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Mondfest
Ereignis vom Heute, um 20:00 bis zum Heute, um 23:00
Autor: Avalora (Die Nachtwache) Antworten: 3

https://picload.org/image/ddldgwwi/einladungmondfestentwurf.png




[ooc][i]Mondfest 2018

Datum: 22.02.2018

Uhrzeit: 20:00 Uhr (Beginn)

Treffpunkt: Dunkelhain im Dämmerwald am Brunnen (Start)

eigentliches Fest: Zw
Offenes Training der Schwanengarde (Leuenschein)
Ereignis vom 26. Feb 2018, 20:00 bis zum 26. Feb 2018, 22:00
Autor: Alynia Antworten: 0

OOC: Offenes Training für alle:

Im 2-wöchentlichen Turnus wechselnd Leuenschein und Sturmwind

Diesmal: Leuenschein (Bespielt im heulenden Fjord in Westwacht)

Low lvl chars die nicht unbeschadet in die Westwacht kommen bekommen ein Flugtaxi auf B
Bürgerversammlung
Ereignis vom 27. Feb 2018, 20:00 bis zum 27. Feb 2018, 22:00
Autor: Vergilian (Die Nachtwache) Antworten: 0

Bürgerinnen und Bürger Sturmwinds!

Am 27. Tag des 2. Monats diesen Jahres

soll eine Bürgerversammlung abgehalten werden. Der Beginn der Versammlung wird zum achten Glockenschlag am Abend festgesetzt und a
KalenderKalender
Mi 21 Feb 2018
Do 22 Feb 2018
Thema Mondfest
Fr 23 Feb 2018
Sa 24 Feb 2018
So 25 Feb 2018
Mo 26 Feb 2018
Thema Offenes Trainin...
Di 27 Feb 2018
Thema Bürgerversammlung
Heute ist der 22. Feb 2018, 02:12
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Avalora Dalaneira Sternenstaub
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Avalora Sternenstaub
Die Nachtwache




Kommandantin
<Orden der Dalanari>

Beiträge: 219

[ Charakterinfo ]
Titel: Veränderungen
Thema Beschreibung: 23. Tag des 8. Monats
Verfasst am: 24. Aug 2017, 00:53 Beitrag  Diese Nachricht und die Folgenden als ungelesen markieren Antworten mit Zitat

Avalora hatte nur zwei Stunden geruht, nachdem sie mitten in der Nacht nach Sturmwind zurückgekehrt war. Nun jedoch war sie wieder auf den Beinen und packte einen Vorrat an Verbänden, teils mit Kräutern versehen, teils ohne, zusammen. Sie wollte sie mitnehmen, wenn sie erst nach Kammwacht ritt und von dort aus gemeinsam mit dem Hauptmann zurück zu dem Feldlager tief im Wald von Elwynn.

Ihr Blick fiel auf die Rüstung, die sie die letzten Monate getragen hatte. Fein säuberlich zusammengelegt lag sie auf dem Bett. Sie würde sie später zurückgeben. Sie sah dann zu ihrer alten blau-goldenen Rüstung. Sie würde sie bald hoffentlich wieder tragen. Doch noch durfte sie es nicht. Noch war sie nicht wieder Kriegerin des Zirkels, noch war sie nicht wieder Teil der Dalanari.

Ihr Blick wanderte weiter zu dem Schreibtisch. Dort lag das Schreiben des Tempels in Darnassus und direkt daneben das Schreiben an den Zirkel, welches sie vor dem Schlafengehen verfasst hatte. Auch dieses würde sie mitnehmen.

Avalora sah an sich hinab. Die neue Rüstung, eine Übergangsrüstung, war ungewohnt, dennoch saß sie perfekt. Sie hatte sie geschenkt bekommen, damals als sie nach ihrer Zuteilung zu der Schildwacheneinheit in Feralas gewesen war. Elyedriel hatte wohl keine Kosten und Mühen gescheut. Avalora wusste bis heute nicht, weshalb die Druidin ihr diese Rüstung geschenkt hatte. Sie war zwar auch leicht in Blau und Gold gehalten, jedoch nicht so sehr wie ihre alte Rüstung. An den Schulterstücken prankten Federn, die laut Elyedriel echt waren, jedoch kurz in eine Flüssigkeit gehalten worden waren, um sie stabiler zu machen. Genaueres wusste selbst Elyedriel nicht. Aber das war auch nicht weiter wichtig. Die Rüstung passte einwandfrei und ließ Bewegungsspielräume. Zudem fühlte sich Avalora endlich wieder vollständig von einer Rüstung geschützt.

Siewürde sehen, wie sich die Rüstung in der Praxis schlagen würde. Dann würde sie eine Nachricht an Elyedriel schicken, um es ihr mitzuteilen.

Ihre Gedanken wanderten zum gestrigen Abend.

Es hatte ausgesehen, als würde es ein ruhiger Abend bleiben. Doch das Erscheinen des Paters der Menschen hatte alles verändert. Er hatte wirklich beunruhigende Nachrichten überbracht. Sein Dorf, Steinhain hieß es wohl, hatte sich vom Licht abgewandt und stattdessen Sargeras zugewandt. Ausgerechnet Sargeras. Avalora schüttelte leicht den Kopf bei dem Gedanken daran.

Sie waren zu diesem Dorf geritten. Zusammen mit Raymar von den Tatzen hatte sie sich herangeschlichen, um die Lage auszuspähen. Eines stand fest: Es gab keine richtigen Wachen. Die Wachtürme waren zwar besetzt, aber nicht dauerhaft. Auch Patrouillen gab es nicht. Eine Nachlässigkeit, die man sich zu Nutzen machen konnte. Die vier Leichen, die vom Torbogen hangen, waren vermutlich zur Abschreckung gedacht. Allerdings, so hatte Avalora sehen können, hatten sie keine sichtbaren Verletzungen. Sie waren also vermutlich direkt erhängt worden.

Nachdem sie und Raymar Bericht erstattet hatten, wurde befohlen, die Wachtürme auszuschalten und Gefangene zu befreien. Sie waren zu sechst: Raymar, Vergilian, Matt, Kelyndea, Felonah und sie selbst. Zu viert hatten sie die Wachtürme ausgeschaltet, während die beiden anderen Kaldorei vor dem Dorf Wache gehalten hatten. Zu viert hatten sie auch die Gefangenen gefunden. Dies war der Moment, wo sie die Hilfe der beiden anderen gebraucht hatten. Es war zu viele Gefangene für die vier Befreier gewesen, vor allem weil Schlafmittel zum Einsatz gekommen war.

Avaloras Gedanken gingen zurück in die Gegenwart. Ein leises Seufzen entfuhr ihr, als sie merkte, dass sie einige Verbände vergessen hatte, einzupacken. Das holte sie noch nach und verschloss dann den Beutel.

Sie ging zu ihrem Schreibtisch und nahm den Brief an den Zirkel an sich. Den würde sie jetzt noch zum Hafen bringen. Die Rüstung der Schildwacheneinheit nahm sie ebenfalls an sich. Den kurzen Abstecher hinter das Zwergenviertel wollte sie ebenfalls noch bewältigen, um die Rüstung dort zu hinterlegen.

Sie sah sich noch einmal in ihrem Quartier um, um sicherzugehen, dass sie auch nichts vergessen hatte. Zufrieden nickte sie schließlich und ging nach draußen.

Thalanil wartete bereits vor der Tür auf Avalora. Sie strich ihm kurz über den massiven Kopf und schwang sich in den Sattel.

Der Weg zum Hafen war schnell bewältigt. Sie drückte das Schreiben einer Schildwache in die Hand, damit es mit dem nächsten Schiff nach Darnassus und von dort zur Mondlichtung gebracht werden konnte.

Kaum war das erledigt, ging es auch schon weiter zu dem Haus am Trainingsplatz. Sie schwang sich aus dem Sattel und ging zu dem Haus. Wie sie bereits erwartet hatte, traf sie niemanden an. Das machte jedoch auch nichts. Avalora legte die Rüstung gut sichtbar für die Kaldorei, jedoch versteckt vor anderen Blicken, ab. Sie sah sich noch einmal kurz um. Dann ging sie wieder zu Thalanil zurück, schwang sich in den Sattel und ritt los.

Ein Blick in den Himmel verriet ihr, dass sie noch genügend Zeit hatte, um pünktlich an der Kammwacht zu sein. Deshalb ritt sie gemächlich durch die Straßen Sturmwinds und ließ ihren Säbler erst außerhalb der Mauern in eine schnelle Gangart verfallen.
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Avalora Sternenstaub
Die Nachtwache




Kommandantin
<Orden der Dalanari>

Beiträge: 219

[ Charakterinfo ]
Titel: Offenbarungen
Thema Beschreibung: Nacht zum 24. Tag des 8. Monats
Verfasst am: 24. Aug 2017, 17:22 Beitrag  Diese Nachricht und die Folgenden als ungelesen markieren Antworten mit Zitat

Obwohl ihre Wache längst vorbei war, saß Avalora an einer vom Dorf nicht einsehbaren Stelle und dachte über den Abend und die geführten Gespräche nach.

Zum einen war da der Traum oder die Vision, von der ihr erzählt worden war. Sie war sich noch nicht sicher, was genau es war. Sie tendierte jedoch eher zu Vision. Für einen Traum waren die geschilderten Geschehnisse zu real. Sie bezogen sich auf die noch nicht abgeschlossene Angelegenheit mit den Kultisten. Avalora vertraute auf ihre Intuition. Die Schilderungen bestätigten nur ihre Vermutung, dass die Worgen von den Mücken kontrolliert werden und das Problem schlimmer wird. Im Nachhinein war sie froh, dass sie die Leichen verbrannt hatten, damit diese nicht als Brutstätten neuer Mücken verwendet werden konnten. Gleichzeitig behagte ihr jedoch der Gedanke immer noch nicht, dass einige der Worgen bei Verstand sein, sich jedoch nicht wehren könnten.

Ein leiser Seufzer entfuhr ihr. Sobald dieser Einsatz hier in dem Dorf erledigt war, würde sie sich um die selbsterlegte Aufgabe kümmern müssen. Es war schon zu viel Zeit verstrichen zwischen dem letzten Ausflug und dem nächsten. Hoffentlich sind die Schlüssel noch in ihren Verstecken, schoss es ihr mit einem Anflug von Bangen durch den Kopf. Dieser Gedanke sorgte dafür, dass sie sich noch mehr anspannte. Ich kann mich darauf jetzt nicht fokussieren. Die Situation hier hat Vorrang. Und wer weiß, was uns bei Rückkehr nach Sturmwind erwartet? Sie atmete tief durch, und die Anspannung ebbte etwas ab. Sie würde sich um das andere kümmern, sobald sie Zeit dafür hatte.

Ihre Gedanken wanderten weiter. Es war vor diesem Dorf gewarnt worden, so hatte sie vor ein paar Stunden erfahren. Jedoch waren nicht alle gewarnt worden, sondern nur eine Person, die ihr davon erzählt hatte. Avalora hatte sofort gewusst, dass dies keine Information war, die verschwiegen werden sollte. Etwas oder jemand hatte die Menschen des Dorfes dazu gebracht, sich vom Licht abzuwenden. Sie mussten die Wurzel dieses Übels – oder dieses Samenkorn, wie es in der Warnung hieß – finden und ausschalten. Erst einmal mussten sie jedoch den Verantwortlichen finden. Zu viert hatten sie noch vor der Wache über diese Warnung beraten und Meinungen ausgetauscht. Es gab mehrere Möglichkeiten: Entweder versteckte sich die Person, die die Leute vom Licht fortgezogen hatte, unter den befreiten Leuten. Oder aber die Person befand sich noch im Dorf selbst. Oder die verantwortliche Person hatte das Dorf lange vor dem Eintreffen der Truppe verlassen und versuchte nun an einem anderen Ort weitere Leute vom Licht fortzuziehen. Ihre Intuition hatte sich während des Gesprächs lautstark zu Wort gemeldet. Avalora selbst hatte einen Verdacht, der sich nicht beiseiteschieben ließ. Einen Verdacht, den sie geäußert hatte. Jeder, der aus diesem Dorf kam, war verdächtig.

Sie schüttelte leicht den Kopf. Zu oft hatte sie miterlebt, wie Leute von der Legion verführt worden waren. Es muss jemand mit einem gewissen Einfluss sein. Auf solche Leute wird am meisten und ehesten gehört. Ebenso Leute mit einem hohen Ansehen. Diese Verführung geschah erst sehr unauffällig und durch Schmeicheleien, bis die Opfer verfallen waren. Danach hatte der Verderber leichtes Spiel, bis es zu spät war.

Hoffen wir, dass wir nicht zu spät sind. Hoffen wir, dass sich mein Verdacht nicht bestätigt und meine Intuition ausnahmsweise einmal falsch liegt.
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Avalora Sternenstaub
Die Nachtwache




Kommandantin
<Orden der Dalanari>

Beiträge: 219

[ Charakterinfo ]
Titel: Auf Abwegen Verfasst am: 1. Sep 2017, 13:59 Beitrag  Diese Nachricht und die Folgenden als ungelesen markieren Antworten mit Zitat

29. Tag des 8. Monats

Sie hatte sich nur für einen Moment ausruhen wollen. Eine kurze Rast, bevor sie sich erneut auf den Weg machte, um neue Verstecke für die beiden verderbten Kästchen zu finden. Ehe sie es sich jedoch versah, war sie eingeschlafen.

Nur einen Moment später wachte sie wieder auf. Sie wollte sich anders hinlegen, doch dann bemerkte sie es: Sie lag auf nassem Sand. Verwirrt sah sie an sich hinab. Sie trug ihre volle Ausrüstung. Hatte sie nicht zumindest die Handschuhe ausgezogen, als sie sich hingelegt hatte? Sie hob den Blick. Da war ein Weg, der nur geradeaus führte. Alte Wurzeln entdeckte sie ebenfalls. Sie wirkten wie Adern in einem Geflecht.

Sie sah sich um. Die Umgebung verschwamm leicht vor ihren Augen. Es wirkte alles unnatürlich und falsch... und doch weckte sie Erinnerungen an eine längst vergangene Zeit.

Avalora atmete tief durch. Sie hatte zwei Möglichkeiten: Entweder sie blieb, wo sie war, oder aber sie sah sich hier um. Sie entschied sich für letztere Option. Vorsichtig ging sie Schritt für Schritt voran.

Plötzlich drang eine tiefe, knurrige und undeutlich schimpfende Stimme an ihre empfindlichen Ohren. Sofort lauschte sie, doch die Stimme war verstummt.

Sie ging weiter, zog ihren Bogen und nockte einen Pfeil in die Sehne. Sie wollte auf alles vorbereitet sein.

Erneut drang die Stimme an ihre Ohren. Dieses Mal verstand sie sogar einige Worte, als sie angestrengt lauschte. Es klang wie eine Schuldzuweisung. Die Stimme erinnerte sie irgendwie an einen Worgen. Eine zweite Stimme, die weiblich klang, kam hinzu. Erneut war es eine Schuldzuweisung. Anscheinend stritten sich die beiden.

Avalora bewegte sich schleichend vorwärts. Die Stimmen wurden deutlicher. Sie stutzte, als die weibliche Stimme meinte, dass diese Elfe schuld war. Welche Elfe meint sie?, schoss es ihr durch den Kopf, als sie weiterschlich.

Da war ein kleiner Tisch mit einem gefalteten Pergament. Sie wollte wissen, was hier los war. Geduckt schlich sie dorthin und nahm das Schriftstück an sich. Sie runzelte die Stirn, als sie es auseinanderfaltete und ihre eigene Handschrift erkannte, in welcher die Worte „Bestimme ihr Schicksal. – A.“ geschrieben waren. Was hat das zu bedeuten? Was geschieht hier?

Avalora sah sich um. Der Weg führte nur an einer einzigen Stelle weiter. Da war eine moosbedeckte und nasse Treppe, die zu einem Gang hinabführte. Ihr Blick folgte dem Gang, und sie entdeckte am anderen Ende eine weitere Treppe.

Sie ging um den Tisch herum auf die Treppe zu. Vorsichtig und so lautlos wie möglich stieg sie Stufe für Stufe hinab. Ihr Blick fiel auf alte Tafeln am Rande des Ganges. Sie ging darauf zu. Seltsam... Die Schrift hat sich verändert. Oder nicht?

Avalora schüttelte den Kopf. Sie konnte nicht entziffern, was dort geschrieben stand. Aber die Sprache ließ sie trotzdem erschaudern.

Noch vorsichtiger als zuvor schlich sie weiter. Schließlich vernahm sie ein leises Surren und Zirpen von Maschinenteilen. Auch manch kleinen Dampfstoß konnte sie vernehmen. Es hörte sich alles regelmäßig an.

Von Neugier gepackt, schlich sie näher und wagte einen Blick über die Mauer. Sie entdeckte zwei schwere, eiserne Käfige. In einem Käfig saß eine Worgin mit einem Gegenstand aus Metall auf dem Kopf. In dem anderen Käfig befand sich ein Worgen mit breiteren Schulterbau, der ebenso diesen seltsamen Gegenstand auf dem Kopf trug. Avalora entdeckte ebenso zwei Hebel. An einem dieser Hebel war ein weiteres Pergament befestigt worden. Sie nahm das Schriftstück an sich und las die Nachricht. Wieder war es ihre eigene Handschrift. „Bestimme das Schicksal dieser zwei. Gesucht wird die Schuld. Die Last im Herzen ob einer grausamen Tat.“

Die Worgin flehte sie an, ihnen nichts zu tun. Avalora war verwirrt. Was meint sie damit?

Sie wollte die beiden Worgen befreien, doch das stellte sich als unmöglich heraus. Die Käfige selbst besaßen keine Schlösser, die man hätte aufbrechen können. Die Worte der beiden Worgen irritierten sie. Sie solle verschwinden, da sie ihr nichts weiter zu sagen hätten. Sie versuchte, die beiden zu beruhigen, indem sie versicherte, dass sie ihnen nicht tun wollte. Daraufhin forderte die Worgin, dass sie sie freilassen solle.

Innerlich seufzte Avalora. Genau das hatte sie vor, aber sie musste sich und auch den beiden Worgen eingestehen, dass sie nicht wusste, wie sie dies anstellen sollte. Sie glaubten ihr nicht, da es ihre – Avaloras – Foltermaschine sei, wie sie sagten.

Avalora war entsetzt, als sie diese Worte vernahm. Ungläubig schüttelte sie den Kopf. Das kann nicht sein! Ich bin nicht hierfür verantwortlich!

Sie vernahm ein Surren aus der Richtung der Hebel und drehte sich um. Der blaue Knauf leuchtete plötzlich auf. Würden diese Hebel die beiden Käfige öffnen?

Sie zögerte, doch dann hob sie langsam ihre Hand, um den Hebel vorsichtig zu berühren. Es stellte sich als Fehler heraus, denn ihre Hand wurde förmlich an den Hebel gesogen und ließ sich nicht mehr lösen. Der Hebel selbst sprang unter einem Rattern nach vorne.

Irgendetwas hatte dieser Hebel ausgelöst, denn der Worgen knurrte plötzlich. Avalora erschrak und entschuldigte sich, während sie gleichzeitig vergeblich versuchte, ihre Hand vom Hebel zu lösen.

Bilder tauchten auf, die verschiedene Szenen zeigten. Es schienen Erinnerungen zu sein.

Die Worgin flehte sie an, aufzuhören. Es sei ihre Schuld gewesen, nicht seine. Avalora versuchte sich zu beruhigen und fragte nach, woran die Worgin schuld wäre. „An der Plage, die wir über uns brachten. Ich dachte, die Versprechen würden uns helfen“, lautete die Antwort.

Avalora berührte eines der Bilder. Doch auch das war ein Fehler, zumindest in Bezug auf den Worgen. An seinem Helm knallte es laut, und der Worgen brach zusammen. Avalora hingegen konnte ihre Hand wieder vom Hebel nehmen. Doch Schuldgefühle und Verzweiflung machten sich in ihr breit. Ich wünschte, ich könnte es rückgängig machen. Ich habe die Lage für die Worgen verschlimmert. Ich habe ihnen Leid zugefügt. Ich wünschte, ich könnte sie freilassen und mich ihrem Urteil stellen.

Genau in diesem Moment hörte sie etwas hinter sich und drehte sich um. Dort stand ein kleiner Dämon, der sie übertrieben freundlich angrinste. Sofort griff sie nach ihrer Waffe.

Der Dämon erzählte ihr, dass sie, die Kistenschlepperin, gerade bei ihnen daheim wäre, und sie es deshalb gar nicht erst versuchen sollte.

Avalora runzelte die Stirn. Bei ihnen daheim? Was hat das jetzt schon wieder zu bedeuten? Sie fragte den Dämon. Als Antwort kam, dass sie es wissen müsste, da sie seine kleinen Boten zerdrückt hätte, wenn sie gerade irgendwo genistet hatten.

Boten? Was für Boten? Oder meint er die Mücken? Ja, das muss es sein.

Avalora schenkte dem Dämon einen finsteren Blick. Ihre Stimme klang ruhig, viel zu ruhig, als sie meinte, dass sie sie wieder zerdrücken würde. Schließlich waren sie widernatürlich, beeinflussten unschuldige Worgen und töteten diese schließlich.

Der Dämon erhob Widerspruch in Bezug auf das Töten. Es wäre zu viel zu futtern in den Worgen. Er schenkte ihr einen falschen traurigen Blick, auf den Avalora jedoch nicht hereinfiel.

Ich habe geschworen, diese Machenschaften zu stoppen. Diesen Schwur werde ich halten!

Dieser Dämon fragte sie, ob es ihr gefallen würde. Er hätte nur zwei Worgenköpfe auf die Schnelle herbringen können. Irgendwo im Dämmerwald jedoch wüsste jetzt einer gerade nicht mehr genau, wer er sei. Der Dämon bedankte sich dafür bei Avalora.

Sie war schockiert und sank auf die Knie. Was habe ich getan? Das kann nicht sein! Das darf nicht sein! Ich habe doch geschworen, die Worgen zu beschützen...

Das Flehen der Worgen, man möge sie doch freilassen, drang an ihre Ohren, und sie sah kurz über ihre Schulter zu ihnen. Dann ging ihr Blick wieder zu dem Dämon. Sein Grinsen gefiel ihr gar nicht. Er führt doch irgendetwas im Schilde. Er wird sie nicht gehen lassen.

Sie fragte den Dämon leise. Er stellte sie vor die Wahl: Entweder ließ er sie gehen und vergessen oder aber sie – Avalora – konnte weiter ein wenig Folterknecht sein.

Nein, das will ich nicht. Ich will, dass sie frei und unbeschadet sind. Sie haben genug durchgemacht.

Die beiden gefangenen Worgen wollten frei sein und vergessen. Sie wollten einfach nur fort und wieder aufwachen.

Wenn sie hierbleiben, dann sterben ihre Körper. Sie sollen frei sein und das hier vergessen.

Der Dämon ließ sie tatsächlich frei, und doch hatte er die Worgen und sie ausgetrickst. Sie hatten alles vergessen. In ihrem Kopf herrschte nur noch Leere, wie er Avalora gegenüber triumphierend tanzend zugab.

Wütend und mit gezogenem Dolch stürzte sie sich auf den Dämon. Doch... der Dolchstoß verfehlte, ging durch ihn hindurch. Avalora konnte sich gerade noch abstützen, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren.

Mit finsterem Blick sah sie den Dämon an und fragte nach den Gründen für sein Tun, für ihre Anwesenheit hier und die Anwesenheit der beiden Worgen.

Langeweile war ein Grund, die Liebe zu Herausforderungen ein anderer. Dieser Dämon hatte gedacht, in den Köpfen der Worgen, in ihren Gedanken, einen starken Gegner zu finden, an dem er sich messen konnte.

Was er dann sagte, ließ beinahe das Blut in ihren Adern gefrieren. Es wäre ziemlich anstrengend, einen weitestgehend unbeeinflussten Geist hier in dieser Welt zu halten. Er besaß auch noch die Frechheit zu grinsen.

Was meint er damit? Lass es nicht wahr sein, wenn es das ist, was ich glaube.

Er bestätigte ihre Befürchtung. Letztendlich war sie sich klar darüber gewesen, dass es irgendwann passieren musste. Sie trug die Kästchen teilweise über Stunden an ihrem Körper, wenn auch in den Taschen an ihrem Gürtel.

Ich bin noch nicht verloren. Ich bin noch nicht vollkommen beeinflusst oder korrumpiert. Es besteht noch Hoffnung für mich.

Sie blieb äußerlich ruhig, und fragte ihn nach seinem Namen. Ihr war jedoch klar, dass er ihn ihr nicht verraten würde. Er verriet ihr jedoch, dass er ein Gedankenkrämer wäre und sich momentan auf sprechende Wölfe spezialisiert hätte.

Warum trägt er eigentlich eine viel zu große Robe? Aus Angst, dass man ihn erkennen könnte? Oder steckt noch etwas ganz anderes dahinter?

Ein schmerzvolles Knurren von ganz weit weg, drang an ihre Ohren. Fast so, als wäre dieser Ort wesentlich größer, als er den Anschein machte.

Wo bin ich hier genau? Woher kam das Knurren? Und was hat das Knurren zu bedeuten?

Die Erklärung kam direkt. Die kleinen Boten des Dämons hatten sich in einem weiteren Worgen verankert. Die Zufriedenheit, die er dabei zeigte, machte Avalora nur noch wütender und entschlossener.

Ich werde diesen Dämon und seine Gefolgsleute stoppen! Für jedes einzelne Opfer werde ich sie bestrafen! Sie haben sich mit der falschen Kaldorei angelegt!

Der Dämon redete etwas von Besuch, den er erhalten würde, und deutete auf einen Riss hinter Avalora. Dieser würde sie von hier fortbringen. Ihre Drohung nahm er nicht ernst. Er würde in den Windungen von Pelzträgern leben. Avalora müsste sie alle töten. Sie würde nichts mehr aus ihm herausbekommen.

Ich sollte von hier fort, bevor ich hier gefangen bin.

Sie trat durch den Riss, was dazu führte, dass sie sofort erwachte. Sofort sah sie an sich herab. Sie war unverletzt. Erleichtert atmete sie aus. Doch dann fielen ihr die Kästchen ein, und sie tastete danach. Sie waren noch da.

Sie ... fühlen sich bedrohlicher an.

Sie war besorgt und nachdenklich zugleich. Wie weit bin ich schon korrumpiert worden? Wissen die Kultisten, wo sich die Kästchen befinden? Wissen sie, wo ich sie jedes Mal verstecke? Wenn ja, warum haben sie sich die Kästchen dann noch nicht geholt?
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Avalora Sternenstaub
Die Nachtwache




Kommandantin
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Titel: Hoffnung - Eine starke Waffe Verfasst am: 4. Sep 2017, 00:31 Beitrag  Diese Nachricht und die Folgenden als ungelesen markieren Antworten mit Zitat

Es war tiefste Nacht im Reich der Menschen. Nur die Wachen drehten ihre Runden und diejenigen, unter den Menschen, die keinen Schlaf fanden.

Avalora schritt leise durch die Straßen in Begleitung ihres Säblers. Ihr Ziel war eine abgeschiedene Stelle knapp außerhalb der Mauern von Sturmwind. Von dort konnte sie den Nachthimmel sehen, ohne jedoch die mahnende Präsenz von Argus sehen zu müssen.

Schließlich hatte sie ihr Ziel erreicht. Thalanil, ihr Säbler, ließ sich direkt im weichen Gras nieder. Avalora ließ sich ebenfalls ins Gras fallen und lehnte sich an ihren treuen Begleiter an. Sofort ging ihr Blick nach oben in den Nachthimmel, den Mond, das Antlitz ihrer Göttin, fixierend.

Sie dachte an die geführten Gespräche mit Freunden und Bekannten nach ihrer Rückkehr und der Erkenntnis, dass sie verderbt worden war. Avalora hatte eigentlich gewusst, was sie zu tun hatte, und doch hatte sie zu jenem Zeitpunkt Angst verspürt. Sie hätte sich umgehend an einen Druiden oder einen Priester wenden sollen. Stattdessen hatte sie gewartet. Sie wollte nicht als Ketzerin gelten, weil sie durch ihre Aufgabe bezüglich der Verwahrung der Schlüssel korrumpiert worden war. Doch warten konnte sie auch nicht. Es wäre nicht von selbst verschwunden. Im Gegenteil, es hätte sich nur noch verschlimmert.

Druiden waren keine zugegen gewesen bei ihrer Wiederkehr. Doch Schildwachen waren ihr über den Weg gelaufen. Ob das ein Zeichen von Elune gewesen war? Avalora wusste es nicht. Sie wusste jedoch, dass sie Hilfe benötigte. Also hatte sie der Mondpriesterin eine Nachricht zukommen lassen.

Bei der Besprechung auf der Azurmythosinsel hätte sie dann auch einen Druiden ansprechen können. Doch dazu war weder vorher noch nachher wirklich Gelegenheit. Die Draenei hatten ihnen alle etwas zum Nachdenken mit auf den Weg gegeben. Sie würden den Krieg zur Legion nach Argus tragen. Avalora behagte die Aussicht nicht, auf einem Dimensionsschiff zu reisen. Aber anders würden sie nicht dorthin kommen.

Avalora schüttelte den Kopf. Denk jetzt nicht darüber nach, Avalora, mahnte sie sich selbst. Morgen, nicht heute.

Die Mondpriesterin war nach der Besprechung auf sie zugekommen und hatte ihr gesagt, sie könnte jederzeit das Glaubensrefugium in Sturmwind aufsuchen.

Vor wenigen Stunden jedoch, als Avalora am Kathedralenplatz gesessen und sich mit einigen Leuten, Kaldorei wie auch Menschen, unterhalten hatte, war die Hoheschwester erneut auf sie zugetreten. Der Zeitpunkt hätte gar nicht passender sein können. Der Hauptmann hatte ihr einige Dinge berichtet, die zusammen mit den Schuldgefühlen und den Zweifeln an ihr nagten. Ein weiteres Zeichen von Elune?

Avalora war mit der Hoheschwester zum Glaubensrefugium gegangen und hatte ihr dort die Wahrheit erzählt, ebenso, was sie sich erhoffte. Sie hatte eigentlich erwartet, dass sie verurteilt werden würde, doch dem war nicht so. Ihr Gegenüber zeigte sich besorgt und wollte versuchen, ihr zu helfen. Warum habe ich zu dem Zeitpunkt das Schlimmste angenommen?

Doch ihre wirkliche Richterin war Mutter Mond. Avalora hatte sich in ein einfaches Gewand kleiden müssen und war dann mit der Mondpriesterin zum Ufer des Sees gegangen. Das Antlitz der Göttin spiegelte sich in ihm, und genau dort hatte sich Avalora hinstellen müssen mit Blick auf den Mond. Auf Geheiß der Priesterin fasste sie ihre Schuldgefühle und ihre Zweifel in Worte, gerichtet an die Nachtkriegerin. Ihre Stimme brach zwischendrin, als die Scham und der Schmerz über die Dinge, die sie belasteten, sie zu überwältigen drohten.

Kniend fixierte sie mit ihrem Blick das Antlitz der Göttin, darüber nachdenkend, welchen Ballast und welche Zweifel sie von sich genommen haben wollte. Auf Geheiß der Priesterin sprach sie es laut aus: Sie wollte keine Schuldgefühle mehr haben, die nur Einflüsterungen der Feinde waren. Sie wollte auch nicht mehr daran zweifeln, ob sie das Richtige tat oder künftig tun würde. Alles, was für sie zählte, war, dass sie diese Widersacher aufhalten wollte, ja aufhalten musste.

Avalora tauchte auf ein Zeichen der Priesterin unter die Wasseroberfläche. Eine rituelle Handlung, um sie von dem Ballast und den Zweifeln reinzuwaschen, gefolgt von dem Übergießen mit Wasser aus dem Mondbrunnen. Die Worte, die die Priesterin dabei sprach, drangen bis in die tiefsten Winkel ihres Herzens.

Was dann folgte, war die wirkliche Reinigung von der Verderbnis, die in ihr steckte. Sie war schmerzhaft, kämpfte doch die Macht der Göttin mit der Macht des Dämons. Avalora erduldete es. Sie vertraute vollkommen auf die Göttin und ihre Priesterin. Sie konzentrierte sich allein auf die Worte und auf die heilige Kraft der Göttin, nur so war es ihr möglich, diese schmerzhafte Prozedur auszuhalten.

Die Priesterin erbat noch einen zusätzlichen Schutz für Avalora. Sie konnte es fühlen, wie sich dieser Schutz in ihr und um sie herum ausbreitete. Dieses Gefühl hielt auch jetzt, einige Stunden später, noch an. Es würde so lange anhalten, wie die Göttin es für richtig hielt.

Avaloras Gedanken wanderten weiter zu dem längst überfälligen Gespräch mit ihrem Großvater. Sie hatte versucht, ihm ihre Entscheidung zu erklären. Etwas, was sie im Vorfeld hätte tun sollen, bevor sie überhaupt die Nachrichten geschrieben hatte. Es war ein zum Teil ernstes Gespräch gewesen, jedoch mit guten Ratschlägen und Anmerkungen. Über einiges, was er gesagt hatte, wollte sie nachdenken, wenn der Zeitpunkt dafür gekommen war. Anderes wiederum gab ihr weiterhin zu denken, ohne sie jedoch zu zermürben.

Sie hätte gern weiterhin seinen Rat auch in dienstlichen Dingen gesucht, doch er hatte Recht. Er war nicht mehr ihr Kommandant, und es war an der Zeit, dass sie aus seinem Schatten heraustrat und ihren eigenen Weg ging, ihre eigenen Erfahrungen machte und daraus lernte.

Lächelnd hielt sie ihren Blick auf das Antlitz der Göttin gerichtet.

Dies war nicht die Zeit für Zweifel. Dies war auch nicht die Zeit für Trauer um das, was sie vielleicht verloren hatte. Nein, dies war die Zeit für Hoffnung. Nur wer Hoffnung im Herzen trug, würde kämpfen. Nur wer Hoffnung hat, geht neue Wege.

Hoffnung ist die stärkste Waffe des Glaubens und ein mächtiges Schild.

Mit diesem Gedanken schlief Avalora an ihren Säbler gelehnt ein.
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Avalora Sternenstaub
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Beiträge: 219

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Titel: Neue Verantwortung Verfasst am: 3. Okt 2017, 14:49 Beitrag  Diese Nachricht und die Folgenden als ungelesen markieren Antworten mit Zitat

13. Tag des 9. Monats

Mondlichtung
Avalora ließ ihren Blick über den See von Elune’ara schweifen und auch über die Landschaft dahinter, während sie wartete.

Vor zwei Stunden war sie hier auf der Mondlichtung eingetroffen und hatte sich direkt angemeldet.
„Die Erzdruiden sind in einer wichtigen Besprechung“, hatte man ihr gesagt, und sie hatte darauf verstehend genickt.
Seitdem wartete sie darauf, zu den Erzdruiden vorgelassen zu werden.

Noch vor einer Weile wäre sie ungeduldig auf und ab gegangen. Nun jedoch stand sie ruhig und gelassen vor dem Gebäude, in dem sich die Erzdruiden aufhielten. Es war ein weiteres Anzeichen dafür, dass sie sich verändert hatte.

Einer der jüngeren Druiden hatte ihr einen Becher und eine Karaffe Quellwasser gebracht und war dann wieder gegangen. Das war vor einer Stunde gewesen. Avalora hielt den Becher noch immer in der Hand, auch wenn er mittlerweile leer war. Auf Dauer jedoch einen leeren Becher zu halten, war unsinnig, und so kehrte Avalora in den Wartebereich zurück. Sie stellte den Becher auf den kleinen Tisch, auf dem schon die Karaffe stand.

Sie wollte gerade wieder nach draußen gehen, als sie eilige Schritte hinter sich vernahm. Sie drehte sich um und sah den jungen Druiden an.
„Oberleutnant, die Erzdruiden empfangen Euch nun“, meldete er.
„Habt Dank“, antwortete sie.
Der junge Druide wandte sich um und ging voran. Avalora folgte ihm.

Der Druide führte sie tiefer in das Innere des Gebäudes bis zu dem Raum, in dem die Erzdruiden saßen. Dort ließ er sie alleine.

Avalora salutierte vor den Erzdruiden, während ihr Blick über diese huschte. Es waren bekannte Gesichter, unter anderem einer ihrer alten Lehrer.

„Oberleutnant Avalora Sternenstaub, willkommen auf der Mondlichtung“, begrüßte Iyleraes Rabengeist sie, und Avalora neigte dankend ihr Haupt vor dem Kaldorei.
„Willkommen zurück in den Reihen des Zirkels“, sagte Tanduk Wintermähne mit einem Lächeln.
„Habt Dank, Shan’do“, erwiderte Avalora und neigte auch vor dem Tauren ihr Haupt.
Der Kaldorei Cyaerian Nachttänzer trat mit einem stolzen Lächeln auf sie zu und klopfte ihr kurz auf die Schulter. Avalora neigte auch vor ihm ihr Haupt und schenkte ihm dann ein leichtes Lächeln. Er erwiderte das Lächeln kurz, ehe er die Hand wieder von ihrer Schulter nahm und sie nun ernst ansah.
„Oberleutnant, vor Euch liegt ein schwerer Weg, der sich zudem auch noch aufspaltet“, sagte er. „Wir haben Eure Berichte gelesen und uns deshalb beraten.“
Avalora sah ihn aufmerksam an.
„Wir haben deshalb auch mehr als einen Befehl für Euch“, fuhr er fort. „Erstens: Ihr werdet mit einigen Dalanari diesen Kreuzzug nach Argus begleiten. Zweitens: Für die Dauer Eurer Abwesenheit werdet Ihr einige Dalanari in den Dämmerwald entsenden. Drittens: Ein dritter Teil des Ordens verbleibt in Feralas. Viertens: Die beiden Kästchen, die Ihr bisher in Verwahrung hattet, werden wir übernehmen und hier aufbewahren. Es wird so geschehen, wie es von der Schwesternschaft angeraten wurde.“
„Verstanden, Shan’do“, antwortete Avalora knapp und bestätigend.
Die Erzdruiden nickten zufrieden. Doch dann musterten sie Avalora prüfend.
„Euer Orden hat eine lange Geschichte, Oberleutnant“, sagte Iyleraes Rabengeist dann. „Es freut uns, dass Ihr diese Geschichte fortführen werdet.“
Avalora sah den Erzdruiden an und neigte dankend ihr Haupt.
„Habt Dank, Shan’do. Ich werde mein Bestes geben, der Verantwortung und den Erwartungen in mich gerecht zu werden“, erwiderte sie mit Demut in der Stimme.
„Nichts anderes erwarten wir von Euch in diesem Punkt“, meinte Adahen Vierhaar, ein Taure.
„Ihr habt einen schweren und gefährlichen Einsatz vor Euch, Oberleutnant“, sagte Cyaerian Nachttänzer. „Trefft die nötigen Vorbereitungen. Ein Hippogryph wird Euch nach Feralas bringen.“
Avalora erkannte in diesen Worten das Entlassungszeichen, und sie salutierte noch einmal vor den Erzdruiden. Dann ging sie hinaus.

Dabei bemerkte sie nicht, wie ihr die besorgten Blicke der Erzdruiden folgten, und auch die Worte hörte sie nicht mehr.
„Sie hat eine schwere Bürde zu tragen“, sagte Iyleraes Rabengeist und sah seine Brüder an.
„Eine sehr schwere“, stimmte ihm Adahen Vierhaar zu.
„Wird sie dem gewachsen sein?“, fragte Tanduk Wintermähne und sah jeden einzelnen fragend und besorgt zugleich an.
Cyaerian Nachttänzer drehte sich zu seinen Brüdern um und nickt bestimmt.
„Ich kenne Avalora schon sehr, sehr lange. Sie wurde für den Posten, den sie nun ausfüllt, ausgebildet. Sie ist dem also gewachsen. Zudem hat sie in all den Jahren an innerer Stärke gewonnen. Ich habe sie noch niemals zuvor so im Gleichgewicht gesehen wie jetzt“, erwiderte er.
Die anderen Erzdruiden nickten verstehend.



Feralas
Einige Stunden später erreichte Avalora die Mondfederfeste in Feralas und landete vor den Toren. Der Flug hierher war unterhaltsam gewesen, hatten die Druiden der Mondlichtung ihr doch einen sehr gesprächigen Hippogryphen gegeben.
Avalora schwang sich von seinem Rücken und verneigte sich respektvoll vor ihm. Der Hippogryph erwiderte diese Geste und erhob sich kurz darauf wieder in die Luft.
Avalora sah ihm kurz nach und begab sich dann ins Innere der Mondfederfeste.

Verwirrt bemerkte sie, dass die Dalanari nicht wie sonst auf ihren Posten waren. Nur die Schildwachen waren anwesend und grüßten Avalora respektvoll. Sie erwiderte den Gruß und ging dann in Richtung ihres alten Quartiers.

Als sie es gerade betreten wollte, hörte sie ein Räuspern hinter sich und drehte sich um. Sie blinzelte überrascht.
„Habt Ihr Euch verlaufen, Oberleutnant?“, fragte Arilean schmunzelnd.
„Ich... Nein. Mein Quartier...“, murmelte Avalora immer noch überrascht.
„...befindet sich nun in dem anderen Baum“, erinnerte Arilean sie.
„Was macht Ihr hier?“, frage Avalora nun endlich.
„Die Schwesternschaft hat mich dem Orden dauerhaft als Mondpriesterin zugeteilt, nach Absprache mit dem Zirkel natürlich“, erklärte Arilean lächelnd.
„Das sind erfreuliche Nachrichten“, sagte Avalora und lächelte ebenfalls.
Sie sah zu ihrem alten Quartier und dann zu dem Baum, in dem sich auch das Büro des Oberleutnants befand.
„Du wirst dich daran gewöhnen“, meinte Arilean sanft, als sie den Blick bemerkte, und verwendete dabei die vertrauliche Anrede.
Avalora nickte leicht und machte sich auf den Weg dorthin. Arilean folgte ihr.

„Wo sind eigentlich die Dalanari?“, fragte Avalora, als sie den Baum erreicht hatten.
Arilean schmunzelte erneut.
„Sie erwarten ihren Oberleutnant am Übungsplatz“, antwortete sie.
„Am Übungsplatz, verstehe“, meinte Avalora und reichte ihre Tasche an Arilean.
Diese nahm sie behutsam entgegen und schenkte Avalora ein beruhigendes Lächeln.
Avalora hingegen atmete noch einmal tief durch und ging zum Übungsplatz. Arilean sah ihr schmunzelnd nach, ehe sie die Tasche ins Quartier brachte und dann ebenfalls zum Übungsplatz ging.

Tatsächlich waren sämtliche Dalanari am Übungsplatz versammelt. Sie standen in Reih und Glied und warteten. In der ersten Reihe standen die Infanteristen, in der zweiten die Späher, in der dritten die Bogenschützen und in der vierten die Heiler. Sie alle standen stramm und salutierten, als Avalora vor sie trat.

Avalora ließ ihren Blick über die Dalanari gleiten. Nach außen hin zeigte sie den emotionslosen Ausdruck einer Kommandantin, doch in ihrem Inneren blutete ihr das Herz. So viele Gesichter, die sie selbst rekrutiert hatte, fehlten in den Reihen. Sie waren auf den Verheerten Inseln gefallen. Doch ihre Opfer würden nicht umsonst gewesen sein.

Sie positionierte sich in der Mitte vor ihnen und erwiderte den Salut.
„Steht bequem“, sagte sie mit einer festen, klaren Stimme.
Die Dalanari leisteten dem Befehl direkt Folge und sahen Avalora erwartungsvoll an.
„Wie ihr alle bereits wisst, werde ich den Orden von nun an weiterführen. Zudem gehe ich davon aus, dass ihr alle über die aktuelle Lage informiert seid, sowohl über Argus als auch über die Geschehnisse im Dämmerwald.“
Avalora sah dabei zu Elyedriel, der Obersten Heilerin des Ordens, die kurz bestätigend nickte.
„Der Zirkel wünscht, dass die Dalanari den Kreuzzug nach Argus begleiten. Genauso wünscht der Zirkel, dass die Dalanari sich um die Geschehnisse im Dämmerwald kümmern, aber auch hier die Stellung halten.“
Avalora ließ ihren Blick über die Dalanari schweifen und sah jeden einzelnen ernst an.
„Der Kreuzzug nach Argus wird einer der schwersten und gefährlichsten Einsätze werden, den die Dalanari jemals zu bestreiten hatten. Es besteht die Möglichkeit, dass wir von dort nicht wiederkehren werden. Es besteht die Möglichkeit, dass wir dort oben im Kampf gegen die Legion fallen werden, fernab unserer Heimat. Und doch trage ich in mir die Hoffnung auf einen Sieg im Kampf gegen die Legion und die Hoffnung auf eine Rückkehr in unsere Heimat. Ich werde niemandem den Befehl erteilen, mich dorthin zu begleiten“, sagte sie und zeigte kurz in Richtung Argus, der hier in Feralas näher zu sein schien als sonst irgendwo auf Azeroth. „Ich verstehe, wenn ihr Angst habt oder unsicher seid. Mir geht es nicht anders. Doch ich werde niemandem von euch weniger Respekt oder Vertrauen entgegenbringen, solltet ihr euch dazu entscheiden, hier zu bleiben.“
Erneut ging ihr Blick über die Reihen der Dalanari. Jeden einzelnen sah sie einen Moment an.
„Es ist keine einfache Entscheidung, und doch ist es euch überlassen. Es ist weder meine Entscheidung noch die des Zirkels. Ihr seid diejenigen, die dort oben gegen den Feind allen Lebens kämpfen werden. Ihr seid diejenigen, die sich der Gefahr dort oben aussetzen werden. Deshalb ist es auch eure alleinige Entscheidung, ob ihr das tun wollt oder ob ihr zu denen gehören wollt, die hier auf Azeroth die Natur und das Leben schützen werden.“
Einen Moment lang herrschte Schweigen, und die Dalanari sahen sich gegenseitig an. Sie dachten über die Worte von Avalora nach, das war ihnen anzusehen.
Schließlich trat erst ein Infanterist vor, dann noch einer und noch einer, bis sämtliche Infanteristen vorgetreten waren. Doch dabei blieb es nicht. Auch die anderen Reihen traten jeweils vor.
"Wir folgen Euch, Oberleutnant“, kam es einstimmig von ihnen.
„Wenn wir sterben sollten, dann ist es Elunes Wille, aber hoffentlich nehmen wir vorher noch einige Dämonen mit uns in den Tod“, fügte ein Kaldorei hinzu, und Rufe der Zustimmung wurden laut.
Avalora sah mit einem gerührten Blick über die Reihen. Dabei bemerkte sie, wie sowohl Elyedriel als auch Arilean lächelten. In diesem Moment war Avaloras Herz erfüllt von Stolz bezüglich ihrer Dalanari.
Sie brauchte einen Moment, doch dann erhob sie erneut die Stimme.
„Ich danke euch für euer Vertrauen. Ich werde unter euch diejenigen auswählen, die mich nach Argus begleiten werden. Ebenso werde ich eine Auswahl treffen bezüglich der Geschehnisse im Dämmerwald. Das Kommando dort wird während meiner Abwesenheit die Oberste Heilerin haben.“
Sie nickte Elyedriel kurz zu. Dann ging ihr Blick zu ihrem taurischen Stellvertreter. Auch ihm nickte sie zu. Dann sah sie wieder über die Reihen.
„Für diejenigen hier in Feralas und somit Kalimdor ändert sich an meiner Stellvertretung nichts.“
Ein verstehendes Nicken kam von den Dalanari, und Avalora lächelte zufrieden.
„Wir werden zudem Ressourcen für den Kreuzzug beisteuern. Tragt zusammen, was Ihr an Wasservorräten, Lebensmitteln, Arzneimitteln, Verbänden und Kräutern finden könnt. Meldet die Mengen an die Oberste Heilerin. Sie trägt die Verantwortung dafür und wird dafür Sorge tragen, dass die Güter nach Sturmwind gelangen.“
Elyedriel wirkte im ersten Moment überrascht, doch dann nickte sie bestätigend. Avalora warf ihr einen entschuldigenden Blick zu.
„Ich bitte zudem Hoheschwester Mondnebel darum, die Waffen der Dalanari zu weihen und ihnen den Segen Elunes zu erteilen.“
Ein vielsagender Blick ging in Arileans Richtung, und diese nickte.
„Gut. Damit ist das Wichtigste gesagt. Ich werde bekanntgeben, wer von euch wo eingeteilt ist. Wegtreten.“
Wieder leisteten die Dalanari dem Befehl direkt Folge und bezogen nun ihre Posten.

Avalora hingegen atmete tief durch. Ihr Weg führte sie in ihr neues Quartier oder vielmehr das daran angrenzende Büro.
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Titel: Heimkehr
Thema Beschreibung: - Sturmwind -
Verfasst am: 6. Nov 2017, 18:35 Beitrag  Diese Nachricht und die Folgenden als ungelesen markieren Antworten mit Zitat

5. Tag des 11. Monats

Sie waren zurückgekehrt. Zurückgekehrt vom Kreuzzug. Zurückgekehrt von Argus. Das Ende war plötzlich gekommen. Avalora war auf der einen Seite erleichtert, auf der anderen Seite jedoch war die Gefahr noch nicht gebannt. Argus und die Legion, ja sogar die Leere befanden sich immer noch dort oben am Himmel. Sie hoffte inständig, dass die Armee des Lichts und deren Verbündeten Erfolg haben würden, um die Gefahr ein für allemal zu bannen.

Ihr Blick ging immer wieder hinauf zum Himmel. Es war Nacht. Der Mond – das Antlitz ihrer Göttin – und die Sterne – gefallene Krieger und Kriegerinnen Elunes – standen hoch am Himmelszelt. Endlich gab es wieder Tageszeiten. Endlich würde es wieder einen geregelten Ablauf geben.

Avaloras Blick ging weiter über die Stadt Sturmwind, über ihre Häuser, ihre Bäume. Einfach alles wurde mit dem Blick aufgesogen. Sie war hier, und doch war sie innerlich noch nicht angekommen.

Ihre Gedanken weilten noch auf Argus. Im Geiste erlebte sie alles noch einmal, hinterfragte eigenes Handeln, eigene Entscheidungen. Sie durchlebte ihre schlimmsten Momente nebst Emotionen. Alles holte sie jetzt noch einmal ein. Doch dieses Mal war sie vorbereitet, so dass kein emotionaler Zusammenbruch erfolgte.

Auch den körperlichen Zusammenbruch aufgrund ihrer Verletzungen hatte sie bereits hinter sich. Nach dem Ausflug ins „Schwein“ und dem Ausflug aufgrund der Wette war sie im Büro zusammengebrochen. Ihr Körper hatte ihr nicht mehr gehorchen wollen, und sie hatte das Bewusstsein verloren.

Als sie wieder erwacht war, hatte sie in ihrem Quartier auf ihrem Bett gelegen. Sie hatte sich aufrichten wollen, doch sie wurde wieder zurück gedrückt. Ihr Blick war zu der Person gewandet und Avalora hatte geschluckt. Neben ihrem Bett hatte die Oberste Heilerin, Elyedriel Herbstlaub, gestanden und sie mit einem strengen und vorwurfsvollen Blick angestarrt.

„Bist du eigentlich völlig verrückt geworden, Avalora Sternenstaub?!“, hatte sie Avalora angefaucht. „In deinem Zustand durch die Stadt zu laufen?! Willst du dich noch nachträglich umbringen?! Verdammt noch mal! Du bist nicht irgendwer! Du bist die Kommandantin der Dalanari! Du wirst gebraucht!“

Avalora hatte Elyedriel mit zuckenden Ohren zugehört, bis diese mit ihrer Schimpftirade fertig gewesen war. Erst dann hatte sie ihre langjährige Freundin und Oberste Heilerin angesehen.

„Du hast ja Recht, Elyedriel. Es war dumm und unverantwortlich von mir. Aber jetzt bin ich ja hier und liege in meinem Bett. Und ich weiß, dass du mich sogar fesseln würdest, wenn ich nicht freiwillig liegen bleibe, bis du mir sagst, dass ich aufstehen darf“, hatte Avalora ruhig erwidert.

Elyedriel hatte sie prüfend gemustert und dann genickt.
„Gut. Wenigstens hast du ein Einsehen. Und jetzt lass mich deine Verletzungen sehen.“

Avalora hatte nicht widersprochen, und so hatte Elyedriel sie behutsam untersucht und die Verbände schließlich erneuert.

„Ruh dich aus! Heileranweisung“, hatte Elyedriel schließlich gesagt. „Ich lasse dir von Teresa etwas zu essen und zu trinken bringen. Morgen erzählst du mir dann alles.“

Mit diesen Worten hatte Elyedriel sie allein gelassen. Nur kurz darauf war Teresa erschienen und hatte Avalora eine dreifache Portion Essen und drei Karaffen Wasser gebracht. Mit einem besorgten Blick war sie auch wieder verschwunden.


Avalora sah zu dem Tisch, auf dem immer noch ein Teil des Essens stand. Glücklicherweise konnte es nicht kalt werden.

Sie war eindeutig wieder zurück.
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Titel: Verfasst am: 8. Nov 2017, 09:58 Beitrag  Diese Nachricht und die Folgenden als ungelesen markieren Antworten mit Zitat

7. Tag des 11. Monats


Sie saß in ihrem Quartier und sah hinauf in den Nachthimmel. Ihre Wunden waren noch einmal kontrolliert und verbunden worden. Sie verheilten gut. Das Einzige, was sowohl der Obersten Heilerin als auch Avalora selbst Sorge bereitete, war die anhaltende Schwäche.

Avalora hatte eine Vermutung diesbezüglich. Ihre Psyche war nicht so wie sie sein sollte. Erst recht nicht nach diesem Abend.

Sie seufzte leise. Sie hatte am Kathedralenplatz gesessen und sich mit Angus unterhalten. Dann hatte sie die Schritte der Säbler gehört und sie schließlich aus den Augenwinkeln bemerkt.

Ihr Blick hatte nur einem einzigen Kaldorei gegolten, demjenigen, der ihr der Wichtigste war. Doch er hatte sie nicht gesehen, hatte nicht einmal gegrüßt.

Sie konnte es nachvollziehen. Die Nachricht musste ihn sehr schwer getroffen haben.

Sie seufzte erneut und wischte sich die Tränen fort.

Ich kann es ihm nicht verdenken, sollte er auf mich wütend sein. Ich bin vermutlich die Letzte, die er sehen und sprechen will. Ich lebe noch, während seine Tochter und Elanil gefallen sind.

Ihr Blick suchte den Mond, das Antlitz der Göttin.

Mutter Mond, warum hast du sie zu dir geholt und nicht mich?

Sie schüttelte den Kopf. So durfte sie nicht denken, und doch brannte diese Frage in ihr.

Ich hätte ihm das Versprechen nicht geben dürfen. Wie soll ich ihm unter die Augen treten?

Sie wischte sich erneut die hartnäckigen Tränen fort. Sie hatte Angst, ihn zu verlieren.

Habe ich das nicht schon längst? Sind wir nicht schon Fremde?

Sie schüttelte wieder den Kopf. Die Begegnungen in der Vergangenheit sagten etwas anderes.

Doch gilt das auch für die Gegenwart oder die Zukunft? Oder wird er auf mich zukommen, wenn er soweit ist?

Sie hatte Zweifel und zu viel Zeit zum Nachdenken, nachdem Elyedriel ihr verboten hatte, wieder Dienst zu tun.

Hätte ich es verhindern können, wenn ich dabei gewesen wäre? Hätte ich sie retten können, wenn ich mehr als nur Bogenschützin und Kriegerin gewesen wäre?

Ihr Blick ging vom Mond zu den Sternen und wieder zurück.

Mutter Mond, bitte lass meine Ängste nicht wahr werden. Schenke ihm Trost, Kraft und Stärke. Lass ihn erkennen, dass er nicht allein in seinem Schmerz, seiner Trauer und womöglich seiner Wut ist.

Sie bezweifelte, dass ihre Gebete nutzen würden. Sie bezweifelte, dass er sie aufsuchen würde. Sie war sich sicher, dass er ihr die Schuld gab.

Schuld, dass die beiden tot waren. Schuld, dass sie noch lebte. Sie, die einen anderen Weg gewählt hatte. Sie, die ihn enttäuscht hatte und der er als Soldatin nicht mehr vertraute. Anscheinend zu Recht.

Avalora seufzte leise. Egal, wie sehr sie auch versuchte, ihre Ängste, Zweifel und negativen Gedanken zu bekämpfen, sie kehrten immer wieder zurück.

Bisher hatte sie noch nicht mit Elyedriel darüber geredet. Vermutlich würde sie das auch nicht tun. Zumindest nicht im Moment oder in den nächsten Tagen.

Vielleicht ist es auch einfach noch zu früh.

Sie sah noch einmal hinauf zum Mond und zu den Sternen, ehe sie den Blick abwandte.

Es braucht Zeit. Zeit zum Trauern. Zeit zum Heilen.

Mit diesem Gedanken sank sie auf ihr Bett. Erst jetzt merkte sie, wie erschöpft sie noch war. Kurz darauf war sie eingeschlafen.
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Titel: Verfasst am: 9. Nov 2017, 10:10 Beitrag  Diese Nachricht und die Folgenden als ungelesen markieren Antworten mit Zitat

8. Tag des 11. Monats

Es wollte sich keine Besserung ihres Gesundheitszustandes einstellen, obwohl sie gehorsam alles aß und trank, was ihr im Büro der Dalanari vor die Nase gestellt wurde. Die Wunden selbst heilten zwar, wenn auch langsam, doch die körperliche Schwäche blieb, und das hartnäckig. Bewegungen bereiteten ihr nur hin und wieder noch Probleme, aber es wurde besser.

Avalora seufzte genervt, als sie nach ihrem kurzen – genehmigten – Aufenthalt an der frischen Luft eine Pause beim Gehen einlegen musste. Das für sie Schlimmste jedoch war, dass ihre Untergebenen sie in diesem Zustand sahen und dass sie deren Hilfe beim Treppensteigen benötigte.

Sie hasste diesen Zustand und wünschte, er würde schnell vorübergehen. Doch alle sagten ihr, dass sie Geduld haben müsste. Schließlich war sie erst vor einigen Tagen zurückgekehrt, und die Verletzungen waren mehr als schwerwiegend gewesen. Doch für sie, die nur Arbeit kannte, war es unerträglich. Es gab so viel zu tun, aber sie durfte nicht einmal die Akten lesen. Sobald sie auch nur eine davon in der Hand hatte, wurde sie ihr von Elyedriel wieder mit einem strengen Blick weggenommen.

Noch gestern hatte sie sich vorgenommen, geduldig zu sein. Doch bereits am heutigen Tag war dieses Vorhaben wieder gescheitert. Es war schwerer als gedacht. Dabei wollte sie doch eigentlich nur irgendwie die wachen Stunden herumkriegen, um nicht nachdenken oder sich erinnern zu müssen.

Sie hatte die im Büro befindlichen Bücher mehrmals in der Hand gehabt und wieder zurück an ihren Platz gestellt. Sie kannte sie auswendig.

Ein leises Seufzen entfuhr ihr, als sie endlich in ihrem Quartier angekommen war. Vielleicht sollte sie doch einfach auf ihrem Bett liegen bleiben, gehorsam die Anweisungen von Elyedriel befolgen und einfach nichts anderes tun außer zu schlafen.

Sofort verzog sie ihr Gesicht bei dem Gedanken. Genau das wollte sie ja nicht tun. Sie wollte nicht nur untätig herumliegen oder herumsitzen. Sie wollte und musste sich beschäftigen, und wenn es nur ein mühsamer Gang vor die Tür des Büros war oder das Lesen eines Buches, welches sie noch nicht kannte. Alles war besser als nachzudenken oder sich zu erinnern.

Ihr Blick fiel auf ihr eigenes Bücherregal. Darin befanden sich nur vier Bücher und drei Schriftrollen. Drei der Bücher enthielten Geschichten ihrer Heimat. Das vierte hingegen, ein sehr dickes Buch, enthielt Aufzeichnungen und Zeichnungen über die bisher bekannten Kräuter. Die Schriftrollen hingegen waren neu hinzugekommen. Sie hatte sie von der Mondlichtung mitgebracht, wo ihr alter Lehrer sie ihr vor einigen Monaten ausgehändigt hatte.

Sie durfte zwar nicht arbeiten, aber von theoretischem Vorbereiten auf eine mögliche Prüfung hatte Elyedriel nichts gesagt. Wie auch? Sie wusste ja nichts von Avaloras Überlegungen, noch nicht.

Avalora ging langsam zu dem Regal und nahm sowohl das dicke Buch als auch die Schriftrollen heraus. Damit ging sie zu ihrem Bett. Erleichtert ließ sie sich darauf nieder. Sie hatte sich bereits ein neues Notizbuch bringen lassen.

Alles in ihr drängte danach, herauszufinden, ob sie mehr als eine militärische Streiterin des Zirkels war. Sie hätte es am liebsten sofort überprüfen lassen, aber auch hier musste sie noch warten.

Seufzend schlug sie das Buch auf und machte es sich auf ihrem Bett so bequem wie möglich.
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Titel: Verfasst am: 10. Nov 2017, 13:47 Beitrag  Diese Nachricht und die Folgenden als ungelesen markieren Antworten mit Zitat

9. Tag des 11. Monats

Avalora saß auf ihrem Bett in ihrem Quartier. Vor ihr lag die Nachricht, die vor wenigen Minuten per Eule eingetroffen war. Sie hatte sie einmal gelesen und ein weiteres Mal überflogen.

Doch ihr Blick galt nicht dieser Nachricht. Es war der prachtvoll geschmückte Dolch, den sie in ihrer Hand hielt. Mit dem rechten Zeigefinger fuhr sie über die darnassischen Symbole, die den Schaft zierten, und dann hinauf zu dem Schlangenkopf am Griff. Tränen flossen Avaloras Wangen hinab, und sie presste den Dolch an ihre Brust, so als wollte sie sich an ihm festhalten.

Der Dolch hatte ihrer Tante gehört. Avalora dachte an den heutigen Abend zurück.

Avaloras Großvater war auf dem Kathedralenplatz auf sie zugetreten und hatte ihr den Dolch überreicht.

Er wirkte wie ein gebrochener Mann und um Jahrhunderte gealtert. Ich wusste, dass ihn Shalrinas Tod schwer treffen würde, aber dass es so schwer sein würde...?

Er hatte versucht, sanft zu lächeln, als er ihr den Dolch reichte, doch Avalora hatte gesehen, wie schwer ihm das gefallen war. Sie konnte es ihm nicht verübeln. Es war erst wenige Tage her seit der Rückkehr von Argus.

Es war, als würde er durch mich hindurchsehen.

Er hatte gesagt, dass sie den Dolch nehmen sollte. Warum genau, hatte er nicht erklärt, und sie hatte auch nicht nachgefragt. Zu dem Zeitpunkt hatte sie noch gesessen, doch nach seinen Worten war sie mühsam aufgestanden. Sie hatte ablehnen wollen, doch sie brachte es nicht über sich. Es schien ihrem Großvater etwas zu bedeuten, dass sie den Dolch ihrer Tante bekam. Wäre dem nicht so, hätte er ihn ihr nicht gegeben.

Mit der einen Hand hatte sie den Dolch umfasst. Mit der anderen Hand wollte sie die ihres Großvaters umschließen, doch er zuckte zurück.

Vermutlich war es einfach zu früh. Oder es hatte andere Gründe. Gründe, die ich für plausibler halte.

Er hatte sich entschuldigt und gemeint, dass er ihr wohl gerade kein Trost wäre. Sie hatte ihm ansehen können, dass er es wirklich bedauerte.

Doch das Zurückweichen ihres Großvaters in dieser schlimmen Zeit hatte etwas in ihr zerbrechen lassen, hatte ihre Trauer noch weiter verstärkt. Trotzdem hatte sie es irgendwie verstanden und ihre Hand wieder zurückgenommen.

Sie hatte ihm gesagt, dass es andersherum sein sollte, schließlich war Shalrina seine Tochter gewesen, während sie, Avalora, nur seine Enkeltochter war. Sie hatte ihm Trost spenden wollen, für ihn da sein wollen, doch selbst das hatte er indirekt abgelehnt, denn er war nicht weiter darauf eingegangen.

Er hatte es dann jedoch auf eine schmerzvolle Weise begründet. Es war ihr Anblick, der ihn zum jetzigen Zeitpunkt von ihr forttrieb. Sie sah ihrer Tante wohl zu ähnlich. Bis zu diesem Abend war ihr das nicht bewusst gewesen. Sicher, die Familienähnlichkeit war da. Doch ihr Großvater meinte, dass wenn er Avalora ansah, es so wäre, als würde er Shalrina betrachten.

Es vergrößerte Avaloras eigenen Schmerz um ein Vielfaches und schürte zudem die quälenden Selbstvorwürfe, die ohnehin an ihr nagten.

Er wird immer an sie erinnert werden, wenn er mich ansieht.

Er entschuldigte sich gleich darauf zwar, aber der Schmerz blieb.

Habe ich ihn endgültig verloren?

Diese Frage beschäftigte sie seit diesem kurzen Wiedersehen. Der Gedanke daran, dass er ihr für den Rest des Lebens aus dem Weg gehen könnte, schürte die Angst in ihr. Sie brauchte ihn in ihrem Leben, auch wenn sie dienstlich getrennte Wege gingen. Sie war zudem der Meinung, dass er sie brauchte, gerade in dieser schweren Zeit.

Tut er das wirklich? Braucht er mich so, wie ich ihn brauche?

Die Zweifel wurden stärker und ließen sich nicht beiseiteschieben. Nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Vielleicht würde es irgendwann so sein.

Vielleicht auch niemals.

Sie ließ ihre Hände sinken und betrachtete den Dolch erneut. Er hatte gesagt, sie sollte ihn in Ehren halten. Nichts anderes hatte sie vor. Neben ihren Erinnerungen und ihrem Können war es das einzige, was ihr von ihrer Tante geblieben war.

Ihr Großvater war wieder auf Abstand gegangen, während sie ihm versprochen hatte, den Dolch in Ehren zu halten. Sie hatte ihm gesagt, dass er wusste, wo sie zu finden war, wenn er soweit war. Er war auch darauf nicht eingegangen, so dass sie nicht einmal wusste, ob er überhaupt hörte, was sie sagte.

Er meinte dann zwar noch, dass sie, Avalora, keine Schuld tragen würde, doch sie war anderer Meinung. Selbst ihren leisen Widerspruch hatte er nicht gehört, als er sie wieder allein gelassen hatte.

Sie hatte ihn zwischendurch während seines Gesprächs mit der fremden Kaldorei beobachtet. Dort wirkte er anders als noch im Gespräch mit ihr. Nicht viel, aber doch so, dass es ihr als seiner Enkeltochter auffiel.

Es liegt eindeutig an mir.

Wieder nagten die Schuldgefühle an ihr. Sie hatte ihre Tante zwar nicht getötet, aber sie hatte auch nichts getan, nichts tun können, um sie zu beschützen. Sie hatte sie auch nicht retten können.

Avalora fühlte sich schuldig, weil sie noch lebte, ihre Tante jedoch nicht. Sie fühlte sich schuldig, weil sie ein Versprechen gegeben hatte, das sie nicht hatte einhalten können. Ein Versprechen, das sie gar nicht erst hätte geben dürfen. Sie fühlte sich schuldig, weil sie ihrem Großvater keinen Trost spenden konnte. Sie fühlte sich schuldig, dass es diese Kluft zwischen ihm und ihr gab.

Ihr Unterbewusstsein fand jede Menge weitere Gründe für Schuldgefühle. Seien es versäumte Gespräche, seien es versäumte Pflichten. Auch weitere oder bestehende Zweifel wurden geschürt. Es war alles dabei. Die Schuldgefühle und Zweifel sorgten jedoch für weitere Tränen, die ihre Wangen hinab strömten.

Ihr tränenverschleierter Blick fiel wieder auf die Nachricht. Es ging um die Zeremonie, um den Gefallenen das letzte Geleit zu geben. Es war ein Datum dafür angesetzt worden.

Auch wenn ich Familienangehörige bin... Sollte ich da wirklich hingehen? Soll ich meinem Großvater meinen Anblick antun?

Sie schüttelte den Kopf. Nein, es war falsch so zu denken. Sie war es ihrer Tante schuldig, ihr das letzte Geleit zu geben. Doch dann fiel ihr ihr gesundheitlicher Zustand ein.

Vorausgesetzt, ich bin fit genug oder Elyedriel lässt mich gehen.

Sie seufzte leise und ließ sich mit dem Oberkörper auf das Bett fallen. Sie starrte an die Zimmerdecke.

Ich hoffe und bete, dass sich alles zum Guten ändern wird.

Es würde zwar nicht die Gefallenen zurückbringen, aber sie würden über sie wachen. Das war das einzige, dessen sie sich sicher war.
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Titel: Auf Reisen
Thema Beschreibung: 28. Tag des 11. Monats
Verfasst am: 29. Nov 2017, 11:14 Beitrag  Diese Nachricht und die Folgenden als ungelesen markieren Antworten mit Zitat

Mondlichtung – Tag 1

Avalora atmete tief die Luft der Mondlichtung ein und sah sich erst einmal um. Ihr letzter Besuch hier kam ihr mittlerweile wie eine Ewigkeit vor, obwohl es in Wirklichkeit nur einige Wochen her war. Gerne hätte sie ihn auch noch ein wenig hinausgezögert, doch ihr war bewusst, dass sie sich nicht ewig hätte entziehen können. Es war der Bericht, den sie abgeben musste, der ihr Unbehagen bereitete. Sie wusste jedoch, dass die Erzdruiden darauf warteten.

Sie atmete noch einmal tief durch und machte sich auf den Weg zu dem Gebäude, in dem sich die Erzdruiden aufhielten.

Dieses Mal musste sie nicht warten, sondern wurde direkt vorgelassen. Anscheinend hatte man sie schon erwartet.

Die Erzdruiden Iyleraes Rabengeist, Tanduk Wintermähne, Adahen Vierhaar und Cyaerian Nachttänzer sahen sie erwartungsvoll und prüfend zugleich an, während Avalora direkt salutierte. Letzterer musterte sie besonders prüfend.

„Cenarius Adore, Oberleutnant. Ihr habt einen Bericht für uns?“, fragte Cyaerian schließlich.

„Das habe ich“, antwortete Avalora und berichtete dann in allen Einzelheiten von dem Einsatz auf Argus. Sie ließ nichts von dem aus, was geschehen war. Dabei wurde ihre Haltung immer straffer, und ihr Blick war starr geradeaus gerichtet.

So bemerkte sie nicht, wie die Erzdruiden einige Blicke wechselten, während sie Avalora aufmerksam lauschten.

Schließlich beendete Avalora ihren Bericht und sah die Erzdruiden wieder an. Kurz war sie irritiert über den nachdenklichen und besorgten Blick ihres alten Lehrers.

Die Erzdruiden räusperten sich leise. Iyleraes Rabengeist war der erste, die seine Stimme erhob.
„Danke für Euren Bericht, Oberleutnant.“
Auch Tanduk Wintermähne und Adahen Vierhaar dankten für den Bericht. Lediglich Cyaerian Nachttänzer sah Avalora schweigend an, nickte aber kurz.

Er trat schließlich vor seine ehemalige Schülerin. Erneut musterte er sie prüfend mit diesem nachdenklichen und zugleich besorgten Blick.
„Oberleutnant, ich würde Euch gerne unter vier Augen sprechen“, sagte er in einem neutralen Tonfall.

Avalora schluckte. Sie hatte geahnt, dass sie ihrem alten Lehrer nichts vormachen konnte, und so nickte sie.
„Natürlich, Shan’do“, erwiderte sie.

Cyaerian nickte seinen Brüdern kurz zu und führte Avalora dann erst aus dem Raum und schließlich aus dem Gebäude.



Erst als sie ein gutes Stück gegangen waren, blieb er stehen und drehte sich zu Avalora um. Mit einem sanften, väterlichen Blick sah er sie an.
„Was beschäftigt dich, mein Kind?“, fragte er.

Avalora atmete tief durch. Genau diese Frage hatte sie befürchtet. Doch sie kannte ihren alten Lehrer gut genug, um zu wissen, dass er sich nur mit einer ehrlichen Antwort zufrieden geben würde.
„Vieles, Shan’do“, antwortete sie leise.

Sein Blick ruhte weiter auf ihr, und nun legte er auch seine Hände auf ihre Schultern.
„Ich bin hier und höre dir zu“, sagte er sanft. „Rede es dir von der Seele, Avalora.“

Sie zögerte einen Moment lang, doch dann erzählte sie ihm alles, was sie beschäftigte und belastete: Ihr Schmerz, ihre Trauer, ihre Schuldgefühle, ihre Zweifel, ihre Ängste, ihre Gedanken bezüglich Niederlegung des Kommandos, einfach alles. Wieder liefen die Tränen dabei.

Cyaerian hörte ihr aufmerksam zu und nickte, als sie geendet hatte. Sanft wischte er ihr die Tränen fort.
„So etwas vermutete ich bereits. Ich kenne dich, Avalora. Besser als du glaubst“, sagte er. „Komm, begleite mich.“

Avalora zögerte erneut, da sie nicht sicher war, was ihr alter Lehrer nun vorhatte. Doch dann ließ sie sich von ihm führen.

Eine Weile sagten weder sie noch ihr alter Lehrer etwas, während sie langsam über die Mondlichtung schritten.
„Horche tief in dich hinein, Avalora“, brach Cyaerian schließlich das Schweigen. „Tief in dir drin weißt du, dass du keine Schuld trägst. Du weißt ebenso, dass deine Zweifel unberechtigt sind.“
Er sah seine ehemalige Schülerin mit einem väterlichen Blick an.
„Du bist stärker als die Schuldgefühle. Stärker als die Zweifel. Stärker als deine Ängste. Lass dich nicht länger von ihnen beherrschen. Lass die Trauer und den Schmerz los und sieh nach vorne.“
Er lächelte sie sanft an.
„Ich weiß, dass es dir vielleicht momentan nicht hilft, aber du bist nicht alleine, Avalora. Du hast deine Freunde, du hast deine Untergebenen. Höre auf das, was sie dir sagen. Sie machen sich Sorgen um dich, und ich muss gestehen, ich mache mir ebenfalls Sorgen. Wir alle wollen, dass es dir besser geht.“

Avalora hörte ihm schweigend zu, während sie ihn unentwegt ansah. Sie nickte langsam.
„Ich weiß“, sagte sie leise. „Nur...“

Cyaerian lächelte leicht und unterbrach sie dann.
„Es fällt dir schwer, das weiß ich. Nimm dir die Zeit, die du brauchst, mein Kind. Aber dein Gesuch bezüglich Niederlegung der Kommandantur der Dalanari lehne ich hiermit ab. Ich spreche damit auch für die anderen Erzdruiden. Weißt du auch warum?“

Avalora schüttelte den Kopf.
„Nein, das weiß ich nicht, Shan’do“, sagte sie leise.

Wieder lächelte Cyaerian und nickte leicht.
„Du wärst nicht die jetzige Kommandantin der Dalanari, wenn wir nicht vollstes Vertrauen in dich und deine Fähigkeiten hätten.“
Er deutete auf das Gras vor sich.
„Setz dich“, sagte er und ließ sich selbst im Gras nieder.
Avalora setzte sich gehorsam neben ihn.
„Schließ die Augen, mein Kind“, fuhr Cyaerian fort.
Wieder gehorchte sie und schloss ihre Augen.
„Du wurdest für deine jetzige Aufgabe bestmöglich ausgebildet. Du besitzt das Vertrauen deiner Untergebenen, deiner Verbündeten und das Vertrauen des Zirkels. Ebenfalls besitzt du das Vertrauen der Natur und des Lebens, deren Streiterin und Verteidigerin du bist“, sagte Cyaerian mit einer ruhigen, sanften Stimme.
Avalora zuckte kurz mit den Ohren, hielt aber die Augen geschlossen, während sie seinen Worten lauschte.
„Daraus schöpfe die Kraft, um deine Zweifel zu zerstreuen. Und nun denke an die schönen Momente in deinem Leben. Sie sind es, die dir die Kraft geben. Sie sind es, die du in Erinnerung behalten sollst. Nutze sie, um dir selbst zu vergeben. Nutze sie, um nach vorne zu blicken. Es wird Zeit benötigen, aber du wirst es schaffen.“
Cyaerian nahm Avaloras Hände in seine und drückte sie leicht.
„Du bist stärker, als du glaubst, mein Kind. Vertraue auf dich. Vertraue auf diejenigen, die für dich da sind, um dir zu helfen. Vertraue auf das, was man dich gelehrt hat.“

Avalora spürte, wie seine Worte sie in ihrem Inneren berührten und den Funken nährten, den ihre Freunde bereits entfacht hatten. Noch war es nicht kräftig genug, um alles zu zerstreuen, doch es würde wachsen. Es brauchte nur Zeit.

Cyaerian lächelte. Anhand von Avaloras Gesichtsausdruck konnte er sehen, dass seine Worten in ihr wirkten. Sie wirkte wesentlich entspannter. Damit war der Grundstein für eine voranschreitende Genesung gelegt.
„Du darfst die Augen wieder öffnen“, sagte er sanft.

Avalora öffnete langsam die Augen und sah ihren ehemaligen Lehrer an.
„Shan’do? Da ist noch etwas“, meinte sie leise.

Cyaerian hob langsam eine Augenbraue und sah Avalora fragend an.
„Was wäre das?“

Avalora atmete tief durch.
„Ein Druide hat mich in seinem Hain geprüft“, begann sie schließlich. „Ich hatte das Gefühl, dass meine Gabe stärker geworden ist über all die Zeit. Mir war es möglich, auf Argus eine Verbindung zu den dortigen unverdorbenen Tieren herzustellen. Ebenso gelang es mir, zu eben jenem Druiden eine Verbindung aufzubauen, während er gewandelt war.“

Cyaerian sah Avalora nun doch überrascht an. Dann verwandelte sich seine Überraschung in Interesse.
„Hast du versucht, mit anderen Druiden in Tiergestalten eine Verbindung herzustellen?“, fragte er. „Und wie ist die Prüfung ausgefallen?“

Avalora lächelte nun leicht.
„Bisher habe ich es noch nicht bei anderen Druiden versucht. Was die Prüfung angeht: Sie verlief positiv. Ich spürte den Hain und jede Einzelheit darin. Ich spürte, wie die Bäume sich zu mir lehnten, und wie die Tiere mich ansahen. Ich hörte die verschiedenen Stimmen des Hains singen. Es ist noch ein sehr junger Hain, aber er reagierte auf mich und ist nun ein Teil von mir und ich ein Teil von ihm.“

Cyaerian nickte verstehend und mit einem wissenden Lächeln.
„Erinnerst du dich daran, wie ich dich damals geprüft habe, nachdem ich von deiner Gabe erfahren hatte?“, fragte er.

Avalora nickte.
„Ja, daran erinnere ich mich“, antwortete sie.

Er lächelte.
„Wäre die Prüfung damals bereits positiv verlaufen, wärst du heute vermutlich Druidin. Da ich dich kenne, weiß ich, worum du mich als nächstes bitten wirst. Du willst die Prüfung wiederholen.“

Wieder nickte Avalora.
„Ja, das möchte ich, Shan’do.“

Cyaerian lächelte und sah Avalora dann prüfend an.
„Ich werde die anderen Druiden verständigen“, sagte er schließlich. „Du hingegen suchst die Gästequartiere auf, meditierst und ruhst dich dann für den Rest der Zeit aus.“

Avalora zuckte mit den Ohren und nickte langsam.
„Ja, Shan’do“, sagte sie leise und mit ein wenig Enttäuschung in der Stimme. Sie hatte gehofft, jetzt gleich die Prüfung ablegen zu können.

Cyaerian sah sie mit einem sanften Blick an und erhob sich. Dabei zog er Avalora mit hoch.
„Komm, ich bringe dich zurück. Wir wollen doch, dass du für die Prüfungen ausgeruht bist.“

Mit diesen Worten führte er sie zurück und persönlich in eines der Gästequartiere, ehe er sich selbst zu den anderen Erzdruiden begab, um sich mit ihnen zu beraten.




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[ Charakterinfo ]
Titel: Prüfungen
Thema Beschreibung: 29. Tag des 11. Monats
Verfasst am: 2. Dez 2017, 01:52 Beitrag  Diese Nachricht und die Folgenden als ungelesen markieren Antworten mit Zitat

Mondlichtung – Tag 2

Am nächsten Tag wurde Avalora von einem jungen Druiden abgeholt und zu einer Stelle auf der Mondlichtung geführt. Der junge Druide tat dies schweigend. Keine Erklärung, was Avalora erwarten würde. Keine sonstige Konversation.

Das irritierte Avalora, und sie versuchte, das Schweigen zu brechen.
„Wohin bringt Ihr mich?“, fragte sie.
Der junge Druide antwortete jedoch nicht, sondern ging zielstrebig weiter.

Avalora seufzte innerlich. Doch dann fiel ihr ein, dass es bei ihrer ersten Prüfung vor so langer Zeit ähnlich gewesen war. Deshalb stellte sie keine weiteren Fragen, sondern folgte dem Druiden schweigend.

Schließlich erreichten sie Sturmgrimms Grabhügel. Der junge Druide führte Avalora zu den südlichen Ausläufern.
„Wartet hier“, brach er nun endlich sein Schweigen, und ließ sie, ohne ihre Antwort abzuwarten, allein.

Verwirrt sah Avalora ihm nach, als er den Weg zurückging, den sie gekommen waren. Sie wusste nicht einmal, auf was sie warten sollte oder auf wen. Doch sie würde der Anweisung folgen. Sie atmete deshalb tief durch und ließ den Blick über die unmittelbare Umgebung schweifen.



Es verging einige Zeit, während Avalora wartete. Nichts geschah, und es tauchte auch niemand auf. Das machte Avalora nervös, und sie fragte sich, ob man sie vergessen hatte oder ob sich jemand einen Scherz mit ihr erlaubt hatte.

Plötzlich hörte Avalora das Schlagen von Flügeln. Es klang aggressiv, so dass Avalora herumwirbelte. Eine Krähe befand sich im Sturzflug und hatte sie als Ziel. Sie fixierte den Vogel sofort mit ihrem Blick und versuchte gleichzeitig, mental eine Verbindung zu ihm herzustellen, um ihn zu beruhigen. Sie wusste zwar, dass es sich um einen gewandelten Druiden handelte, aber sie vertraute auf ihre Fähigkeiten. Es konnte sich schließlich nur um eine Prüfung handeln nach dem Gespräch am Vortag.

Sie hatte leichte Probleme, zu der Krähe durchzudringen, doch dann stellte sich das vertraute Gefühl ein. Sie hatte es geschafft, und so schickte sie schnell eine Welle der Beruhigung in ihre Richtung. Es funktionierte. Die Krähe wurde ruhiger und flog schließlich davon, so dass Avalora die Verbindung löste.

Sie atmete tief durch. So einfach wie bei Matthew war die Herstellung einer mentalen Verbindung nicht gewesen. Aber er hatte ja auch selbst gesagt, dass er dafür vielleicht empfänglicher war als andere.

Es verging wieder einige Zeit, in der nichts geschah und auch niemand auftauchte. Wieder stellte sich Nervosität ein. Vielleicht war es auch Ungeduld.

Ihre Instinkte schlugen plötzlich an, und Avalora wirbelte herum. Ein Säbler hatte sich doch tatsächlich an sie heranpirschen und von hinten anspringen wollen. Doch Avalora bemerkte ihn rechtzeitig. Wieder fixierte sie das Tier mit ihrem Blick und versuchte, eine mentale Verbindung herzustellen.

Dieses Mal klappte es auf Anhieb, und so schickte sie eine Welle der Beruhigung in die Richtung des Säblers. Dieser legte den Kopf schief und sah sie aus großen Augen an. Fast hätte Avalora meinen können, dass er grinste, ehe er sich umdrehte und verschwand.

Avalora schüttelte den Kopf. Sie hatte sich bestimmt geirrt. Sie wusste zwar, dass sowohl die Krähe als auch der Säbler gewandelte Druiden gewesen waren, aber gegrinst hatte der Säbler deshalb bestimmt nicht.

Wieder atmete sie tief durch und sah sich einen Moment lang um. Sie hoffte, dass jeden Moment einer der Erzdruiden, vielleicht sogar ihr ehemaliger Lehrer selbst, hier auftauchen würde. Doch sie hoffte vergebens. Niemand näherte sich, und eine ganze Weile geschah auch nichts.

Dann vernahm sie das Geräusch schwerer schlurfender Schritte hinter sich. Mit zuckenden Ohren drehte sie sich um und schluckte. Nur einige Meter von ihr entfernt stand ein Bär, der sie nun aggressiv anbrüllte und sich auf die Hinterbeine stellte. Sie schluckte leicht aufgrund des bedrohlichen Gefühls, dass dieser Bär ausstrahlte, auch wenn es wieder nur ein gewandelter Druide war.

Avalora blieb jedoch ruhig stehen und fixierte auch den Bären mit ihrem Blick, ohne ihm dabei direkt in die Augen zu schauen. Sie versuchte, mental eine Verbindung herzustellen, um den Bären zu beruhigen.

Dieses Mal hatte sie jedoch größere Probleme. Sie gab allerdings nicht auf und versuchte es weiter. Schließlich, nach dem dritten Versuch und gerade als der Bär auf sie losgehen wollte, schaffte sie es. Das vertraute Gefühl einer solchen Verbindung stellte sich ein, und Avalora sandte dem Bären eine größere Welle an beruhigenden Bildern.

Der Bär brüllte noch einmal, so als würde er sich dagegen wehren wollen, doch dann wurde daraus ein Brummen. Mit einem Schnauben drehte er sich um und trottete davon.

Avalora atmete erleichtert aus. Kurzzeitig hatte sie an ihrer Gabe gezweifelt, da der Bär sehr stark gewesen war. Es hatte sie etwas Kraft gekostet, sich auf die Verbindung zu konzentrieren. Mit einer Hand fuhr sie sich über die Stirn und strich sich eine Strähne aus dem Gesicht.

Ihr blieb nicht lange Zeit zum Verschnaufen. Nur wenige Augenblicke später tauchten gleich fünf Druiden in ihren jeweiligen Tiergestalten auf und umringten sie: Eine Krähe, ein Säbler, zwei Bären und ein Hirsch.

Avalora sah die Tiere nacheinander an. Mit dem Blick fixieren war bei dieser Anzahl und durch das Einkreisen unmöglich. Sie musste also schnell eine Lösung finden für dieses Problem, vor allem, weil die Tiere sich ihr langsam näherten.

Avalora schloss die Augen und konzentrierte sich auf die fünf Tiere. Gleichzeitig versuchte sie, mental eine Verbindung zu allen herzustellen.

Doch so einfach, wie sie sich das vorgestellt hatte, war es nicht. Ganz im Gegenteil. Es stellte sich als schwieriges Unterfangen heraus. Der erste Versuch scheiterte. Der zweite Versuch scheiterte. Der dritte scheiterte ebenfalls.

Avalora spürte, wie die Tiere immer näher kamen, und sie hörte das bedrohliche Brummen, Fauchen und Krächzen.

Avalora strengte sich noch mehr an, und Schweiß bildete sich auf ihrer Stirn. Sie streckte ihre Arme in die Richtung der Tiere und konzentrierte sich noch mehr. Doch wieder scheiterte dieser Versuch. Avalora gab nicht auf. Sie wollte es schaffen.

Sie sackte vor Anstrengung auf ein Knie und verstärkte ihre Bemühungen noch weiter. Tatsächlich spürte sie, wie sich erst eine Verbindung aufbaute, dann eine weitere und schließlich eine dritte. Mit letzter Kraft sandte sie eine Welle der Beruhigung aus, ehe sie zusammenbrach.

Die fünf Druiden nahmen wieder ihre normale Gestalt an und sahen auf die ohnmächtige Avalora herab, ehe vier von ihnen – die Erzdruiden – einen kurzen Blick miteinander wechselten.

Einer von ihnen kniete sich neben Avalora und hob sie behutsam hoch.
„Ich werde sie ins Gästequartier bringen“, sagte Cyaerian und machte sich nach einem kurzen Nicken seiner Brüder auf den Weg.



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[ Charakterinfo ]
Titel: Klassische Prüfung
Thema Beschreibung: 30. Tag des 11. Monats
Verfasst am: 6. Dez 2017, 09:52 Beitrag  Diese Nachricht und die Folgenden als ungelesen markieren Antworten mit Zitat

Mondlichtung – Tag 3

Avalora wurde am nächsten Tag nach einem langen Schlaf durch das Klopfen am Türrahmen aufgeschreckt. Sie drehte den Kopf in die Richtung und atmete erleichtert aus, als sie ihren ehemaligen Lehrer dort entdeckte.
Cyaerian sah sie lächelnd an.
„Bist du bereit für den nächsten Teil der Prüfung?“, erkundigte er sich.
Avalora nickte.
„Ja, das bin ich“, antwortete sie mit einem leichten Lächeln.
Cyaerian sah sie mit einem zufriedenen Blick an.
„Dann folge mir“, sagte er, drehte sich um und ging voran.
Avalora folgte ihm ohne zu zögern.


Cyaerian führte Avalora zu Sturmgrimms Grabhügel. Dort warteten bereits die anderen Erzdruiden sowie weitere ausgebildete Druiden.
Avalora schluckte, als sie die Gruppe sah. Sie wurde nun doch nervös, neigte aber respektvoll ihr Haupt vor den Anwesenden.

Cyaerian stellte sich zu seinen Brüdern und sah Avalora an.
„Die heutige Prüfung besteht aus zwei Teilen, Avalora. Der erste Teil beruht auf deiner Gabe, der andere Teil ist eine Fortführung dessen, was der Grund für deine Prüfungen ist“, erklärte er und deutete auf das Gras vor Avaloras Füßen. „Es ist besser, du setzt dich dafür hin.“

Avalora nickte kurz und ließ sich dann im Gras nieder. Ihr abwartender Blick ruhte auf den Erzdruiden und Druiden.

„Der erste Teil dürfte noch recht einfach für dich sein“, fuhr Cyaerian fort. „Stelle eine Verbindung zu einem der kleinsten Lebewesen hier auf der Mondlichtung auf. Es soll uns eine Botschaft überbringen. Die Art der Nachricht bleibt dir überlassen. Wenn du bereit ist, fang an.“

Avalora nickte verstehend und schloss dann die Augen. Mehrmals atmete sie tief durch. Es würde nicht einfach werden, da sie keines dieser Lebewesen gesehen hatte.

Sie setzte sich bequemer hin und befreite sich von störenden Gedanken. Erst, als sie das geschafft hatte, tastete sie mental nach diesen kleinsten Lebewesen und versuchte sie, zu erspüren.

In ihrer unmittelbaren Umgebung fand sie keines. Doch dann spürte sie einen kleinen Käfer in der etwas weiteren Entfernung. Vorsichtig stellte sie eine Verbindung her, was erstaunlich einfach war bei so einem kleinen Lebewesen. Sie teilte ihm mit, was sie von ihm wollte und warum. Erst zögerte der Käfer, doch dann stimmte er zu.

Avalora behielt die Verbindung zu dem Käfer bei, während dieser sich in die Lüfte erhob und zu ihr flog. Dabei sah sie durch seine Augen, was eine völlig neue Erfahrung für sie war, hatte sie doch bisher so etwas noch nicht gemacht, nicht einmal bei ihren Eulen.

Behutsam dirigierte sie den Käfer zu sich und den Erzdruiden, indem sie ihm Richtungsanweisungen gab.

Durch die Augen des Käfers konnte sie schließlich sich selbst und die Erzdruiden sehen. Sie wiederholte, was sie von dem Käfer wollte und dirigierte ihn dann zu den Erzdruiden. Sie sah, wie der Käfer auf der Hand von Erzdruide Iyleraes Rabengeist landete und zog sich langsam aus dem Geist des Käfers zurück, während dieser den Erzdruiden ihre Botschaft übermittelte.

Die Erzdruiden sahen von dem Käfer zu Avalora und räusperten sich, so dass Avalora die Augen langsam öffnete.
„Leben“, verkündete Iyleraes Rabengeist und sah Avalora fragend an.
„Ja, Shan’do. So lautete meine Botschaft“, antwortete sie mit einem leichten Nicken.
Iyleraes Rabengeist nickte zufrieden und sah seine Brüder an. Sie alle nickten zufrieden, und Cyaerian sah Avalora mit einem leichten Stolz in den Augen an.

Avalora bemerkte die Blicke und war innerlich erleichtert, dass sie diesen Teil der Prüfung geschafft hatte.

Cyaerian trat einen Schritt vor und sah Avalora an.
„Der nächste Teil der Prüfung wird sein, dass du eine Verbindung zur gesamten Mondlichtung aufbauen sollst. Sprich: Du sollst sie erfühlen. Dich mit der Mondlichtung einstimmen, mit den Energien hier. Es ist wie das, was du in dem kleinen Hain getan hast, nur um einiges größer.“
Avalora nickte verstehend.
„Gut. Wenn du soweit bist, dann fang an“, sagte Cyaerian und trat wieder zu seinen Brüdern zurück.

Avalora schloss erneut die Augen, atmete kurz durch und befreite ihren Kopf von störenden Gedanken. Wieder nimmt sie eine bequemere Sitzhaltung ein. Ihre Hände liegen dabei locker auf ihren Knien.
Sie horchte auf die Geräusche der Mondlichtung und öffnete sich für die Energien.

Erst spürte sie gar nichts, doch dann spürte sie es: Das Leben um sich herum. Im Boden, in den Bäumen, in jeder Blüte, in jedem Grashalm. Sie spürte auch jedes Tier in ihrer Nähe, vorwiegend Eichhörnchen und Vögel. Dann erweiterte sie den Kreis. Wieder spürte sie alles Leben. Dadurch ermutigt, tastete sie sich weiter voran, bis sie schließlich die Grenzen der Mondlichtung erreicht hatte. Es war anstrengend, war das Gebiet doch sehr viel größer.

Die Erzdruiden und Druiden beobachteten sie dabei und verfolgten jeden ihrer Fortschritte.

Avalora lauschte den Gedanken der Tiere und spürte ihren Willen. Sie öffnete sich nun vollständig den Energien der Mondlichtung. Sie horchte hinein in die Welt und hörte sogar das Flüstern des smaragdgrünen Traums sowie das Raunen der Natur.

Dann vernahm sie es. Die Mondlichtung begann zu flüstern und in vielen Stimmen zu singen. Es waren viele verschiedene Stimmen, und es klang im ersten Moment chaotisch, so dass Avalora nichts verstehen konnte. Sie konzentrierte sich, was sehr anstrengend war. Doch sie hatte schließlich Erfolg. Die Stimmen wurden klarer und schließlich zu einer einzigen Stimme. Avalora lauschte dem Gesang und spürte die Mondlichtung in allen Einzelheiten: Die Bäume der Mondlichtung, das helle Strahlen des Mondbrunnens in Nachthafen, die Grashalme, die Blüten, das Leben im Boden und die vielen Tiere.

Avalora sandte ein respektvolles Signal an die Mondlichtung, und diese merkte auf. Die nahestehenden Bäume lehnten sich näher zu ihr hin und auch die Tiere in der Nähe streckten neugierig die zuckenden Nasen in die Luft. Überall auf der Mondlichtung sahen Augen in die Richtung von Sturmgrimms Grabhügel. Das Gras rings um Avalora wirkte noch grüner. Es war ein sehr intensives, saftiges Grün. Zudem kamen mehrere Eichhörnchen und ein Rehkitz neugierig näher und umringten Avalora. Sie ließen sich im Gras nieder, die Augen auf die Kaldorei gerichtet.

Mehrere Vögel ließen sich in den Bäumen in der Nähe nieder und sangen ihre schönsten Melodien. Nach und nach fielen auch die anderen Vögel auf der Mondlichtung mit ein.

Die Erzdruiden und Druiden tauschten erstaunte Blicke aus und sahen dann anerkennend zu Avalora, die davon nichts mitbekam, da sie die Augen noch immer geschlossen hatte.

Avalora zuckte mit den Ohren, und ein Lächeln umspielte ihre Mundwinkel. Doch je länger sie diese Verbindung aufrechterhielt, desto anstrengender und kräftezehrender wurde es für sie als Ungeübte. Schweiß hatte sich auf ihrer Stirn gebildet, und sie musste sich abstützen.

„Öffne die Augen und sieh dich um, Avalora“, drang Cyaerians Stimme an ihre Ohren.

Avalora gehorchte und sah sich um. Sie entdeckte die Eichhörnchen und das Rehkitz in ihrer unmittelbaren Nähe und neigte leicht ihr Haupt vor ihnen, während sie erschöpft lächelte. Sie entdeckte auch die Vögel in den Bäumen und die Bäume selbst, die sich zu ihr gelehnt hatten. Auch vor ihnen neigte sie leicht ihr Haupt.

Cyaerian trat zu ihr hin und reichte ihr einen Wasserschlauch mit einem fürsorglichen Blick. Dankbar nahm Avalora ihn entgegen und trank fast schon gierig. Cyaerian sah sie mit einem leicht besorgten Blick an.
Sie lächelte ihn erschöpft an.

Cyaerian dreht sich zu seinen Brüdern um.
„Ich werde Avalora zurück ins Gästequartier bringen“, sagte er zu ihnen und erntete ein zustimmendes Nicken dafür.

Er drehte sich wieder zu Avalora um und reichte ihr die Hand, um ihr beim Aufstehen behilflich zu sein. Nur zu gerne nahm sie diese Hilfe auch entgegen. Sie fühlte sich sehr erschöpft und wankte leicht.
Cyaerian bemerkte das und stützte sie fürsorglich. Dann führte er sie zurück in ihr Gästequartier.



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Beiträge: 219

[ Charakterinfo ]
Titel: Klassische Prüfung
Thema Beschreibung: 1. Tag des 12. Monats
Verfasst am: 14. Dez 2017, 20:32 Beitrag  Diese Nachricht und die Folgenden als ungelesen markieren Antworten mit Zitat

Mondlichtung – Tag 4

Am nächsten Tag wurde Avalora erneut von Cyaerian abgeholt und zu Sturmgrimms Grabhügel geführt. Dort warteten bereits die anderen Erzdruiden, und Avalora neigte respektvoll ihr Haupt vor ihnen. Cyaerian stellte sich zu seinen Brüdern.

„Die heutige Prüfung wird Euch erneut fordern“, sagte Iyleraes Rabengeist.
„Eure Aufgabe wird sein, erneut eine Verbindung herzustellen und so den Aufenthaltsort von Sa’dir Waldlicht herauszufinden“, erklärte Tanduk Wintermähne.

Avalora sah von einem Erzdruiden zum anderen und nickte dann verstehend.

„Habt Ihr noch Fragen?“, fragte Adahen Vierhaar und sah Avalora prüfend an.
„Nein, Shan’do. Keine Fragen“, antwortete Avalora.
Die Erzdruiden nickten.

„Setz dich hin, Avalora“, sagte Cyaerian und deutete auf das Gras vor ihr.

Avalora setzte sich hin und nahm umgehend eine bequeme Sitzhaltung ein. Sie kannte das ja schon. Außerdem atmete sie mehrmals tief durch, um ihren Kopf von störenden Gedanken zu befreien.

Die Erzdruiden musterten sie mit prüfenden Blicken,
„Wenn Ihr soweit seid, fangt an“, sagte Iyleraes Rabengeist.

Avalora stellte Schritt für Schritt eine Verbindung zur Natur der Mondlichtung her. Dabei legte sie ihre Hände in das weiche Gras.
„Bitte sagt mir, wo ich Sa’dir Waldlicht finden kann“, bat sie stumm.
Sie kannte den Druiden glücklicherweise und wusste, wie er aussah. Rein vorsichtshalber beschrieb sie ihn gegenüber der Natur.

Lange Zeit geschah nichts, so als ob die Lebewesen der Mondlichtung nicht wüssten, was Avalora von ihnen wollte. Doch dann sah sie sich vor ihrem inneren Auge, und es war, als würde ihr Geist aus ihr herausgezogen werden.
Avalora keuchte kurz auf. Der Sog war so stark, dass sie sich auf dem Boden abstützen musste.

Die Erzdruiden verengten die Augen und beobachteten das Ganze skeptisch und im Fall von Cyaerian auch mit Besorgnis.
Avaloras Atmung und Haltung entspannten sich jedoch schließlich wieder.

Die Bilder vor ihrem inneren Auge flogen dahin, so wie ihr Geist über die Weiten der Mondlichtung flog. Fort von Sturmgrimms Grabhügel, über den See von Elune’ara, ja sogar über Nachthafen hinaus. In der Nähe des Schreins von Remulos wurde der Flug dann schließlich langsamer. Es war, als würde die Natur nicht sicher sein, wo sich der gesuchte Druide nun wirklich aufhielt.

Avalora ermutigte die Natur durch stumme Worte und streckte die geistigen Fühler nach den Lebewesen in der Umgebung aus. Auch zu ihnen stellte sie eine Verbindung her und fragte nach dem Druiden.

Lediglich eine Eule hatte ihn gesehen und sandte Avalora die Bilder des letzten Aufenthaltsortes. Die Kaldorei hingegen schickte der Eule ihren Dank und löste die Verbindung wieder. Sie folgte der Spur, doch sie fand den gesuchten Druiden nicht.

Sie fragte die Bäume und Pflanzen in der Nähe, doch sie waren keine große Hilfe, denn sie gaben gegensätzliche Hinweise.

Die Suche war anstrengend, so dass sich Avalora wieder abstützen musste, was von allen Erzdruiden dieses Mal mit Sorge beobachtet wurde.

Doch Avalora gab nicht auf. Sie würde Sa’dir Waldlicht finden. Sie spürte, dass sie fast am Ziel war, und so suchte sie erneut nach Tieren in der unmittelbaren Umgebung, die sie gerade durchsuchte. Käfer und Motten fand sie, und sie stellte eine Verbindung zu ihnen her. Sie schickte ihnen ein Bild des Druiden und fragte sie, ob sie ihn gesehen hätten.

Tatsächlich konnte eine der Motten weiterhelfen und flog zu der Stelle, an der sich der Druide aufhielt. Avalora dankte ihr lächelnd, ehe sie die Verbindung zu der Motte löste. Sie prägte sich die Stelle genau ein, ehe sie geistig den Rückweg antrat und dabei nach und nach die Verbindung zur Natur löste.

Schwer atmend öffnete sie nach einer Weile die Augen und sah die Erzdruiden erschöpft an.
„Sa’dir Waldlicht befindet sich in der Nähe des Schreins von Remulos, etwa 500 Schritt in nordwestlicher Richtung, auf einem kleinen Felsvorsprünge“, berichtete sie.

Die Erzdruiden sahen sie verblüfft an. Sie hatten nicht damit gerechnet, dass es Avalora gelingen würde, den Aufenthaltsort herauszufinden. Sie hatten bewusst eine schwer auszumachende Stelle ausgewählt. Nur ein erfahrender Druide hätte diese Stelle finden können. Allerdings hatten sie nicht mit dem Einfallsreichtum von Avalora gerechnet.

Cyaerian war der Erste, der respektvoll seinen Kopf vor Avalora neigte. Gleichzeitig schwang auch Stolz in seinem Blick mit.
„Beeindruckend, Avalora. Wirklich beeindruckend“, sagte er mit einem Lächeln. „In der Tat befindet sich Sa’dir Waldlicht dort.“

Erschöpft erwiderte Avalora das Lächeln, während sie sich immer noch auf dem Boden abstützte. Ihr Atem ging immer noch schwer, und Schweiß hatte sich auf ihrer Stirn gebildet.

Cyaerian sah seine Brüder an.
„Ich denke, das ist genug für heute.“
Die anderen Erzdruiden nickten.
„Das ist es in der Tat. Sie soll sich ausruhen“, stimmte Iyleraes Rabengeist zu. „Bringt sie zurück und stoßt dann zu uns zur Beratung.“
Cyaerian nickte kurz, ehe er zu Avalora ging, um ihr aufzuhelfen.

Nur zu gerne nahm Avalora die Hilfe an, und sie stützte sich direkt auf ihren ehemaligen Lehrer. Dieser setzte sich langsam in Bewegung aus Rücksicht auf sie.

Die anderen Erzdruiden nickten den beiden zu, als sie an ihnen vorbei gingen, und waren dann auch bald aus dem Blickfeld verschwunden.

Cyaerian hingegen brachte Avalora zurück in ihr Gästequartier und sorgte noch dafür, dass sie etwas zu essen und zu trinken bekam. Er wusste, dass sie beides brauchen konnte nach der Anstrengung.

Mit einem väterlichen Blick nebst Lächeln ließ er sie schließlich allein.

Avalora aß noch etwas und trank zwei volle Becher Wasser, ehe sie erschöpft auf das Bett sank und sofort einschlief.
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Titel: Verfasst am: 8. Feb 2018, 23:01 Beitrag  Diese Nachricht und die Folgenden als ungelesen markieren Antworten mit Zitat

Avalora stand in ihrem Quartier und packte einige Sachen für ihre mehrtägige Reise zusammen. Sie würde wieder zur Mondlichtung reisen. Nur den Zeitpunkt ihrer Rückkehr wusste sie noch nicht. Das hing davon ab, wie gut sie die bevorstehende Lektion meistern würde. Das hatte ihr Shan’do ihr schon beim letzten Mal gesagt.

Noch nie hatte sie die Reise so sehr herbeigesehnt wie jetzt. Auf der einen Seite wollte sie sich auf ihre Ausbildung konzentrieren und auf der anderen Seite damit auch gleichzeitig abschalten und auf andere Gedanken kommen.

Die letzten Tage waren einfach zu anstrengend und nervenaufreibend gewesen. Dienstlich wie privat. Elyedriels Versuche, sie zum Reden zu bringen, hatte sie abgeblockt, und die Druidin hatte es akzeptiert. Elyedriel wusste, dass Avalora mit ihrem Shan’do reden würde.

Avalora seufzte leise, vor allem, als sie bemerkte, dass sie zu viel eingepackt hatte, weil sie in Gedanken gewesen war. Kopfschüttelnd nahm sie einige Dinge wieder aus ihrer Tasche heraus und packte sie zurück an ihre Plätze.

Sie verschloss die Tasche und sah sich noch einmal in ihrem Quartier um. Nein, vergessen hatte sie nichts, und das Quartier würde bei ihrer Wiederkehr in einem noch einwandfreieren Zustand sein als jetzt.

Lautlos ging sie die Treppen hinunter und verließ das Außenpostenbüro. Es war mitten in der Nacht, und niemand bemerkte ihren Aufbruch, der vielleicht ein wenig übereilt kam.

Sie nutzte die Schatten der Laternen aus und verließ schließlich die Stadt. Erst draußen im Wald atmete sie tief durch. Thalanil wartete schon auf sie und stupste sie an. Doch auch vor ihm verschloss sie sich in diesem Moment. Es war ohnehin schwer, ihn jede Woche zurücklassen zu müssen, da musste sie es nicht noch verschlimmern, indem er sich Sorgen um sie machte. Sie bestach ihn mit einem Stück Trockenfleisch, damit er abgelenkt war, und schwang sich dann in den Sattel.

Thalanil drehte verwundert den Kopf zu Avalora, während er die Reste des Trockenfleisches herunterschlang. Er spürte, dass etwas nicht stimmte, doch er ließ ihr ihren Willen. Gemächlich trottete er auf ihr Zeichen hin los in Richtung Dämmerwald.

Avalora ließ ihm das gemächliche Tempo. Auch wenn sie früher abreiste als geplant, so wollte sie doch die Zeit mit ihrem tierischen Gefährten genießen. Sie wusste, dass auch Thalanil das brauchte.

Sicher trug der Säbler seine Reiterin durch den Wald von Elwynn, über den Pass im Rotkammgebirge und dann durch den Dämmerwald bis in den Zwielichthain. Hier würde er auf ihre Rückkehr warten. Dieses Mal würde er kein Theater machen wie die Male zuvor.

Avalora schwang sich aus dem Sattel und schloss die Arme um den massiven Kopf des Säblers, ehe sie ihm einen Kuss auf die Stirn gab.
„Ich komme wieder, Thalanil“, gab sie ihm durch ihre Verbindung zu verstehen. „Pass auf Elyedriel und die anderen auf.“
Thalanil übermittelte ihr, dass er verstanden hatte. Nur widerwillig ließ er sie gehen, aber sie würde wiederkommen. Sie hatte es ihm versprochen, und er vertraute ihr.

Avalora kraulte Thalanil noch kurz hinter den Ohren, ehe sie ihre Reise durch den Traum antrat, um zur Mondlichtung zu gelangen.

Doch dieses Mal verlief die Reise nicht ganz so gut wie zuvor. Mehrmals verlief sie sich und musste den Weg zurückgehen, um die richtige Richtung zu suchen. Sie wusste, dass der Traum gefährlich werden konnte, wenn man nicht aufpasste. Doch sie war abgelenkt. Das rächte sich jetzt.

Avalora blieb stehen und atmete mehrmals tief durch. Dann ging sie den Weg zurück bis zum Eintrittsportal und startete ihren Weg noch einmal von vorne. Dieses Mal nahm sie jedoch die richtigen Abzweigungen und gelangte schließlich zur Mondlichtung.

Erschöpft sackte sie vor dem Portal auf die Knie und atmete mehrmals durch. Nur einen Moment ausruhen, ehe sie sich auf den Weg nach Nachthafen und zu ihrem Gästequartier machen würde.

Was sie nicht wusste: Ihr Shan’do hatte gespürt, dass sie dieses Mal Schwierigkeiten gehabt hatte und hatte deshalb besorgt und ungeduldig in der Nähe des Portals gewartet. Er war drauf und dran gewesen, sie zu suchen, wenn sie es nicht geschafft hätte.

Er war mehr als erleichtert gewesen, als er sie dann gesehen hatte, und ging nun zu ihr hin.
„Avalora“, sagte er nur sanft und hielt ihr seine Hand hin.
Sie sah auf und legte ihre Hand in seine, so dass er sie hochziehen konnte.
„Du hast mir Sorgen bereitet, mein Kind“, meinte er und legte einen Arm um sie, um sie zu stützen. „Ich war kurz davor, in den Traum zu gehen und dich zu suchen.“
„Verzeiht, Shan’do“, sagte Avalora leise. „Ich war nicht ganz so konzentriert, wie Ihr es mich gelehrt habt.“
Cyaerian nickte leicht.
„Komm, ich bringe dich in dein Quartier. Du musst dich ausruhen.“
Avalora widersprach nicht und ließ sich führen. Sie war insgeheim sogar dankbar darüber.

Wie erschöpft sie wirklich war, merkte sie erst, als sie in Nachthafen und in ihrem Quartier ankamen. Trotzdem bestand sie darauf, die letzten Schritte alleine zu gehen. Cyaerian ließ ihr ihren Willen, blieb aber vorsichtshalber da, falls sie Hilfe benötigte.
Besorgt beobachtete er, wie Avalora die letzten Schritte zum Bett nur mit Mühe und Not bewältigte. Ihr lag etwas auf dem Herzen, was ihr inneres Gleichgewicht durcheinander gebracht hatte, das spürte er. Nur so konnte er sich erklären, warum sie bei der Durchquerung des Traums solche Schwierigkeiten gehabt hatte. Er würde jedoch warten, bis sie von sich aus mit ihm reden würde. Für den Moment benötigte sie Ruhe.

Avalora ließ sich auf das Bett fallen. Sie schaffte es nicht einmal, sich der störenden Kleidungsstücke zu entledigen. Sie war zu müde und erschöpft. So bettete sie einfach ihren Kopf auf das Kissen und schloss die Augen. Die Anwesenheit ihres Shan’dos hatte sie da bereits schon vergessen. Nur kurz darauf schlief sie tief und fest.

Cyaerian blieb noch einen Moment in der Tür stehen und betrachtete Avalora mit einem väterlichen Blick. Dann wandte er sich ab und ließ sie allein.
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Avalora Sternenstaub
Die Nachtwache




Kommandantin
<Orden der Dalanari>

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Titel: Vorbereitungen Verfasst am: Gestern, um 14:25 Beitrag  Diese Nachricht und die Folgenden als ungelesen markieren Antworten mit Zitat

Avalora sah sich aufmerksam und staunend im Hain um. Die Dekorationen für das Mondfest waren alle angebracht, selbst die Windspiele, wenn auch dieses Mal weniger als sonst. Dafür überwiegten die Blumengirlanden und die Girlanden, die die Mondlaternen hielten. Dieses Jahr würde der Hain heller erstrahlen als das Jahr zuvor.

Auf dem Weg in den Hain hatte sie erstaunt bemerkt, dass auch Laternen auf dem serpentinenartigen Weg angebracht worden waren. Sie hatte Elyedriel darauf angesprochen, doch diese hatte nur vielsagend gelächelt.

Avalora war froh, dass sich Elyedriel um alles gekümmert hatte während ihrer Abwesenheit. Es war eine gute Entscheidung gewesen, sie zu ihrer Stellvertreterin zu ernennen.

Ihr Blick ging zu den helfenden Händen der Dalanari, die gerade dabei waren, die Getränkelieferungen entgegenzunehmen und zum Lagerort zu bringen. Elyedriel überwachte das Ganze aus der Nähe und dirigierte die Dalanari.

In der Nähe des Mondbrunnens waren bereits die Tische aufgestellt worden, auf denen die Speisen und die Getränke platziert werden würden.

Avalora atmete tief durch. Sie war zufrieden und erleichtert, dass alles soweit vorbereitet war. Es war ein Stück Heimat und Brauch hier in diesen Landen, und sie wollte, dass alles perfekt war.

Die Dalanari würden in Absprache mit der Nachtwache dafür sorgen, dass die Gäste sicher nach Dunkelhain gelangten. Die Bürger und Wachen Dunkelhain waren informiert in Bezug auf einen Teil der geladenen Gäste. Die Tatzen würden unter anderem für die Sicherheit im Hain sorgen. Sie würden sich ebenfalls um das Feuerwerk kümmern. Eigentlich konnte nichts schief gehen.

Avalora ließ ihren Blick wieder durch den Hain schweifen. Das Mondfest hier war nur einer von den Terminen, die sie bewältigen wollte und musste. Um weitere Termine würde sich danach Elyedriel kümmern müssen.

Avalora atmete erneut tief durch. Sie würde erneut für eine Zeit verreisen. Der Zirkel und die Schwesternschaft wünschten, dass sie in Feralas und in Silithus nach dem Rechten sah. Danach würde sie auf der Mondlichtung verweilen, um ihre Ausbildung voranzutreiben.

Es gab noch einen anderen Grund, der viel persönlicher war. Vielleicht war es eine Art Flucht oder würde wie eine Flucht wirken. Das wusste sie nicht. Sie wusste nur, dass ihr der Befehl des Zirkels und der Schwesternschaft ganz gelegen kam.

Sie war sich sicher, dass auch Elyedriel das wusste, denn sie war von Avalora direkt nach ihrer Rückkehr informiert worden. Begeistert war sie nicht gewesen, aber sie hatte verstehend genickt und versichert, hier in den Östlichen Königreichen die Stellung zu halten.

Dieses Mal würde es jedoch anders sein als beim letzten Mal. Avalora würde erreichbar sein und zurückkehren, wenn ihre Anwesenheit erforderlich sein sollte. So war es besprochen worden, mit Avalora, mit dem Zirkel und mit der Schwesternschaft.
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