro der Dalanari in Sturmwind studierte sie deshalb die Karte der Östlichen Königreiche, um eine Strecke festzulegen.

Als sie damit fertig war und sich das Wichtigste eingeprägt hatte, machte sie sich daran, ihre Satteltaschen zu überprüfen und zu packen. Viel konnte und wollte sie nicht mitnehmen. Das war auch nicht nötig, denn die Natur würde ihr das liefern, was sie brauchte.

Die Satteltaschen befestigte sie auf dem Rücken ihres Säblers Thalanil. Ursprünglich hatte sie ihn im Hain lassen wollen, doch sie hatte sich dagegen entschieden. Er war schließlich ihr Kampfgefährte. Außerdem hätte Thalanil den anderen aus der Einheit Schwierigkeiten bereitet. Das konnte und wollte sie ihnen nicht zumuten. Viel wahrscheinlicher war jedoch, dass Thalanil sie nicht einfach hätte gehen lassen. Vermutlich wäre er ihr sogar gefolgt. Wenn sie so darüber nachdachte, wollte sie es auch gar nicht anders.

Sie warf einen kurzen Blick in die Richtung von Thalanils Kopf. Er reagierte jedoch nicht, war er doch damit beschäftigt, sich zu stärken.
Avalora schmunzelte und kontrollierte ihre Waffen, ehe sie sie am Sattel befestigte. Zuletzt überprüfte sie noch einmal, ob alles gut befestigt war.
Zufrieden nickte sie und klopfte ihrem Säbler kurz und sanft gegen die Flanke. Er drehte seinen Kopf zu ihr und gab einen fragenden Laut von sich.
„Nein, noch nicht, Thalanil. Ich muss vorher noch etwas erledigen“, sagte sie, und er neigte seinen massiven Kopf.
Avalora schenkte ihm ein liebevolles Lächeln und ließ ihn dann allein.


Pflichterfüllung
Ihr Großvater in seiner Eigenschaft als Kommandant hatte sie zu sich bestellt. Er würde vor dem Hain auf sie warten.

Auf dem Weg zum Treffpunkt ging sie im Geiste noch einmal die Strecke durch, die sie nehmen wollte. Im Dschungel würde sie anfangen, im Dämmerwald fortfahren und sich dann nach Norden begeben.

Schließlich erreichte sie den Treffpunkt, wo ihr Großvater tatsächlich schon wartete. Sie erhielt von ihm einen kurzen Überblick, warum sie ihn begleiten sollte. Sie verstand sofort und schob alle Gedanken an ihren Ausflug in die Wildnis beiseite. Sie wollte sich vollständig auf die vor ihr liegende Aufgabe konzentrieren und ihre Pflicht erfüllen.

Sie brachen in Richtung Dunkelhain auf, und ihr Großvater gab ihr unterwegs noch einige Anweisungen.


Aufbruch
Wenige Stunden später kehrte Avalora mit ihrem Großvater zum Hain zurück. Beide blieben davor stehen, um sich noch kurz zu unterhalten.

„Ich werde einige Tage nicht anwesend sein, sondern mich auf meine Prüfung vorbereiten.“
Dies waren die Worte, mit denen sie ihren Großvater und Kommandanten über ihr eigenes Vorhaben informierte. Zu gern hätte sie ihm gesagt, wie lange genau sie fort sein würde, doch sie wusste es selbst nicht.

Ihr Großvater verstand es jedoch. Er wusste selbst, dass ihr jetziger Rang nicht ihren Fähigkeiten entsprach, und das sagte er ihr auch. Zudem war es nicht das erste Mal, dass Avalora hinaus in die Wildnis zog.
Er küsste sie väterlich auf die Stirn. Es war nur ein kurzer Moment außerdienstlichen Verhaltens. Doch Avalora verstand es und erlaubte sich nur kurz, ebenfalls außerdienstlich zu werden. Danach nahm sie sofort wieder Haltung an, um offiziell und somit dienstlich die Bitte zu äußern, wegtreten zu dürfen.

Sie wurde ihr gewährt. Avalora salutierte kurz und drehte sich auf dem Absatz um. Sie hatte ihren Säbler gesehen, als dieser den Hain verließ. Anscheinend hatte er ihre Anwesenheit gespürt. Nun folgte sie ihm.

Nur wenig später hatte sie Thalanil eingeholt. Sie strich ihm leicht über den Kopf und schwang sich in den Sattel. Sofort setzte sich Thalanil in Bewegung.


Im Dschungel
Es dauerte nicht lang, bis sie die Ausläufer des Dschungels erreichten. Sowohl Avalora als auch ihr Säbler waren sofort sehr wachsam.

Das mussten sie auch sein. Dies war schließlich das Gebiet, in dem Trolle und viele wilde Tiere lebten. Das bedeutete, dass sie besonders vorsichtig sein mussten, wobei die Tiere das geringste Problem sein würden.

Avalora erinnerte sich an die feindlichen Begegnungen mit Trollen, die sie bisher gehabt hatte. Es waren harte Begegnungen gewesen, zuletzt mehr für die Trolle als für sie selbst.

Doch diese Trolle hier kannten vermutlich weder sie noch ihren Ruf. Sie musste auf der Hut sein.

Sie schwang sich vom Rücken ihres Säblers und zog ihren Langbogen. Thalanil duckte sich ein wenig, um zwischen den hohen Farnen nicht aufzufallen. Bei seiner Größe und seiner Fellfarbe war dies jedoch schwierig.

Avalora und Thalanil bewegten sich lautlos tiefer hinein in den Dschungel. Ab und an blieb Avalora stehend und untersuchte den Boden sowie die Pflanzen rundherum.

Nach einer Weile wurde sie fündig. Dort waren sie, die Spuren, die sie gesucht hatte. Sie waren zwar kaum zu erkennen, doch Avalora konnte sie klar einem Troll zuordnen. Ihr Aussehen hatte sich tief in ihr Gedächtnis eingebrannt. Sie untersuchte den Boden genauer. Allem Anschein nach hatte sich der Troll auf der Jagd befunden. Die Spuren sagten ihr, dass er eine Weile hier hockend verbracht hatte. Er hatte sich abgestützt, mit einer Hand und mit seiner Waffe.

Avalora erhob sich in eine geduckte Haltung und sah sich nahe des Fundes um. Da war sie, eine weitere Spur. Avalora verengte die Augen, als sie die Fährte genauer untersuchte. Der Troll hatte seine Beute gefunden und erlegt. Sie fand den Abdruck eines Tierkörpers sowie Blutspuren. Sie waren noch frisch, ebenso wie die Schleifspuren.

Sie tauschte einen Blick mit ihrem Säbler. Durch ihre Verbindung spürte sie die Gefühle ihres Kampfgefährten, und sie nickte mit einem finsteren Gesichtsausdruck. Sie zog einen Pfeil aus ihrem Köcher und legte ihn in die Sehne. Der Bogen wurde nur halb gespannt, und Avalora bewegte sich langsam und lautlos in geduckter Haltung vorwärts. Thalanil folgte ihr in einigem Abstand.

Wenig später sah sie ihn. Der Troll hockte über seiner Beute und hantierte mit einem Messer herum. Avalora beobachtete ihn kurz.
Wut kochte in ihr hoch, als ein Geräusch an ihre Ohren drang. Das Tier, ein Panther, lebte noch!
Avalora zog die Sehne zurück und zielte auf den Troll. Durch ruhiges Atmen rang sie ihre Wut nieder und löste die Sehne.

Kurz darauf durchbohrte der Pfeil den Hals des Trolls. Panisch fasste er sich an den Hals und kippte röchelnd zur Seite.

Avalora richtete sich langsam auf und schritt auf Troll und Panther zu.
Dort angekommen, beugte sie sich über den Troll, der um sein Leben kämpfte. Er sah sie an und versuchte, etwas zu sagen, doch der Pfeil in seinem Hals machte es unmöglich. Mit einem kalten Blick sah Avalora ihn an, während sie gleichzeitig ihren Dolch zog. Mit einer schnellen Bewegung beendete die sein Leben.

Ein kläglicher Laut zog ihre Aufmerksamkeit auf sich. Der Panther sah sie an und versuchte, sich zu bewegen.
Mit schnellen Schritten war Avalora an seiner Seite, kniete sich neben ihn und untersuchte ihn.
Trauer schlich sich in ihren Blick, und plötzlich empfing sie ein Bild in ihrem Kopf. Es war der Panther, der Kontakt zu ihr aufnahm.
Sanft strich sie dem schwerverletzten Tier über den Kopf.
„Nimm dieses tapfere Geschöpf auf und schenke ihm Frieden“, flüsterte Avalora, während sie die Hand mit dem Dolch hob.
Sie atmete kurz durch, schloss dabei für einen Moment die Augen und sandte dem Panther ein Gefühl von Frieden. Erst dann öffnete sie die Augen wieder und stach zu, um das Tier von seinem Leid zu erlösen.
„Verzeih mir“, flüsterte sie, während eine Träne über ihre Wange lief.
Sie wischte das Blut von ihrem Dolch und steckte ihn zurück an seinen Platz.

Thalanil hatte zu Avalora aufgeschlossen und stupste sie nun an. Sie kraulte ihn kurz hinter den Ohren.
„Lass uns einen Lagerplatz suchen“, sagte sie leise zu ihm und wandte sich von dem toten Troll und dem toten Panther ab. „Der Kreislauf der Natur wird sich ihrer annehmen.“
Sie entfernte sich, und Thalanil folgte ihr, nachdem er kurz verächtlich in Richtung des Trolls geschnaubt hatte.

Es brauchte eine Weile, doch fand Avalora einen sicheren Lagerplatz. Sie sammelte Holz und machte ein kleines Feuer
Für einige Minuten saß sie einfach nur da und hing ihren Gedanken nach.

Trollspuren nebst ihrem Besitzer hatte sie gefunden, obwohl dies normalerweise schwer war. Avalora konnte nur vermuten, dass dieser Troll entweder unerfahren war oder sich nicht darum scherte, weil er sich sicher fühlte.

Sie dachte über ihre weiteren Pläne nach. Alle Spuren würde sie ohnehin nicht üben können. Soweit sie wusste, gab es in den Östlichen Königreichen keine Satyrn. Irgendwie war sie auch froh darüber, hatte sie nach ihrem Erlebnis auf den Inseln keine große Lust, so schnell wieder welchen zu begegnen.

Sie beschloss, noch ein wenig länger hier im Dschungel zu bleiben und so viel wie möglich zu üben. Mit diesem Gedanken begab sie sich zur Ruhe, während ihr Säbler Wache hielt.

Avalora und Thalanil drangen tiefer in den Dschungel vor. Avalora fand während ihres Aufenthalts weitere Spuren von Trollen, jedoch keinen Troll selbst. Die Fährten von Tigern, Panthern, Murlocs, Ogern, Menschen, Goblins und Zwergen entdeckte sie ebenfalls. Sie folgte ihnen jeweils ein gutes Stück, ließ es jedoch nicht zu Begegnungen kommen.

Da sie in diesem Gebiet sonst nicht mehr viel üben konnte, beschloss sie, weiterzuziehen.


Im Dämmerwald
Avalora kehrte mit Thalanil in den Dämmerwald zurück. Sie mied jedoch den Hain, Dunkelhain und Rabenflucht. Der Dämmerwald bot andere Möglichkeiten.

Ihr Aufenthalt hier würde viel kürzer ausfallen, da sie jeden Winkel kannte. Trotzdem suchte sie nach Spuren und ging ihnen bis zum Ursprung nach. Sie fand die Fährten von Menschen, Bären, Spinnen, Wölfen, Worgen und Kaldorei nebst Säblern. Eulenfedern entdeckte sie ebenfalls.

Mehr konnte sie nicht tun, und so stockte sie ihre Vorräte notdürftig auf, ehe sie sich auf Thalanils Rücken Richtung Norden begab.


Auf nach Norden
Sie nahmen vorwiegend die Seitenwege Richtung Norden und durchquerten den Wald von Elwynn sowie das Rotkammgebirge. Es war ein langer Ritt, bis sie die Brennende Steppe erreichten. Wieder einmal bemerkte Avalora, dass das Gebiet seinen Namen zurecht trug. Von weitem sah sie die Lavaflüsse und den Vulkan, der sie ausspuckte.

Erneut waren sie und Thalanil wieder sehr wachsam, kaum dass sie das Gebiet betreten hatten. Nicht nur die Landschaft stellte eine Gefahr dar, sondern auch die hier lebenden Kreaturen. Hinzu kam, dass es hier kaum Deckungsmöglichkeiten gab, wenn man von dem Geröll und den verbrannten Ruinen absah.

Avalora zog ihren Bogen. Sie wollte auf alles vorbereitet sein, vor allem auf die hier lebenden Orcs und Oger.

Ihr Blick fiel auf Thalanil mit seinem schneeweißen Fell, und sie überlegte. Er würde in dieser Gegend wie ein Leuchtfeuer wirken. Das könnte Feinde auf den Plan rufen. Doch vielleicht konnte sie daran etwas ändern.

Sie schwang sich aus dem Sattel, ging einige Schritte und hockte sich dann hin. Mit ihrer freien Hand strich sie über den Boden. Eine dicke Schicht aus Staub und Asche hatte sich auf dem Untergrund gebildet. Sie sah zu Thalanil, der sie mit großen Augen fragend ansah.
„Du brauchst Tarnung, sonst fällst du zu sehr auf“, erklärte sie ihm leise und befreite ihn von Sattel, Zaumzeug und Gepäck. Dann deutete sie auf den Untergrund.
Thalanil sah Avalora mit einem traurigen Blick an, aber schließlich wälzte er sich im Staub, bis sein Fell eine gräuliche Farbe hatte. Avalora nickte zufrieden, sattelte sowie zäumte Thalanil und befestigte zuletzt das Gepäck.
„Machen wir uns wieder auf den Weg“, sagte Avalora leise und setzte sich in Bewegung.
Der Säbler folgte ihr und sah nicht wirklich glücklich über seine Tarnung aus.

Eine Weile bewegten sie sich von Geröll zu Geröll, während Avalora sich immer wieder suchend und wachsam zugleich umsah.

Schließlich blieb sie stehen und ging in die Hocke. Sie hatte etwas entdeckt. Es waren Fußabdrücke. Avalora untersuchte sie genauer. Schließlich verengte sie die Augen. Oger! Avalora spannte sich an. Dieser Fährte würde sie bestimmt nicht bis zum Ursprung folgen. Alleine und nur mit Pfeil und Bogen sowie mit ihrem Säbler wollte sie sich nicht mit ihnen anlegen. Das war ja auch nicht der Sinn ihres Ausflugs.

Zusammen mit Thalanil zog sie sich vorsichtig zurück und ging in geduckter Haltung in die entgegengesetzte Richtung. Wieder versuchte sie, den Schutz des Gerölls und von verbrannten Ruinen auszunutzen, so gut es ging. Allerdings gab es hier weniger davon, und so sah sich Avalora gezwungen, ihre Deckung aufzugeben. Mit der freien Hand rieb sie die freien Hautpartien mit dem Staub-Asche-Gemisch des Untergrunds ein, etwas, das sie schon längst hätte tun sollen. Ihre leuchtenden blauen Haare verbarg sie unter der Kapuze ihres Umhangs.

Sie sah sich wachsam um, ehe sie sich langsam vorwärts bewegte. Sie war vorsichtig. Einem Angriff hier in diesem Gebiet würde sie nicht standhalten. Bis jetzt war jedoch alles ruhig.

Etwas erregte ihre Aufmerksamkeit. Eine Spur. Sie ging darauf zu und untersuchte sie. Thalanil schnupperte kurz und spannte sich an. Das versetzte auch Avalora in höchste Alarmbereitschaft. Die Spur war frisch, und sie gehörte einem Orc.

Avalora atmete tief durch, während ihre Hand völlig automatisch einen Pfeil aus dem Köcher zog und in die Sehne einlegte. Nein, dieses Gebiet war nicht sicher. Im Geiste ging Avalora ihre Optionen durch: Entweder sie zog sich zurück und suchte einen anderen Weg in Richtung Norden. Oder aber sie machte sich auf den Rückweg in den Dämmerwald. Sie sah zu Thalanil, der seine Fänge vollständig entblößt hatte, und entschied sich für den Rückweg.

Langsam zog sie sich zurück und sah sich wachsam und lauschend um. Thalanil folgte ihrem Beispiel, blieb aber immer zwischen ihr und möglicher Gefahren.

Erst als sie weit genug von der Stelle entfernt waren, schwang sich Avalora auf Thalanils Rücken. Dieser zögerte nicht lange und rannte los.


Rückkehr
Es dauerte eine Weile, bis sie die Brennende Steppe hinter sich gelassen hatten. Erst dann drosselte Avalora das Tempo und atmete tief durch. Sie klopfte Thalanil leicht gegen den Hals, und eine Wolke aus Staub und Asche stieg hoch. Avalora hustete kurz.
„Befreien wir uns von unserer Tarnung“, sagte sie erschöpft und lenkte Thalanil in Richtung des nächsten Sees.

Dort angekommen, schwang sie sich von Thalanils Rücken und befreite ihn erneut von Sattel, Zaumzeug und Gepäck. Der Säbler war nicht mehr zu halten und rannte ins Wasser.
Avalora sah ihm schmunzelnd zu, ehe sie sich ans Ufer setzte und sich gründlich wusch.

Als sie wieder sauber waren und Thalanil Sattel, Zaumzeug und Gepäck trug, setzten sie ihren Weg fort. Ihr Ziel war Sturmwind.
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Avalora Sternenstaub
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Oberleutnant
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Titel: Seltsame Vorfälle im Dämmerwald
Thema Beschreibung: 12. Tag des 6. Monats
Verfasst am: 21. Jul 2017, 17:22 Beitrag  Diese Nachricht und die Folgenden als ungelesen markieren Antworten mit Zitat

Als der Kommandant ihr stellvertretend das Kommando übertragen hatte, hatte Avalora Sternenstaub noch gedacht, dass es eine ruhige Zeit werden und dass es außer den üblichen Problemen mit den Wildworgen keine sonstigen Vorfälle geben würde. Doch sie hatte sich geirrt.

Avalora atmete tief durch und schlug die Akte zu den merkwürdigen und zugleich beunruhigenden Vorfällen auf. Sie hatte sie direkt angelegt, als sie selbst davon erfahren hatte. Mittlerweile enthielt die Akte drei Berichte sowie eine Karte nebst Erklärungen. Avalora war sich jedoch sicher, dass sich der Umfang noch vergrößern würde. Auf jeden Fall würde noch ein Späherbericht hinzukommen.

Sie nahm jeden einzelnen vorhandenen Bericht zur Hand und las ihn. Das war zu einer ihrer Beschäftigungen geworden, wenn sie nicht gerade auf Wacht war oder die Verbündeten über den neuesten Stand informierte. Jedes Mal dachte sie, sie hätte irgendetwas übersehen oder sie hoffte, es würden neue Erkenntnisse hinzukommen. Bisher war es jedoch nicht so. Vielleicht änderte sich das, wenn sie den angeforderten Bericht der Späher erhielt.

Sie legte die Berichte zurück in die Akte und nahm die Karte heraus. Zum wiederholten Male studierte sie sie. Was würde die Dämmerläufer und ihre Verbündeten erwarten? Würde sie, Avalora, sie in eine Falle führen? Oder würde alles glimpflich und erfolgreich verlaufen?

Die Karte wanderte zurück in die Akte. Warum musste so etwas auch geschehen, während der Großteil der Einheit nicht da war? Oder war genau das der Grund, weshalb diese Vorfälle genau jetzt passierten?

Avalora ballte eine Hand zur Faust. Die Gruppierung, die hinter all dem steckte, hatte sich die Falschen für ihre Machenschaften ausgesucht. Die Kaldorei und ihre Verbündeten würden sie stoppen und zur Rechenschaft ziehen.
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Avalora Sternenstaub
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Oberleutnant
<Orden der Dalanari>

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Titel: Ein langer Abend
Thema Beschreibung: 3. Tag des 7. Monats
Verfasst am: 21. Jul 2017, 17:22 Beitrag  Diese Nachricht und die Folgenden als ungelesen markieren Antworten mit Zitat

Avalora Sternenstaub saß am Schreibtisch im Büro in Sturmwind. Der Bericht der Dalanari sowie die Fundstücke lagen vor ihr ausgebreitet, und Avalora schüttelte nur den Kopf. Die Späher hatten mehr gefunden, als sie gedacht hatte.

Mit ernster Miene nahm sie den Bericht zur Hand. Er umfasste mehrere Seiten und war in einer feinen Handschrift geschrieben. Avalora blätterte erst die Seiten durch, sechs an der Zahl, und seufzte. Das würde wohl etwas länger dauern.

Teresa, die menschliche Angestellte, beobachtete Avalora und schüttelte dann fast vorwurfsvoll den Kopf. Kurz verschwand sie in der Küche und kehrte mit einem Snack und Getränk wieder. Schweigend stellte sie es an die andere Seite des Tisches, was von Avalora mit einem dankbaren Lächeln quittiert wurde. Teresa nickte ihr leicht zu und verschwand dann wieder. Ihren Mann Agustus nahm sie gleich mit. Beide wussten, dass es in solchen Momenten besser war, Avalora nicht zu stören.

Die Kaldorei sah ihnen kurz hinterher, ehe sie ihre Aufmerksamkeit wieder dem Bericht zuwandte.
„Es hilft ja alles nichts“, dachte sie und begann zu lesen.

Noch während sie die erste Seite las, verfinsterte sich ihr Blick und sie ballte eine Hand zur Faust. Die Späher der Dalanari hatten die Namen der toten Kaldorei im Eschental herausgefunden. Avalora seufzte. Sie hatte die Toten gekannt, nicht gut genug, um sie als Freunde zu bezeichnen, aber wann immer sie im Eschental gewesen war, hatte sie mit ihnen gesprochen.
„Ich hätte sie erkennen müssen“, dachte sie traurig und schüttelte dann den Kopf.

Sie konnte es nicht glauben. Trotzdem war es die Wahrheit. Sie wusste, dass die Späher der Dalanari niemals Unwahrheiten berichten würden. Bei den geringsten Zweifeln würden sie weiter nachforschen, bis diese ausgeräumt waren.

Avalora atmete tief durch und las weiter. Mit jeder neuen Information verfinsterte sich ihr Blick, und ihre Körperhaltung spannte sich mehr und mehr an. Die Lage war also noch schlimmer als ohnehin schon vermutet. Sie schüttelte den Kopf und nahm sich die nächste Seite vor.

Sie gelangte an die Stelle im Bericht, von der Rekrutin Graufeder bereits zum Teil erzählt hatte. Erneut verfinsterte sich Avaloras Miene mit jedem Abschnitt, den sie las.

Sie fühlte, wie die Wut in ihr hochstieg, und es war schwer, diese Wut im Zaum zu halten. Sie musste einen klaren Kopf behalten, auch wenn es ihr schwer fiel. Sie musste ihre Gedanken zurück auf den Bericht zwingen, um ihn zuende zu lesen.

Sie atmete tief durch, als sie den Bericht auf den Tisch legte. Ihr Blick ging zu den Fundstücken. Nacheinander nahm sie sie zur Hand und betrachtete sie genau, ehe sie sie wieder zurück in die Kiste legte. Die anderen Fundstücke, die sie bisher im Hain gelagert hatte, packte sie sorgfältig mit dazu. Der Bericht hingegen wanderte in die Akte.

Sie nahm sich einige Pergamente und die Schreibfeder zur Hand. Es war an der Zeit, die Lagebesprechung vorzubereiten und die Verbündeten zusammenzurufen.
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Avalora Sternenstaub
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Oberleutnant
<Orden der Dalanari>

Beiträge: 195

[ Charakterinfo ]
Titel: Die Last der Verantwortung
Thema Beschreibung: 21. Tag des 7. Monats
Verfasst am: 21. Jul 2017, 17:23 Beitrag  Diese Nachricht und die Folgenden als ungelesen markieren Antworten mit Zitat

Langsam und schleichend bewegte sie sich vorwärts. Dabei ging sie sehr vorsichtig vor und vergewisserte sich immer wieder, dass niemand ihr folgte oder sie gar beobachtete. Das wäre fatal gewesen bei ihrem Vorhaben.

Avalora hielt an einer sicheren Stelle kurz inne und atmete durch. Sie nutzte die Zeit, um sich zu orientieren. Sie tastete nach der Tasche, in der sie dieses wichtige und zugleich bedrohliche Artefakt aufbewahrte. Niemand außer ihr selbst wusste von den Verstecken, die sie dafür auswählte. Es war ganz alleine ihre Verantwortung, die sie mit niemandem teilte. Vielmehr wollte sie sie auch mit niemandem teilen. Dafür war das Risiko einfach viel zu hoch. Sie hatte sich diese Aufgabe auferlegt, um die anderen zu schützen, auch wenn es bedeutete, dass sie sich selbst damit ins Verderben stürzen würde. Natürlich hoffte sie, dass dies nicht der Fall sein würde.

So wie sie niemandem sagte, wo sich das Versteck jeweils befand, so verriet sie auch niemandem, wohin sie ging. Auch dies barg ein hohes Risiko, das wusste sie. Es ließ sich jedoch nicht vermeiden. Jede noch so kleine Information über ihren Aufenthaltsort konnte an die Widersacher gelangen. Das musste unbedingt verhindert werden.

Schließlich hatte sie sich für einen Weg entschieden, und sie setzte sich wieder langsam und schleichend in Bewegung. Niemand sah sie, niemand hörte sie. Trotzdem blieb sie vorsichtig und sah sich immer wieder prüfend um. Sollte es nötig werden, würde sie falsche Fährten legen.

Einige Stunden vergingen, doch dann hatte Avalora ihr Ziel erreicht. Erneut sah sie sich prüfend um und lauschte auf verdächtige Geräusche. Erst als sie sich ganz sicher war, dass sie allein war, holte sie das Artefakt hervor, welches in einem präparierten Lederbeutel untergebracht war. Wieder sah sie sich um und verharrte bewegungslos. Einige Minuten verstrichen, bis Avalora den kleinen Lederbeutel sorgfältig in seinem neuen Versteck verstaute. Sie überprüfte noch einmal alles und verwischte ihre Spuren.

Erst dann machte sie sich langsam und schleichend auf den Rückweg. Es warteten schließlich noch Vorbereitungen und Planungen bezüglich des weiteren Vorgehens auf sie.
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Avalora Sternenstaub
Die Nachtwache




Oberleutnant
<Orden der Dalanari>

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Titel: Eine gefährliche Bürde
Thema Beschreibung: Nacht auf den 14. Tag des 8. Monats
Verfasst am: 14. Aug 2017, 17:24 Beitrag  Diese Nachricht und die Folgenden als ungelesen markieren Antworten mit Zitat

Es war weit nach Mitternacht, als Avalora in den Hain im Dämmerwald zurückkehrte. Sie war müde und erschöpft, und ihre Schritte waren schleppend, als sie auf den Mondbrunnen zusteuerte.

Der Weg zum Heiligtum des Hains kam ihr vor wie eine Ewigkeit, doch schließlich erreichte sie ihn und ließ sich auf den Rand fallen, ehe ihre Kräfte sie verlassen konnten.

Kurz schloss sie ihre Augen und atmete tief durch. Sie verzog das Gesicht und sah an sich herab. Blutige Kratzer und leichte Schnittwunden prangten an ihren Armen und an ihrem Bauch. Ein winziger Kratzer zeichnete sich auch auf ihrer Wange ab. Ihre Rüstung hatte ebenfalls schon bessere Tage gesehen.

Avalora seufzte leise, erhob sich mühsam und ging um den Brunnen herum. Sie brauchte dringend etwas, um ihre Wunden zu versorgen, aber auch etwas zu trinken.

Plötzlich fühlte sie eine Hand auf ihrer Schulter. Erschrocken und mit gezogenem Dolch drehte sie sich um – und erstarrte.

„Ganz ruhig, Avalora“, sagte die sanfte Stimme, die der Mondpriesterin Caercia Silberbogen gehörte.

Erleichtert und auch ein wenig betreten ließ Avalora den Dolch sinken und steckte ihn wieder zurück an seinen Platz. Sie verneigte sich hastig, verzog aber dabei wieder das Gesicht.

„Verzeih, ich wollte dich nicht erschrecken“, fuhr Caercia fort und musterte Avalora prüfend und besorgt zugleich. „Es ist besser, du setzt dich hin, Avalora. Du siehst erschöpft aus.“

Avalora nickte leicht und schleppte sich wieder um den Brunnen herum. Caercia folgte ihr und griff dabei nach ihrem Beutel mit den Heiler-Utensilien. Diesen legte sie an den Rand des Mondbrunnens und füllte anschließend einen Becher mit Mondbeerensaft, den sie Avalora mit einem sanften Lächeln reichte.

„Trink erst einmal etwas. Danach versorge ich deine Wunden, und du erzählst mir, was passiert ist.“

Avalora nahm den Becher mit leicht zittriger Hand entgegen.
„Habt Dank, Hoheschwester“, sagte sie leise und trank hastig einen Schluck. Sie war mehr als durstig, wie sie gerade feststellte. Oder lag es doch an ihrer selbsterlegten Aufgabe?

Caercia beobachtete Avalora einen Moment lang besorgt, aber geduldig. Ihr Blick fiel auf die Kratzer und Schnittwunden. Sie sah sofort, dass sie nicht sehr tief waren, aber tief genug, um zu bluten. Sie schüttelte leicht den Kopf und holte die benötigten Dinge aus ihrer Tasche: ein frisches Tuch zum Säubern der Wunden, eine Tinktur zum Desinfizieren und Kräutersalbe. Kurz überlegte sie, ob sie auch noch Verbände hervorholen sollte, aber das unterließ sie erst einmal. Stattdessen füllte sie eine Schale mit Wasser aus dem Mondbrunnen.

Avalora trank unterdessen von ihrem Mondbeerensaft. Immer wieder fiel ihr Blick auf die Kratzer und Schnittwunden auf ihren Armen. Die an ihrem Bauch spürte sie auch so, ohne hinsehen zu müssen. Kurz tastete sie auch nach ihrer Wange.

Caercia sah das, beugte sich vor und drückte Avaloras Hand sanft nach unten.
„Es fühlt sich vermutlich schlimmer für dich an, als es in Wirklichkeit aussieht“, meinte sie mit einem aufmunternden Lächeln. „Die Wunden sind nicht tief. Ich werde sie gleich säubern, desinfizieren und mit einer Kräutersalbe behandeln.“

„Habt Dank, Hoheschwester“, sagte Avalora leise und stellte den leeren Becher beiseite.

Caercia lächelte.
„Das gehört zu meinen Aufgaben, Avalora.“
Die Mondpriesterin nahm das Tuch zur Hand und tauchte eine Ecke in die Schale.

Avalora setzte sich mühsam so hin, dass Caercia gut an alle Wunden herankam.
„Ihr wisst, dass ich Euch nicht alles erzählen kann und werde“, sagte sie leise.

Caercia beugte sich über Avalora und tupfte behutsam die Wunde an der Wange sauber.
„Das weiß ich, Kind. Erzähl mir einfach das, was du bereit bist zu erzählen.“

Avalora spannte sich an, als die Wunde anfing zu brennen. Sie wusste nicht, ob es mit dem Tuch oder mit dem Wasser des Mondbrunnens zusammenhing, aber das war ihr gerade auch egal.
„Nun, kurz gesagt, ich stieß auf Schwierigkeiten bei meiner selbsterlegten Aufgabe.“

Caercia hielt sofort inne und sah die andere Kaldorei mit einem ernsten und zugleich alarmierten Blick an.
„Kultisten?“

Avalora schüttelte leicht den Kopf.
„Nein, keine Kultisten. Wenn es welche gewesen wären, wäre ich vermutlich nicht mehr am Leben.“ Sie atmete kurz durch.
„Es waren Banditen. Sie erwischten mich, noch bevor ich das erste Versteck erreicht hatte.“

Caercia desinfizierte den Kratzer an der Wange, was Avalora scharf die Luft einziehen ließ, und sah eben jene besorgt an.
„Banditen? Was wollten sie von dir?“

Mich töten und ausrauben, Hoheschwester“, antwortete Avalora. „Zumindest sprachen sie davon.“ Sie zögerte einen Moment.
„Und andere Dinge hatten sie vorher wohl auch im Sinn.

Caercia verengte die Augen. Sie musterte Avalora erneut, während sie nun behutsam die Kräutersalbe auftrug.
„Wie viele waren es?“, fragte Caercia weiter.

Avalora dachte einen Moment nach.
„Ich glaube, es waren vier oder fünf. Genau weiß ich das nicht mehr. Ich weiß nur noch, dass sie sehr selbstsicher waren und mich angegriffen. Sie waren keine wirklich guten Kämpfer.“

„Ich nehme an, du hast sie töten oder in die Flucht schlagen können?“, erkundigte sich Caercia ernst.

Avalora nickte leicht.
„Sie schafften es, mich zu verletzen, aber sie haben den Angriff auf mich mit ihrem Leben bezahlt. Selbst die, die versuchten, zu entkommen.“
Ihre Stimme klang kalt, während sie das sagte.

Caercia versuchte, in der verschlossenen Miene von Avalora zu lesen, um herauszufinden, was in ihr vorging. Doch sie drang nicht durch die Mauer, die die andere Kaldorei errichtet hatte.
„Verstehe. Sie können also keine eventuelle Verstärkung alarmieren und dich verfolgen.“

Avalora nickte leicht.
„So ist es.“

Caercia kümmerte sich um die nächste Wunde. Wieder zog Avalora scharf die Luft ein, und die Priesterin sah sie entschuldigend an.
„Erklär mir, warum du dir diese Aufgabe auferlegt hast“, bat sie.

Avalora sah die Priesterin irritiert an.
„Aber das hatte ich Euch doch schon erklärt, Hoheschwester“, erwiderte sie.

Caercia lächelte.
„Ja, hattest du. Aber ich möchte, dass du es noch einmal tust.“

Avalora nickte langsam.
„Ich habe mir diese Aufgabe selbst auferlegt, um meine Brüder und Schwestern sowie unsere Verbündeten vor einem möglichen Einfluss dieser beiden Objekte zu beschützen. Ich habe gesehen, was nur eines davon anrichten kann, und ich bin nicht bereit zuzulassen, dass dies noch einmal geschieht. Vor allem wissen wir nicht, was das zweite Objekt macht. Ich will nicht riskieren, dass meine Geschwister und meine Verbündeten noch einmal Opfer davon werden.“

Caercia beobachtete Avalora, während sie diese Erklärung abgab. Sie achtete auf Anzeichen, die möglicherweise verrieten, wie Avalora dabei empfand. War sie immer noch überzeugt von dieser ihr selbst auferlegten Aufgabe? Oder zeigten sich bereits Anzeichen einer möglichen Beeinflussung?
Erleichtert stellte die Priesterin jedoch fest, dass Avaloras Entschlossenheit nach wie vor ungebrochen vorhanden war. Auch schien sie bisher noch nicht korrumpiert worden zu sein.
„Mutter Mond möge dich auch weiterhin bei dieser Aufgabe vor allem Übel beschützen, mein Kind“, sagte sie. „Möge sie dir Kraft und Weisheit schenken, um die Last dieser Verantwortung so zu tragen wie bisher.“
Sie strich Avalora kurz sanft über die unverletzte Wange und lächelte dabei mütterlich.

Avalora neigte ihr Haupt dankbar. Nur für einen kurzen Moment flackerten Angst und Zweifel in ihrem Blick auf, doch dann war die Mauer wieder errichtet.
Innerlich schüttelte Caercia den Kopf darüber, versorgte jedoch schweigend jede der Wunden.

„Ich lege dir eine Ersatzrüstung hin, mein Kind. Die, die du trägst, muss dringend ausgebessert werden“, sagte sie schließlich. „Soll ich dir auch etwas geben, dass du schlafen kannst oder bist du erschöpft genug, um länger als nur vier Stunden zu ruhen?“

Avalora blinzelte irritiert und zuckte verlegen mit den Ohren.
„Ich... ich glaube, ich bin erschöpft genug. Aber für alle Fälle könntet Ihr mir etwas bereit legen.“

Caercia nickte lächelnd.
„Das werde ich tun“, erwiderte sie, während sie alles wieder in ihrem Beutel verstaute.

Avalora nickte dankbar. Sie ließ sich von der Priesterin noch aufhelfen und schleppte sich dann zu ihrem Lager.

Caercia sah ihr mit einem besorgten und zugleich ernsten Blick nach.
Sie sollte diese schwere Bürde nicht alleine tragen, dachte sie.
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Avalora Sternenstaub
Die Nachtwache




Oberleutnant
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Titel: Einer Bitte wird stattgegeben
Thema Beschreibung: 22. Tag des 8. Monats
Verfasst am: 22. Aug 2017, 21:52 Beitrag  Diese Nachricht und die Folgenden als ungelesen markieren Antworten mit Zitat

Avalora saß wieder einmal hinter dem Denkmal für Varian Wrynn und betrachtete die Schriftrolle, die eine Schildwache im Hafen ihr ausgehändigt hatte. Diese Nachricht war an sie persönlich gerichtet und mit dem Zeichen der Schwesternschaft versehen.

Sie atmete tief durch und öffnete die Schriftrolle.

„Elune Adore, Schwester Sternenstaub.

Wir haben Eure Nachricht erhalten und uns darüber beraten. Wir entlassen Euch – schweren Herzens – aus dem Dienst der Schwesternschaft und somit aus der Einheit der Dämmerläufer.

Wir bedauern, dass Ihr diesen Weg nicht als den Euren seht.

Möge Elune Euren weiteren Weg erleuchten und Euch schützen.

gez.
Mondpriesterin Amadrieth Mondeid
im Auftrag der Schwesternschaft von Elune“


Avalora atmete erleichtert aus. Das war die Antwort, auf die sie gewartet und die sie erhofft hatte. Sie würde sich nicht länger quälen müssen mit einem Weg, der nicht für sie bestimmt war und mit dem sie sich alles andere als wohl fühlte.

Sie dachte an die Worte zurück, die sie zu Kelyndea gesagt hatte. Du wirst eine bessere Schildwache abgeben als ich. Du bist schon jetzt eine viel bessere als ich.

Diese Worte waren die Wahrheit gewesen. Kelyndea schien für diesen Weg bestimmt zu sein, während sie, Avalora, Jahrtausende lang Kriegerin des Zirkels gewesen war. Gerade in letzter Zeit waren die Zweifel an der Richtigkeit des Wegs der Schildwache gewachsen. Deshalb hatte sie diese Entscheidung getroffen und sich sowohl an die kommandierende Mondpriesterin als auch den Tempel in Darnassus per Nachricht gewandt. Eine richtige Entscheidung, wie sich herausstellte, vor allem, weil die Antwort des Tempels als erstes eingetroffen war. Sie hätte es sich zwar gewünscht, dass die kommandierende Mondpriesterin der Dämmerläufer eher die Zeit gefunden hätte, um ihr zu antworten, verstand verstand jedoch auch, dass dies aufgrund der aktuellen Lage schwierig war.

Avalora dachte an ihren Großvater. Sie hatte ihm noch nichts gesagt. Er würde es früh genug herausfinden, wenn er es nicht sogar schon ahnte. Sie hatte ihm niemals etwas vormachen können. Vielleicht hatte er es sogar schon früher geahnt als sie. Sie wusste es nicht. Aber letztendlich war sie alt genug, um ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Nichts anderes hatte sie getan.

Was sie jetzt noch tun musste, war die Rüstung an die Dämmerläufer zurückzugeben. Falls sie jemanden an dem Haus an Olivias Teich antreffen würde, würde sie die Rüstung einfach übergeben. Falls niemand dort war, würde sie die Rüstung einfach ins Lager packen.

Es gab noch etwas, was sie tun musste, tun wollte: Eine Nachricht an den Zirkel schicken und um Wiederaufnahme bitten. Das bedeutete zwar, dass sie sich weiterhin gedulden musste, aber das machte ihr nichts aus. Sie hatte genug zu tun, um sich von der Warterei abzulenken.
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